Was erlaubt die sich denn!?! - Ein Zwischenruf

 

So manch einer fragt sich nach den vorhergehenden Artikeln nun: Wer ist diese Frau und vor allem, wieso lehnt sie sich mit ihren Texten so aus dem Fenster!?!

Ich stelle dann mal mich und meinen Werdegang vor, wie es kam, dass ich hier öfter den Mund aufmache.

 

Wie so viele von uns Menschen war auch ich eines dieser Kinder, die Erwachsene lieben, weil sie so unheimlich BRAV sind. Aus heutiger Sicht würde ich natürlich sagen, viel ZU brav, aber mangels Vergleichsmöglichkeiten war mir diese Tatsache halt noch nicht bewusst. Stattdessen machte ich, was die Erwachsenen wollten, lächelte, ob ich nun wollte oder nicht ...UND HIELT DEN MUND.

 

Egal, was passierte.

 

Ob große oder kleine Ungerechtigkeiten geschahen, Hass oder Gewalt meinen Weg kreuzten, ob unglückliche Menschen nach Liebe oder zumindest Aufmerksamkeit regelrecht schrien...Ich hielt den Mund, denn ein braves Mädchen bereitet ja niemandem Unannehmlichkeiten, nicht wahr?

 

Das erwies sich über die Jahre hinweg als Fehlgriff, doch leider saß diese Sache namens „gute Erziehung“ ausgesprochen fest in meinem Hirn und bremste jeden Versuch, mal – wörtlich oder nur metaphorisch – mit der Faust auf den Tisch zu hauen und Klartext zu reden.

 

Es brauchte viele, viele Krisen, darunter eine zu pflegende Schwiegermutter mit Schlaganfall und Alzheimer, Ehekrise und so schwere Depressionen, dass ich nicht mehr leben wollte...bis ich endlich begriff, dass ich mein Leben so leben musste, wie es MIR gefiel. Dass ich die Stimmen und Andeutungen aus Umfeld, Werbung, Fernsehen usw., die mir zu verstehen gaben, dass ich falsch, nicht akzeptiert sei, wenn ich nicht so handeln würde, wie sie es mir vorschrieben, dass ich diese Stimmen - teilweise komplett - ignorieren musste.

Die Variante, in der ich anderen alles recht machte, nun ja, die hatte sich als untauglich erwiesen, denn sie führte mich geradewegs in das Land des Un-GLÜCK-lichseins.

 

Natürlich war dieser neue Weg nicht ohne Hindernisse. Es brauchte so einiges an Unterstützung von erfahrenen therapeutischen Menschen (ein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle!!) und allmählich wuchs das kleine Pflänzchen namens Selbstvertrauen. Nachdem ich mich jahre- und jahrzehntelang als „schüchtern“, „Mauerblümchen“, „uninteressant“ und vieles anderes definiert hatte, war ich dann vor einigen Jahren sehr erstaunt, als mir jemand entgegnete, das stimme nicht, ich sei doch ganz und gar nicht schüchtern! Es klappte offenbar!

Im Laufe dieses Wandels merkte ich auch, dass die befürchtete Ablehnung, Gegenwind, „Ärger“ in jeglicher Form...dass die meistens gar nicht kamen, wenn ich meine eigene Meinung zu einem Thema äußerte. Vorausgesetzt natürlich, es war nicht einfach nachgeplappert, sondern durchdacht.

 

Aus diesem Grund beschloss ich dann, nicht nur Heilpraktikerin zu werden und nach einiger Zeit auch eine Praxis zu eröffnen, sondern nun auch einen Blog, in dem ich versuche, mit verbreiteten Mythen, Fehleinschätzungen und anderen Störfaktoren aufzuräumen. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen von euch etwas Trost, Unterstützung, vielleicht sogar ein kleines Aha-Erlebnis. Manches davon stand mir selbst mal im Weg – oder tut es hin und wieder noch - , anderes kommt mir in Gesprächen bis-weilen zu Ohren.

Nicht immer wird es offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen zu lesen, das habe ich in all diesen Jahren gelernt. Nachzuhaken, vor allem nachzuhaken, wenn jemand etwas kritiklos akzeptieren will.

Mit viel Verständnis und Liebe meine Mitmenschen zu betrachten und, wenn einer davon Hilfe sucht, meine Hand auszustrecken. Wer sie nehmen möchte, den begleite ich gerne ein Stück weit auf seiner Reise zum Glück.

 

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