10 Mythen über die perfekte Frau - ein (nur leicht) satirischer Überblick  Teil 2

 

4. Du bist im Beruf stets allen Anforderungen gewachsen und wirst deshalb gerecht behandelt und bezahlt

 

Zu diesem Thema sind schon viele Zeilen geschrieben worden, ein paar Stichworte gefällig?

Machtgefälle, Pay gap, Konkurrenzdenken, Machismo und und und.

 

In einer idealen Welt hätten Frauen und Männer tatsächlich gleiche Chancen auf eine Stelle, auf

gerechte Bezahlung, auf den bisherigen Job nach einer Elternzeit, auf eine Beförderung...

In der Realität aber stellen Menschen gerne Menschen ein, die ihnen selbst ähneln. Da die meisten Personalchefs auch heute noch männlich sind...wird es meist ein Mann. Mittlerweile gibt es ja Gottseidank Frauenquoten, aber auch dann bleibt das Geschmäckle, ob man es ohne Quote auch geschafft hätte und gut genug ist. Wenn dann die männlichen Kollegen erschrocken merken, dass es Konkurrenz in ihrem Revier gibt, womöglich noch besser qualifiziert...ja, dann kommt oftmals das Monster in ihnen zum Vorschein. Die wenigsten Menschen können es neidlos ertragen, dass jemand besser ist als sie selbst, erst recht, wenn es das vermeintlich schwache Geschlecht ist, und man sich selbst bislang erfolgreich als Mann und daher automatisch Platzhirsch definierte. Das nun folgende Machtgerangel, inklusive Mobbing oder die oben erwähnten Belästigung hat meistens Erfolg damit, die unerwünschte Kollegin loszuwerden. Tja und erfolgreiche Methoden werden dann öfters angewandt...

 

Nein, liebe Männer, ich weiß schon, dass ihr nicht alle so tickt und dass viele von euch ziemlich

nett und fair mit den Kolleginnen umgehen könnt, das ist mir klar. Aber leider sitzen an der

Spitze unserer Gesellschaft und unserer Firmen letzten Endes dann doch wieder die „erfolg-

reichen Verdränger“, weil so ein Ellenbogenverhalten sehr effektiv ist und von anderen meist

ganz richtig als Dominanzverhalten interpretiert wird. Es fehlt uns „braven“ Leuten schlicht an

Aggression. Dabei hat sich die Natur aber durchaus etwas gedacht. Kennt noch jemand den

Spruch „Auge um Auge und die ganze Welt wird blind“? Genau, es hilft nämlich, sanft zu sein. Aber bitte zur rechten Zeit auch mal die Krallen ausfahren, denn sonst werden wir überrannt von den Aggressiven.

 

5. Du weißt stets, was deinem Kind fehlt und wie du darauf zu reagieren hast

 

Es wäre sehr schön, wenn das jeder Mutter so ginge. Die Natur hat uns für so wichtige Dinge

wie die Fortpflanzung und die Aufzucht der Jungen ja durchaus einen gewissen Instinkt mit-

gegeben. Dummerweise aber macht sich die Menschheit seit Jahrhunderten daran, uns diesen

Instinkt abzutrainieren, in den meisten Fällen mit Erfolg. Anders sind die brillanten Verkaufszahlen der Myriaden an Ratgeberbüchern nicht zu erklären. Wenn man von einem Kind logisches Erwachsenenverhalten erwartet, ist die Mission Kind verstehen fast schon zum Scheitern verurteilt. Dazu noch ein paar mehr oder minder schlechte Erfahrungen in der eigenen Kindheit und der Cocktail der künstlich erzeugten Hilflosigkeit ist fertig.

Mit einer Mischung aus Vertrauen in die eigenen Instinkte sowie einem guten Schuss gesundem Menschenverstand kommt man in aller Regel weiter. Da heutzutage die liebevolle Großfamilie mit erfahrenen Müttern, Tanten, Omas zur Seltenheit geworden ist und auch Freundinnen einer frischgebackenen Mutter nicht immer mit sinnvollen Ratschlägen zur Seite stehen können oder wollen...tja, da hilft wohl nur die Sache mit dem Beobachten und viel Gelassenheit. Wie ich als kinderlose Frau im übrigen dazu komme, mich über die Tätigkeit einer Mutter auszulassen, so ganz ohne eigenen Nachwuchs, also folgerichtig ohne Erfahrung? Das berührt jetzt Klischee Nummer 8 und 9, gleich mehr dazu;-)

 

6. Sobald du deinen Ehemann siehst, wirst du zur sinnlichen Göttin im Bett

 

An diesem Klischee stören mich gleich mehrere Dinge.

Zum einen wird automatisch davon ausgegangen, dass nur ein EHEmann zur wirklichen

sexuellen Erfüllung imstande sei. Wer schon mal geheiratet hat, weiß aber, dass mit dem berühmten „Ich will“ nicht sofort alle Erfahrungen und Fähigkeiten auf Optimalmaß wachsen.

Eine weniger verbindliche Beziehung kann genauso gut oder schlecht für das Liebesleben sein, das kann man nicht am Trauschein festmachen.

 

Zum zweiten klingt hier durch, dass man bei Frauen ja nur auf den richtigen Knopf drücken müsse, damit sie ungeahnte Lüste empfinden kann. Die allermeisten Frauen können das erstens selbst ganz gut und zweitens lässt der Satz die Tatsache außer Acht, dass Lust eine Sache des Entspannens, der lockeren Stimmung ist. Sicher, man könnte jetzt Aphrodisiaka, ein bisschen Alkohol ins Spiel bringen. Doch das geht schon wieder gegen die Sache mit der Einvernehmlichkeit. Wenn Frau nicht will, dann will sie nicht. Überall in der Natur sieht man dieses Prinzip – Weibchen wählt, Männchen fügt sich – oder sollte es zumindest tun. Es gibt tausend Gründe, warum eine Frau jetzt gerade keinen Sex will, ob es am Partner, dem schlafenden Baby, ihrem eigenen Körper, Schlafmangel, Ärger auf der Arbeit oder sonst etwas liegt. Meistens macht irgendetwas ihr Druck (im Sinne von Bedrohung) und das ist der Lust definitiv abträglich. Auch dazu später mehr.

Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass manch eine Frau nur aus Gründen der Einsamkeit, der finanziellen Sicherheit oder auf Druck des Umfeldes (siehe Klischee 8/9) eine feste, eventuell amtlich anerkannte Beziehung eingeht, dass man ihr vielleicht so viele Komplexe und seelische Baustellen eingeredet hat, dass sie sich und ihrem Körper, ihrem eigenen Instinkt gar nicht mehr vertrauen kann...ja, dann sind wir wieder bei dem infernalischen Cocktail aus Angst und Hilflosigkeit. Man macht halt, was scheinbar alle anderen machen – nur redet kaum jemand davon, dass die anderen genauso wenig verstehen und sich ebenfalls am vermeintlichen Rudelverhalten orientieren. Da hat die Menschheit noch eine ganze Menge Aufarbeitung in Sachen sexuelle Schuldgefühle vor sich. Fangen wir erst mal bei uns selbst an;-)

 

7. Durch die Lektüre verschiedenster Zeitschriften bist du stets auf dem Laufenden in Sachen Mode, aber auch Klatsch und Tratsch, man muss ja mitreden können.

 

Auch hier haben wir so einige Kritikpunkte.

Eine Frau wird in so ziemlich jeder entsprechende Zeitschrift mehr oder minder stark als fehlerbehaftet dargestellt. Warum? Im Marketing spricht man gerne davon, dass man als Unternehmer mit seinem Produkt die Bedürfnisse des Kunden erfüllen sollte. Was ist aber, wenn der Kunde gar kein Bedürfnis danach hat? Nun, dann kann man ihn entweder dezent darauf hinweisen oder mit seinen unterschwelligen Ängsten spielen, sie vielleicht noch stärker machen...damit er das Produkt aus Angst doch kauft. Ein Schelm, der dabei Böses denkt.

Lest mal unter diesem Aspekt die typischen Werbeanzeigen für Produkte, die auf Frauen abgestimmt sind – egal was. Nehmen wir die Kosmetik beispielsweise.

Keine Ahnung, wie es euch geht, aber ich persönlich kenne keine einzige Frau, die auf dekorative Kosmetik alias Schminke freiwillig komplett verzichtet, inklusive Hautpflege, Gesichtswässerchen, Wimpern färben, Beine enthaaren... Warum nicht? Aus Angst, als Schlampe, ungepflegt oder sonst wie unangenehm zu gelten. Dass ungefähr 99,9% der Männer den Unterschied zwischen geschminkt und ungeschminkt gar nicht bemerken oder sich daran nicht stören...sinnloser Einwand! Das „Rudel“ der Menschheit könnte einen ja eventuell, möglicherweise,...verstoßen.

Hier treffen sich anerzogene Mythen und die tatsächliche evolutionäre Realität (nämlich, dass man als einzelner Mensch in freier Wildbahn von jeher nur sehr schlecht überlebt und daher den Verband der Gruppe ( Rudel, Horde...) sucht und sich notgedrungen dessen Vorschriften anpassen muss. Ein gefundenes Fressen für die Hersteller der Kosmetik, im Extremfall auch für psychologisch geschulte Profis, die der völlig verunsicherten Frau dann irgendwann ein wenig Vertrauen in sich selbst verschaffen sollen. Fragt sich noch jemand, warum eine von anerzogenen Ängsten und sozialen Zwängen befreite Frau hierzulande so selten ist? Genau, weil es sich für eine Menge Leute dann nicht rechnet. Behalten wir nun noch im Hinterkopf, dass unser kollektives Gedächtnis dieses halbe Jahrtausend an Hexenverfolgung zu bieten hat, bei der aus Neid und Missgunst sehr schnell ein Todesurteil wurde...tja, dann wundert einen so schnell nichts mehr. Auch dazu noch mehr in den kommenden Artikeln;-)