Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst?

Schwefel-Cosmea
Schwefel-Cosmea (c) Maria Aldinger

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Wenn ich jemandem mit viel Stress vorschlage, bei der ein oder anderen nicht soo wichtigen Aufgabe doch mal etwas kürzer zu treten und ruhig auch die lieben Mitmenschen einzubinden, dann fallen häufig Sätze wie diese:

 

Das kann ich X doch nicht antun!“

 

Ach wirklich? Fällt dann dieser Mensch auf der Stelle tot um oder hört die Erde augenblicklich auf, sich zu drehen? Vermutlich eher nicht. Den Satz höre ich nämlich nicht bei buchstäblich lebenswichtigen Aufgaben – zum Beispiel einen Angehörigen pflegen, da kann es ja tatsächlich schwierig sein, von jetzt auf gleich einen Ersatz für die eigene Tätigkeit zu finden.

Eher, wenn es darum geht, dass jemand nach dem Kegel- und dem Gesangsverein vielleicht nicht auch noch Vorsitzender des Pudelzüchterclubs werden muss. Mitglied sein, na klar. Aber überall bei den anstrengenden Posten „Hier!“ schreien? Nö, muss nicht sein. Die meisten Menschen sind mit ihren Hobbies und den bekannten 24 Stunden am Tag recht gut ausgelastet. Außerdem sind wir zu 7 Milliarden, da fand sich bis jetzt noch immer ein Nachfolger...

 

Wenn wir eine solche, doch eher kleine Entscheidung dem Anderen mitteilen, dann sieht man sehr schön, aus welchem Holz das Gegenüber geschnitzt ist.

In den allermeisten Fällen kommt dann nämlich bloß so etwas wie „Oh schade...naja, da kann man nichts machen“. Damit ist die Sache erledigt und wir sind ein belastendes Päckchen los. Juchu!

 

Schwieriger ist es bei den ...nennen wir sie mal vorsichtig „Dramatikern“. Das sind die, bei denen ein mehr oder minder direktes Nein für ganz großes Kino sorgt. Von ungläubigen Blicken über pathetische Ausrufe wie „Aber nein! Du willst mich umbringen!“, gefolgt von Vorwürfen, wie man sie seltsamer gar nicht erfinden könnte und wenn wir es dann wagen, immer noch nicht einzuknicken – tja, dann fahren die Dramatiker die großen Geschosse auf und machen einen auf „Armes Opfer“, komplett mit schniefen, Dackelblick, Krokodilstränen und frei erfundenen Räuberpistolen darüber, was die Menschheit doch schon immer so gemein/egoistisch/hinterhältig... zu ihnen gewesen sei und wie sie glaubten, wir seien eine löbliche Ausnahme...

 

Bei so einem Theater hart zu bleiben und auf dem Nein zu beharren – da gehört dann schon etwas Training dazu und vor allem das Wissen, dass ein solcher Mensch sich im Handumdrehen einen neuen „Sklaven“ sucht. Eine Sorge weniger für uns.

Das mag jetzt fies und hartherzig klingen, aber so ein Dramatiker (Die Psychologen sprechen hier etwas genauer von Narzissten, die ihre Mitmenschen ohne Sinn und Verstand als Werkzeug benutzen) sieht uns nicht als Mitgeschöpf mit Gefühlen, sondern als Mittel zum Zweck – seelische „Knöpfe“ drücken, um den anderen zu manipulieren (das ist viel eher gemein!), ist für ihn ein alltäglicher Vorgang, um ohne eigenes Zutun die Lorbeeren einzuheimsen.

 

Hier ist es sehr hilfreich, sich im Vorherein den einen oder anderen Satz zu überlegen, mit dem man solche Attacken ruhig, aber bestimmt abwehren kann. Vielleicht tut es für den Anfang eine gute Freundin oder auch der Spiegel als Partner;-) Notfalls tut es ein schlichtes Nein aber auch. Nur beharrlich muss man sein und – wenn es geht – dem anderen ins Gesicht zu sehen, ist auch sehr hilfreich, denn das sagt demjenigen, dass hier jemand nicht darauf wartet, ausgenutzt zu werden, sondern dass wir hinter unserer Forderung stehen, was da auch kommen möge. Das ist leichter gesagt als getan, aus eigener Erfahrung kann ich da beipflichten, aber auch sehr lohnend.

 

 

 

Whenever I suggest somebody stressed-out might as well take it easy and drop this or that not-so-important job from their list that others can do as well, I usually hear phrases like those:

 

But I can't to that to X!“

 

Oh really? Is this person going to drop dead right away, will the Earth stop spinning around its axis this very moment?

Probably not. You see, this sentence is not one that people use when talking about literally vital jobs, such as nursing a sick relative, where it can indeed be tricky to find a good substitute for one's own work.

No, this usually comes up from somebody who is is heavily involved in the bowling club as well as the choir and who now considers becoming president of the poodle breeders' club, too.

Being a member: sure, go for it. But taking up every taxing job that nobody else wants? Nope, not essential.

Most people are quite well endowed with their hobbies and those well-known 24 hours in a day. Besides, there are 7 billion of us, so far we've always found someone to fill in...

 

When we tell others about such a, really rather small decision, it becomes quite obvious what kind of person we are dealing with. In almost every case all you hear is a simple „Oh, what a pity...well, you can't help it.“ This is no longer our business, we've got a much-needed breather - yay!

 

Things are more tricky, though, if you're dealing with a drama queen (or king). You know, those that will follow up on your declaration with major tantrums. Starting with incredulous looks, they'll fire away lofty cries like „Oh no! You are trying to kill me!“, followed by reproaches so strange you couldn't dream them up and if at that point we dare to still not buckle ...well the drama queen or king will get the big cannons out, acting like they are the „poor victim“, complete with sniffing, big puppy eyes, crocodile tears and wild cock-and-bull-stories about how mankind has always been so mean/selfish/back-stabbing to them and how they thought that we were one of the laudable exceptions...

Remaining firm amidst such a fuss – this requires a bit of previous training and knowing that such a person will immediately go out hunting for another „slave“ if we decline. One less worry for us.

No fear, this may sound a bit nasty and cold-hearted, but such a drama queen (technically speaking, psychologists refer to people who use their fellow humans like a tool as narcissists) does not see you as a living being with needs or emotions, but simply as a means to an end. Pushing people's buttons and manipulating them in order to achieve what they want (now that's truly mean!) is something very common for a drama queen.

In this situation it is very helpful to think of one or two phrases ahead of time that you can use to counter such attacks calmly, but firmly. Try and practice with a good friend or even the mirror. If everything else fails, a plain No will do. Just be patient and – if you can manage – look the other one in the face for this tells them that you are not waiting to be abused but that you won't budge, come hell or high water. That is easier said than done, I can tell you from my own experience – but it's oh so rewarding!

 

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