Minervas Notizen - Einwürfe vom Grünstreifen

Biene am Blutweiderich
Biene am Blutweiderich (c) Maria Aldinger

 

In diesem Blog schreibe ich über verschiedene Dinge, wie sie mir in meinem Alltag als Heilpraktikerin begegnen, die mich in den Schlagzeilen verwundern oder die ich schlicht und ergreifend bemerkenswert finde. Mal geht es um Menschen in verschiedenen Lebenslagen, große und kleine Macken, dann wieder um gesellschaftliche Phänomene oder die kleinen Kuriositäten, die jeder von uns mal mehr, mal weniger um sich herum sieht. Manchmal gibt es Aha-Momente, dann wieder etwas Rat oder Trost. Aber immer mit einer persönlichen Note!

 


Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst? Teil 3

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Neben den Triebfedern des Nett-sein-müssens und der (scheinbaren) Wertlosigkeit sehe ich oft eine weitere Form von Überforderung, die hinter der pflichtbewußten Maske noch andere Ursachen verbirgt.

 

Wenn ich es nicht mache, dann macht es ja keiner!“

 

Auf den ersten Blick kommen hier eindeutig Pflichtbewußtsein und ein gutes Stück Frust zusammen. Wir alle kennen solche Menschen, die stets die Drecksarbeit für andere miterledigen und das dann auch mehr oder weniger deutlich die Welt wissen lassen. Einerseits freut man sich, dass der Kelch an einem selbst vorbeiging und dass es Menschen mit einem so ausgeprägten Gefühl für Pflichten gibt. Vielleicht haben wir auch einen Anflug von schlechtem Gewissen, denn unsere Untätigkeit hat diesem armen Geschöpf ja weitere Arbeit aufgebürdet. Wir hätten das möglicherweise auch selbst machen können.

Doch gleichzeitig schwingt da auch eine Mischung aus Vorwurf und Stolz mit. „Könnt ihr euren Kram nicht mal selbst erledigen!?“ trifft auf „Guck mal, wie wichtig ich bin, ohne mich bricht hier alles zusammen!“

Wer schon mal versucht hat, die lieben Mitmenschen über solche Vorwürfe zur Arbeit zu motivieren, weiß, wie sinnlos im Grunde schon der bloße Denkansatz ist. Durch Genörgel bekomme ich niemanden dazu, dass er anpackt. Dennoch wird es tagtäglich viele tausend Mal so gemacht.

Warum eigentlich? Geht das nicht besser und vor allem effektiver? Was steckt hinter diesem Verhalten?

Drehen wir die Sache doch mal um – sagen wir, der Chef gibt uns einen Arbeitsauftrag. Wenn er gut in seinem Job ist und etwas über Mitarbeiterführung gelernt hat, wird er das ungefähr so formulieren: „Frau Meier, bitte kümmern Sie sich um Aufgabe X. Es muss bis Y fertig sein.“

 

Eine klare Ansage: Was ist zu tun? Wer soll es tun und bis wann?

 

Davon findet sich im vorwurfsvollen „...sonst macht es ja keiner“ nicht die Spur. So ziemlich jeder von uns kennt das Spielchen aus der Kindheit, gerne gesehen beim Zimmer aufräumen – man musste einfach nur jedes Mal Mutters schlechte Laune einen Moment lang aushalten und vielleicht was nuscheln von „Ja ja, gleich“. Schwups, war die Sache für einen erledigt und man musste sich nicht darum kümmern.

 

Woher dieses Verhalten eigentlich kommt? Ich würde sagen, es stecken verschiedene (falsche) Annahmen dahinter.

Zum einen geht die Fragestellerin (dieses Phänomen ist mir zumindest bislang überwiegend bei Frauen begegnet) davon aus, dass ihr Kind/Mann/... exakt erraten kann, wie und wann sie die Aufgabe erledigt haben möchte.

Genaue Details, vielleicht auch einzelne Unterpunkte („Mach zuerst dein Bett und dann räum bitte die Kleidung in den Schrank und zwar bis zum Abendessen“) fehlen komplett.

Zum anderen ist sie - unbewußt - der Ansicht, dass es zu ihrer Rolle als Frau gehört, sich um den kompletten Haushalt (oder was immer das zu erledigende Projekt ist) ALLEIN zu kümmern. Die 50er mit ihrem völlig unrealistischen Bild der Super-Hausfrau lassen grüßen.

Daher verzichtet sie darauf, die Mitbewohner schon bei der Planung einzubinden und die Aufgaben entsprechend zu verteilen. Resultat: Außer ihr kennt niemand das große Ganze mit seinen unsichtbaren Details. Zum einen macht sie das in der Tat unverzichtbar, allerdings bleiben die anderen außen vor und ahnen oft nicht einmal, was so alles hinter den Kulissen passieren muss, damit Hotel Mama stets warmes Essen und saubere Kleidung parat hat. Spätestens wenn diese Dame nun doch mal ausfällt, herrscht zuhause im Handumdrehen das Chaos, denn niemand weiß ja, was zu tun ist. Niemand kann sich darum kümmern, dass zumindest Grundbedürfnisse wie Essen oder bezahlte Rechnungen abgedeckt werden.

 

Ein dritter Grund steckt nach meiner Erfahrung zusätzlich in diesem Mechanismus – die Harmoniesucht, dem Wunsch, unbedingt bei allen beliebt zu sein. Wenn ich alle unpopulären Arbeiten mache, hat niemand was zu meckern und vielleicht ist jemand sogar froh über mich.

 

Je älter die Mitstreiter sind, desto eher kann man mit ihnen natürlich über Sinn und Unsinn mancher Arbeit diskutieren – wenn man es denn möchte -, aber bestimmte Arbeiten sind nun mal notwendig und auch die längste Debatte am Esstisch oder in der Teamsitzung macht sie nicht überflüssig.

Ja, das gibt am Anfang den ein oder anderen bösen Blick, aber auch hier ist ein bisschen Geduld Gold wert. Menschen mögen es nämlich, wenn man ihnen etwas zutraut und eine Aufgabe, die man selbst gemeistert hat, macht unheimlich stolz.

 

Was ist also hier die Lösung – oder sagen wir lieber, EIN möglicher Weg zur Lösung?

 

Zum einen muss ich meinen Stolz etwas zurechtstutzen und zugeben, dass auch ohne mich der Laden laufen wird; vielleicht nicht exakt so, wie ich es tun würde, aber lange das Endresultat stimmt, geht es doch.

Viele gute Pläne scheitern hier. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen und die eigene Wichtigkeit vielleicht eher auf anderen Gebieten zu zeigen...das macht natürlich Angst. Was bleibt von mir, wenn ich nicht wenigstens die perfekte Hausfrau und Mutter bin? Die perfekte Organisatorin im Sportverein? Der Liebling aller Kollegen?

Antwort: Erstaunlich viel. Der „Nur-Heimchen-am-Herd-Blick“ wurde uns in den letzten Jahrzehnten mit unglaublicher Härte ins Gehirn und die Mentalität gemeißelt. Es braucht ein gehöriges Stück Gelassenheit und Selbstvertrauen (das nicht immer sofort da ist), um die Lücken zu füllen. Stichwort Wachstumsschmerzen. (Es lohnt sich aber gewaltig, so viel sei verraten!)

 

Zum anderen muss ich meinen Familienmitgliedern/Kollegen/... klarmachen, dass alle in einem Boot sitzen und sich niemand vor zumindest einem Stückchen Arbeit drücken kann. Als Belohnung hilft gerne mal der Hinweis, dass man selbst dann dieses Rumgenörgel an den anderen ja endlich sein lassen kann...;-)

Die eigentliche Arbeitsanweisung so klar und deutlich wie möglich ausdrücken!

Nicht etwa, weil unsere Mitmenschen begriffsstutzig wären, sondern weil es schlicht um Informationen geht; die „verbale Dekoration“ lenkt hier nur ab.

Ein abschreckendes Beispiel ist mir einmal in einem Warteraum begegnet: Neben mir saß eine junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn, vielleicht 2 Jahre alt. Als nun dieser Junge das Spielzeug eines anderen Kindes mitnehmen wollte, hielt die Mutter eine eindrucksvolle Rede, die in etwa so ging:“Hallo mein Schatz, würdest du der Mama eventuell mal einen Gefallen tun, also wenn du vielleicht magst, und könntest du so nett sein, dem Kind dort drüben irgendwann sein Spielzeug zurückzugeben?“

Ob hier Ironie im Spiel war – ich weiß es nicht.

Ich weiß aber, dass es mich eine Menge Beherrschung kostete, hier nicht einzugreifen und zu zischen: „Verdammt, dein Kind ist noch viel zu klein, er versteht davon nichts als Blablabla! Drück dich klarer aus!“

Entsprechend tat der Junge natürlich auch nicht, was die Mutter von ihm forderte...!

Ein schlichtes „Schatz, gib bitte das Spielzeug wieder zurück“ hätte hier seinen Zweck mit Sicherheit besser erfüllt.

 

Was denken Sie zu diesem Thema, liebe Leserinnen und Leser? Sind Sie dafür, dagegen oder ganz anderer Meinung? Wollen Sie mehr dazu lesen? Was immer auch Ihre Meinung ist, lassen Sie es mich in den Kommentaren wissen!

 

 

Along with the drivers of having-to-be-nice and (seeming) worthlessness I often see another form of overwhelm which hides other causes behind a dutiful mask.

 

If I don't do it, nobody else will!“

 

At first sight this is obviously a collision of a strong sense of duty and a good heaping of frustration. We all know such people who will always do others' dirty work and then let the world know about it more or less clearly. On the one hand you feel glad that you were spared that ordeal and that there are people with such a strong sense of duty. Maybe you also feel a hint of guilt for your inaction burdened this poor creature with additional work. You might have done this yourself.

Yet at the same time this has a feel of reproach and pride. „Can't you take care of your stuff yourself!?“ meets „Look how important I am; without me everything would come crashing down!“

If you've ever tried to motivate your fellow humans for work with the help of such reproaches, you know how utterly useless even the intellectual approach is. Still this is how it is done every day many thousand times.

So why is this? Can't we do this a bit better and, more importantly, in a more effective way? What is the cause of such behaviour?

Let's take a different look at it – say, our boss gives us a task to work at. If he is good at his job and has learned a bit about leadership, he'll phrase his request something like this: „Mrs Meier, please take care of task X. It is due on day Y“.

 

A clear declaration: What needs to be done? By whom and until when?

 

You can't find even a hint of that in the reproachful „...or nobody will do it“ Just about anyone of us knows this game from our childhood, often with chores such as tidying your room – you only had to endure Mother's bad mood for a moment and maybe mumble something like „Yeah, later“. In one fell swoop the thing was done for you, no need to take responsibility.

 

So where does this behaviour come from originally? I dare say there are several (false) beliefs behind all of this.

Firstly the enquirer assumes that her child/husband/...(so far I've only ever encountered this phenomenon with women) are mindreaders to know how and when she would like to have the chore finished. Exact details, maybe even some order in them („First, make your bed and then put your clothes in the wardrobe; until dinner time“) are lacking completely.

Secondly she – unconsciously – holds the opinion that it is part of her role as a woman to take care of the entire household (or whatever the job to be done is) ALL BY HERSELF. A nod to the fifties and their totally unrealistic image of the super housewife.

Thus she avoids involving her housemates as early as the planning stage and delegating the tasks respectively.

Result: Nobody except her knows the greater picture and the invisible details. On the one hand she does make herself irreplaceable but the others are left out and often have no idea just how much has to be done for „Hotel Mum“ to be able and keep warm food and clean clothes ready.

By the point when this lady does become incapacitated, all hell will break loose in her home for nobody knows what has to be done on a daily base. Nobody can take care of covering at least the basic needs such as food or bills getting paid on time.

 

Judging from my experience there is often a third reason at play in this mechanism – the drive for constant harmony, also known as people pleasing. If I take on all the unpopular chores, nobody has a reason for whining and maybe someone is even glad to have me.

The older your comrades-in-arms are, the easier it is to have a discussion with them about whether certain jobs are necessary or not – if you truly want to – but some tasks are simply essential and even the longest debate at the dining table will not turn them into something superfluous.

Yes, you will get angry looks at first, but a little patience is worth its weight in gold. You see, people like it when you have confidence in their abilities and a job that you managed to do yourself will make you proud.

 

So what is the solution here – or, rather, ONE possible way to a solution?

 

On the one hand I need to take down my ego a bit by admitting that even without me, things will be going well; maybe not in the exact same way that I would do them, but as long as the final result is the same, it's ok.

A lot of great plans fail at this mark. Not taking yourself too seriously, maybe trying to show your importance in other fields – that's scary. What will remain of me if I am not at least a perfect homemaker? Answer: so much it'll amaze you! That „only a housewife and mother“ kind of view has been chiseled into our brains and our mentality for decades with relentless fervor. It takes a good deal of self confidence and serenity – which may not immediately be at hand – to fill those gaps. Speak of growing pains. (Though it is worth the effort, that much I can say!)

 

On the other hand I need to point out to my family members/colleagues/... that we are in this together, that nobody can refuse to do at least some small task. Stating that you can finally stop nagging may be a good reward to get everyone on track ;-)

Keep the actual assignment as clear and as precise as possible!

It's not because our fellow humans could be dim-witted, it's because what counts in this case is pure information - „verbal decoration“ is only a distraction.

I once encountered a deterrent example in a waiting room: Next to me sat a young mother with her son, maybe two years old. When this boy wanted to take home another child's toy, his mother gave a rather impressive speech that ran something like this:“Hello my darling, would you please do Mommy, well, sort of a little favor – only if you like to – and could you please be so nice and give that toy back to the other kid at some point ?“

Whether this was a case of irony – I don't know.

What I do know, though, is that it took me a whole lot of self-control to not interfere and hiss:“Damn it, your child is way too young, all he understands is bla bla bla! Get to the point!“

Obviously the boy never did what his mother asked him to...

Simply saying „Darling, please give that toy back“ would certainly have been more effective.

 

What do you think about this topic, my dear readers? Do you agree, disagree; maybe you have an entirely different opinion? Would you like to read more about this? Whatever your opinion is, feel free to let me know in the comments section!

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Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst?

Schwefel-Cosmea
Schwefel-Cosmea (c) Maria Aldinger

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Wenn ich jemandem mit viel Stress vorschlage, bei der ein oder anderen nicht soo wichtigen Aufgabe doch mal etwas kürzer zu treten und ruhig auch die lieben Mitmenschen einzubinden, dann fallen häufig Sätze wie diese:

 

Das kann ich X doch nicht antun!“

 

Ach wirklich? Fällt dann dieser Mensch auf der Stelle tot um oder hört die Erde augenblicklich auf, sich zu drehen? Vermutlich eher nicht. Den Satz höre ich nämlich nicht bei buchstäblich lebenswichtigen Aufgaben – zum Beispiel einen Angehörigen pflegen, da kann es ja tatsächlich schwierig sein, von jetzt auf gleich einen Ersatz für die eigene Tätigkeit zu finden.

Eher, wenn es darum geht, dass jemand nach dem Kegel- und dem Gesangsverein vielleicht nicht auch noch Vorsitzender des Pudelzüchterclubs werden muss. Mitglied sein, na klar. Aber überall bei den anstrengenden Posten „Hier!“ schreien? Nö, muss nicht sein. Die meisten Menschen sind mit ihren Hobbies und den bekannten 24 Stunden am Tag recht gut ausgelastet. Außerdem sind wir zu 7 Milliarden, da fand sich bis jetzt noch immer ein Nachfolger...

 

Wenn wir eine solche, doch eher kleine Entscheidung dem Anderen mitteilen, dann sieht man sehr schön, aus welchem Holz das Gegenüber geschnitzt ist.

In den allermeisten Fällen kommt dann nämlich bloß so etwas wie „Oh schade...naja, da kann man nichts machen“. Damit ist die Sache erledigt und wir sind ein belastendes Päckchen los. Juchu!

 

Schwieriger ist es bei den ...nennen wir sie mal vorsichtig „Dramatikern“. Das sind die, bei denen ein mehr oder minder direktes Nein für ganz großes Kino sorgt. Von ungläubigen Blicken über pathetische Ausrufe wie „Aber nein! Du willst mich umbringen!“, gefolgt von Vorwürfen, wie man sie seltsamer gar nicht erfinden könnte und wenn wir es dann wagen, immer noch nicht einzuknicken – tja, dann fahren die Dramatiker die großen Geschosse auf und machen einen auf „Armes Opfer“, komplett mit schniefen, Dackelblick, Krokodilstränen und frei erfundenen Räuberpistolen darüber, was die Menschheit doch schon immer so gemein/egoistisch/hinterhältig... zu ihnen gewesen sei und wie sie glaubten, wir seien eine löbliche Ausnahme...

 

Bei so einem Theater hart zu bleiben und auf dem Nein zu beharren – da gehört dann schon etwas Training dazu und vor allem das Wissen, dass ein solcher Mensch sich im Handumdrehen einen neuen „Sklaven“ sucht. Eine Sorge weniger für uns.

Das mag jetzt fies und hartherzig klingen, aber so ein Dramatiker (Die Psychologen sprechen hier etwas genauer von Narzissten, die ihre Mitmenschen ohne Sinn und Verstand als Werkzeug benutzen) sieht uns nicht als Mitgeschöpf mit Gefühlen, sondern als Mittel zum Zweck – seelische „Knöpfe“ drücken, um den anderen zu manipulieren (das ist viel eher gemein!), ist für ihn ein alltäglicher Vorgang, um ohne eigenes Zutun die Lorbeeren einzuheimsen.

 

Hier ist es sehr hilfreich, sich im Vorherein den einen oder anderen Satz zu überlegen, mit dem man solche Attacken ruhig, aber bestimmt abwehren kann. Vielleicht tut es für den Anfang eine gute Freundin oder auch der Spiegel als Partner;-) Notfalls tut es ein schlichtes Nein aber auch. Nur beharrlich muss man sein und – wenn es geht – dem anderen ins Gesicht zu sehen, ist auch sehr hilfreich, denn das sagt demjenigen, dass hier jemand nicht darauf wartet, ausgenutzt zu werden, sondern dass wir hinter unserer Forderung stehen, was da auch kommen möge. Das ist leichter gesagt als getan, aus eigener Erfahrung kann ich da beipflichten, aber auch sehr lohnend.

 

 

 

Whenever I suggest somebody stressed-out might as well take it easy and drop this or that not-so-important job from their list that others can do as well, I usually hear phrases like those:

 

But I can't to that to X!“

 

Oh really? Is this person going to drop dead right away, will the Earth stop spinning around its axis this very moment?

Probably not. You see, this sentence is not one that people use when talking about literally vital jobs, such as nursing a sick relative, where it can indeed be tricky to find a good substitute for one's own work.

No, this usually comes up from somebody who is is heavily involved in the bowling club as well as the choir and who now considers becoming president of the poodle breeders' club, too.

Being a member: sure, go for it. But taking up every taxing job that nobody else wants? Nope, not essential.

Most people are quite well endowed with their hobbies and those well-known 24 hours in a day. Besides, there are 7 billion of us, so far we've always found someone to fill in...

 

When we tell others about such a, really rather small decision, it becomes quite obvious what kind of person we are dealing with. In almost every case all you hear is a simple „Oh, what a pity...well, you can't help it.“ This is no longer our business, we've got a much-needed breather - yay!

 

Things are more tricky, though, if you're dealing with a drama queen (or king). You know, those that will follow up on your declaration with major tantrums. Starting with incredulous looks, they'll fire away lofty cries like „Oh no! You are trying to kill me!“, followed by reproaches so strange you couldn't dream them up and if at that point we dare to still not buckle ...well the drama queen or king will get the big cannons out, acting like they are the „poor victim“, complete with sniffing, big puppy eyes, crocodile tears and wild cock-and-bull-stories about how mankind has always been so mean/selfish/back-stabbing to them and how they thought that we were one of the laudable exceptions...

Remaining firm amidst such a fuss – this requires a bit of previous training and knowing that such a person will immediately go out hunting for another „slave“ if we decline. One less worry for us.

No fear, this may sound a bit nasty and cold-hearted, but such a drama queen (technically speaking, psychologists refer to people who use their fellow humans like a tool as narcissists) does not see you as a living being with needs or emotions, but simply as a means to an end. Pushing people's buttons and manipulating them in order to achieve what they want (now that's truly mean!) is something very common for a drama queen.

In this situation it is very helpful to think of one or two phrases ahead of time that you can use to counter such attacks calmly, but firmly. Try and practice with a good friend or even the mirror. If everything else fails, a plain No will do. Just be patient and – if you can manage – look the other one in the face for this tells them that you are not waiting to be abused but that you won't budge, come hell or high water. That is easier said than done, I can tell you from my own experience – but it's oh so rewarding!

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein nur leicht satirischer Überblick, Teil 3

8. Erst eine verheiratete Frau mit Kind ist eine RICHTIGE Frau.

- oder -

9. Eine alleinstehende, berufstätige und kinderlose Frau, das geht ja gar nicht!

- oft auch eingebaut in der Frage:

10. Wo bleibt denn der Nachwuchs!?!

 

Den besten, oder nach Ansicht der betroffenen Frauen eher den schlimmsten Teil, heben wir uns für den heutigen Artikel auf. Es sind drei Mythen, die aber alle um dasselbe Kernthema kreisen - die Sache mit der Fortpflanzung.

Während es mittlerweile relativ akzeptiert ist, dass nicht jede Frau den Bilderbuch-Lebensentwurf aus den 50ern mag (Mann, 2 Kinder, Haus und weißer Gartenzaun), sondern dass Kinder eben auch ohne Trauschein kommen und dennoch prächtig gedeihen können...so wird es ausgesprochen schwierig, wenn man sich nicht nur den "geordneten Verhältnissen", siehe oben, sondern gleich der Fortpflanzung komplett verweigert. So manche - eigentlich liberalen - Familien fangen ab einem gewissen Alter an, bewußt oder unbewußt auf die nächste Generation zu hoffen. Zu bibbern. ZU DRÄNGEN. Bisweilen artet das fast schon in Bestechungsversuche aus, doch auch wenn sich so eine Situation für Außenstehende möglicherweise amüsant liest - für all diejenigen, die mitten in der "Ich will aber keine Kinder, grundsätzlich nicht!"- Kontroverse stecken, ist es längst nicht so unterhaltsam.

Doch es bleibt die Frage: woher kommt dieser Mythos und warum ist er so penetrant?

 

Die Herkunft ist, mit Blick auf die Menschheitsgeschichte, recht schnell geklärt: Wo keine Kinder, da keine Zukunft. In der Zeit der Frühmenschen waren wir aber auch noch viel weniger. Nichts von Überbevölkerung zu spüren. Sobald man Kinder hatte, war man locker zwei Jahrzehnte damit beschäftigt, sie zu füttern, gesund zu halten und mit viel Glück hatte man hinterher einen oder mehrere Erwachsene zustande gebracht. Wenn man zu dem Zeitpunkt dann noch etwas Lebenszeit übrig hatte - das war lange Zeit nicht selbstverständlich! - , erlebte man bald, wie sich die eigenen Gene wiederum in den Enkeln erhielten. Mehr Menschen, mehr Arbeitskräfte, bessere Überlebenschancen.

Kinder = Leben. Aha! Das erklärt die Sehnsucht der meisten Leute nach Kindern, und deren Kindern.

 

Mittlerweile allerdings ist es zum Überleben längst nicht mehr nötig, Kinder zu haben, sich "fest zu binden" .Auch die Ehe war immerhin bis vor wenigen Jahrzehnten eine Art Vertrag zum beidseitigen Nutzen, mehr als Sympathie oder Kooperationsbereitschaft waren nicht zwingend erforderlich!

Doch was sind ein paar Jahrzehnte im Vergleich zu vielen Jahrtausenden? Recht wenig, um es einmal verhalten auszudrücken! Noch dazu verdienen heute auch viele Menschen ihr Brot damit, den Kinderwunsch anderer Leute zu erfüllen - man denke an die gigantischen Industrien der Partnervermittlung, künstliche Befruchtung,Geburtsvorbereitung und Kindererziehung! Keine Kinder zu wollen bedeutet für diese Geschäftsmodelle, dass ihnen schlicht die Kundschaft ausgeht. Ganz zu schweigen davon, dass die kommende Kundschaft ja auch wegfällt, weil nie gezeugt. Doch letzten Endes sorgt es nur für Konflikte in der Familie, wenn jemand sich nicht fortpflanzen will und der Rest der Familie sie oder ihn in der Bringschuld sieht.

Einstweilen kann es der ein oder anderen Frau helfen, die eigenen Werte und Grenzen möglichst gut zu kennen und notfalls darauf hinzuweisen, dass jemand anderes gerade im Begriff ist, sie zu überschreiten?! Leichter gesagt als getan, ich weiß.

 

Aus diesem Grund befasse ich mich in der nächsten Artikelserie einmal genauer mit diesen ominösen Werten, wo sind unsere individuellen Grenzen und wie schaffen wir es, dass sie einfach mal respektiert werden? Ein spannendes Thema wartet auf euch!!

Was erlaubt die sich denn!?! - Ein Zwischenruf

 

So manch einer fragt sich nach den vorhergehenden Artikeln nun: Wer ist diese Frau und vor allem, wieso lehnt sie sich mit ihren Texten so aus dem Fenster!?!

Ich stelle dann mal mich und meinen Werdegang vor, wie es kam, dass ich hier öfter den Mund aufmache.

 

Wie so viele von uns Menschen war auch ich eines dieser Kinder, die Erwachsene lieben, weil sie so unheimlich BRAV sind. Aus heutiger Sicht würde ich natürlich sagen, viel ZU brav, aber mangels Vergleichsmöglichkeiten war mir diese Tatsache halt noch nicht bewusst. Stattdessen machte ich, was die Erwachsenen wollten, lächelte, ob ich nun wollte oder nicht ...UND HIELT DEN MUND.

 

Egal, was passierte.

 

Ob große oder kleine Ungerechtigkeiten geschahen, Hass oder Gewalt meinen Weg kreuzten, ob unglückliche Menschen nach Liebe oder zumindest Aufmerksamkeit regelrecht schrien...Ich hielt den Mund, denn ein braves Mädchen bereitet ja niemandem Unannehmlichkeiten, nicht wahr?

 

Das erwies sich über die Jahre hinweg als Fehlgriff, doch leider saß diese Sache namens „gute Erziehung“ ausgesprochen fest in meinem Hirn und bremste jeden Versuch, mal – wörtlich oder nur metaphorisch – mit der Faust auf den Tisch zu hauen und Klartext zu reden.

 

Es brauchte viele, viele Krisen, darunter eine zu pflegende Schwiegermutter mit Schlaganfall und Alzheimer, Ehekrise und so schwere Depressionen, dass ich nicht mehr leben wollte...bis ich endlich begriff, dass ich mein Leben so leben musste, wie es MIR gefiel. Dass ich die Stimmen und Andeutungen aus Umfeld, Werbung, Fernsehen usw., die mir zu verstehen gaben, dass ich falsch, nicht akzeptiert sei, wenn ich nicht so handeln würde, wie sie es mir vorschrieben, dass ich diese Stimmen - teilweise komplett - ignorieren musste.

Die Variante, in der ich anderen alles recht machte, nun ja, die hatte sich als untauglich erwiesen, denn sie führte mich geradewegs in das Land des Un-GLÜCK-lichseins.

 

Natürlich war dieser neue Weg nicht ohne Hindernisse. Es brauchte so einiges an Unterstützung von erfahrenen therapeutischen Menschen (ein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle!!) und allmählich wuchs das kleine Pflänzchen namens Selbstvertrauen. Nachdem ich mich jahre- und jahrzehntelang als „schüchtern“, „Mauerblümchen“, „uninteressant“ und vieles anderes definiert hatte, war ich dann vor einigen Jahren sehr erstaunt, als mir jemand entgegnete, das stimme nicht, ich sei doch ganz und gar nicht schüchtern! Es klappte offenbar!

Im Laufe dieses Wandels merkte ich auch, dass die befürchtete Ablehnung, Gegenwind, „Ärger“ in jeglicher Form...dass die meistens gar nicht kamen, wenn ich meine eigene Meinung zu einem Thema äußerte. Vorausgesetzt natürlich, es war nicht einfach nachgeplappert, sondern durchdacht.

 

Aus diesem Grund beschloss ich dann, nicht nur Heilpraktikerin zu werden und nach einiger Zeit auch eine Praxis zu eröffnen, sondern nun auch einen Blog, in dem ich versuche, mit verbreiteten Mythen, Fehleinschätzungen und anderen Störfaktoren aufzuräumen. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen von euch etwas Trost, Unterstützung, vielleicht sogar ein kleines Aha-Erlebnis. Manches davon stand mir selbst mal im Weg – oder tut es hin und wieder noch - , anderes kommt mir in Gesprächen bis-weilen zu Ohren.

Nicht immer wird es offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen zu lesen, das habe ich in all diesen Jahren gelernt. Nachzuhaken, vor allem nachzuhaken, wenn jemand etwas kritiklos akzeptieren will.

Mit viel Verständnis und Liebe meine Mitmenschen zu betrachten und, wenn einer davon Hilfe sucht, meine Hand auszustrecken. Wer sie nehmen möchte, den begleite ich gerne ein Stück weit auf seiner Reise zum Glück.

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein (nur leicht) satirischer Überblick  Teil 2

 

4. Du bist im Beruf stets allen Anforderungen gewachsen und wirst deshalb gerecht behandelt und bezahlt

 

Zu diesem Thema sind schon viele Zeilen geschrieben worden, ein paar Stichworte gefällig?

Machtgefälle, Pay gap, Konkurrenzdenken, Machismo und und und.

 

In einer idealen Welt hätten Frauen und Männer tatsächlich gleiche Chancen auf eine Stelle, auf

gerechte Bezahlung, auf den bisherigen Job nach einer Elternzeit, auf eine Beförderung...

In der Realität aber stellen Menschen gerne Menschen ein, die ihnen selbst ähneln. Da die meisten Personalchefs auch heute noch männlich sind...wird es meist ein Mann. Mittlerweile gibt es ja Gottseidank Frauenquoten, aber auch dann bleibt das Geschmäckle, ob man es ohne Quote auch geschafft hätte und gut genug ist. Wenn dann die männlichen Kollegen erschrocken merken, dass es Konkurrenz in ihrem Revier gibt, womöglich noch besser qualifiziert...ja, dann kommt oftmals das Monster in ihnen zum Vorschein. Die wenigsten Menschen können es neidlos ertragen, dass jemand besser ist als sie selbst, erst recht, wenn es das vermeintlich schwache Geschlecht ist, und man sich selbst bislang erfolgreich als Mann und daher automatisch Platzhirsch definierte. Das nun folgende Machtgerangel, inklusive Mobbing oder die oben erwähnten Belästigung hat meistens Erfolg damit, die unerwünschte Kollegin loszuwerden. Tja und erfolgreiche Methoden werden dann öfters angewandt...

 

Nein, liebe Männer, ich weiß schon, dass ihr nicht alle so tickt und dass viele von euch ziemlich

nett und fair mit den Kolleginnen umgehen könnt, das ist mir klar. Aber leider sitzen an der

Spitze unserer Gesellschaft und unserer Firmen letzten Endes dann doch wieder die „erfolg-

reichen Verdränger“, weil so ein Ellenbogenverhalten sehr effektiv ist und von anderen meist

ganz richtig als Dominanzverhalten interpretiert wird. Es fehlt uns „braven“ Leuten schlicht an

Aggression. Dabei hat sich die Natur aber durchaus etwas gedacht. Kennt noch jemand den

Spruch „Auge um Auge und die ganze Welt wird blind“? Genau, es hilft nämlich, sanft zu sein. Aber bitte zur rechten Zeit auch mal die Krallen ausfahren, denn sonst werden wir überrannt von den Aggressiven.

 

5. Du weißt stets, was deinem Kind fehlt und wie du darauf zu reagieren hast

 

Es wäre sehr schön, wenn das jeder Mutter so ginge. Die Natur hat uns für so wichtige Dinge

wie die Fortpflanzung und die Aufzucht der Jungen ja durchaus einen gewissen Instinkt mit-

gegeben. Dummerweise aber macht sich die Menschheit seit Jahrhunderten daran, uns diesen

Instinkt abzutrainieren, in den meisten Fällen mit Erfolg. Anders sind die brillanten Verkaufszahlen der Myriaden an Ratgeberbüchern nicht zu erklären. Wenn man von einem Kind logisches Erwachsenenverhalten erwartet, ist die Mission Kind verstehen fast schon zum Scheitern verurteilt. Dazu noch ein paar mehr oder minder schlechte Erfahrungen in der eigenen Kindheit und der Cocktail der künstlich erzeugten Hilflosigkeit ist fertig.

Mit einer Mischung aus Vertrauen in die eigenen Instinkte sowie einem guten Schuss gesundem Menschenverstand kommt man in aller Regel weiter. Da heutzutage die liebevolle Großfamilie mit erfahrenen Müttern, Tanten, Omas zur Seltenheit geworden ist und auch Freundinnen einer frischgebackenen Mutter nicht immer mit sinnvollen Ratschlägen zur Seite stehen können oder wollen...tja, da hilft wohl nur die Sache mit dem Beobachten und viel Gelassenheit. Wie ich als kinderlose Frau im übrigen dazu komme, mich über die Tätigkeit einer Mutter auszulassen, so ganz ohne eigenen Nachwuchs, also folgerichtig ohne Erfahrung? Das berührt jetzt Klischee Nummer 8 und 9, gleich mehr dazu;-)

 

6. Sobald du deinen Ehemann siehst, wirst du zur sinnlichen Göttin im Bett

 

An diesem Klischee stören mich gleich mehrere Dinge.

Zum einen wird automatisch davon ausgegangen, dass nur ein EHEmann zur wirklichen

sexuellen Erfüllung imstande sei. Wer schon mal geheiratet hat, weiß aber, dass mit dem berühmten „Ich will“ nicht sofort alle Erfahrungen und Fähigkeiten auf Optimalmaß wachsen.

Eine weniger verbindliche Beziehung kann genauso gut oder schlecht für das Liebesleben sein, das kann man nicht am Trauschein festmachen.

 

Zum zweiten klingt hier durch, dass man bei Frauen ja nur auf den richtigen Knopf drücken müsse, damit sie ungeahnte Lüste empfinden kann. Die allermeisten Frauen können das erstens selbst ganz gut und zweitens lässt der Satz die Tatsache außer Acht, dass Lust eine Sache des Entspannens, der lockeren Stimmung ist. Sicher, man könnte jetzt Aphrodisiaka, ein bisschen Alkohol ins Spiel bringen. Doch das geht schon wieder gegen die Sache mit der Einvernehmlichkeit. Wenn Frau nicht will, dann will sie nicht. Überall in der Natur sieht man dieses Prinzip – Weibchen wählt, Männchen fügt sich – oder sollte es zumindest tun. Es gibt tausend Gründe, warum eine Frau jetzt gerade keinen Sex will, ob es am Partner, dem schlafenden Baby, ihrem eigenen Körper, Schlafmangel, Ärger auf der Arbeit oder sonst etwas liegt. Meistens macht irgendetwas ihr Druck (im Sinne von Bedrohung) und das ist der Lust definitiv abträglich. Auch dazu später mehr.

Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass manch eine Frau nur aus Gründen der Einsamkeit, der finanziellen Sicherheit oder auf Druck des Umfeldes (siehe Klischee 8/9) eine feste, eventuell amtlich anerkannte Beziehung eingeht, dass man ihr vielleicht so viele Komplexe und seelische Baustellen eingeredet hat, dass sie sich und ihrem Körper, ihrem eigenen Instinkt gar nicht mehr vertrauen kann...ja, dann sind wir wieder bei dem infernalischen Cocktail aus Angst und Hilflosigkeit. Man macht halt, was scheinbar alle anderen machen – nur redet kaum jemand davon, dass die anderen genauso wenig verstehen und sich ebenfalls am vermeintlichen Rudelverhalten orientieren. Da hat die Menschheit noch eine ganze Menge Aufarbeitung in Sachen sexuelle Schuldgefühle vor sich. Fangen wir erst mal bei uns selbst an;-)

 

7. Durch die Lektüre verschiedenster Zeitschriften bist du stets auf dem Laufenden in Sachen Mode, aber auch Klatsch und Tratsch, man muss ja mitreden können.

 

Auch hier haben wir so einige Kritikpunkte.

Eine Frau wird in so ziemlich jeder entsprechende Zeitschrift mehr oder minder stark als fehlerbehaftet dargestellt. Warum? Im Marketing spricht man gerne davon, dass man als Unternehmer mit seinem Produkt die Bedürfnisse des Kunden erfüllen sollte. Was ist aber, wenn der Kunde gar kein Bedürfnis danach hat? Nun, dann kann man ihn entweder dezent darauf hinweisen oder mit seinen unterschwelligen Ängsten spielen, sie vielleicht noch stärker machen...damit er das Produkt aus Angst doch kauft. Ein Schelm, der dabei Böses denkt.

Lest mal unter diesem Aspekt die typischen Werbeanzeigen für Produkte, die auf Frauen abgestimmt sind – egal was. Nehmen wir die Kosmetik beispielsweise.

Keine Ahnung, wie es euch geht, aber ich persönlich kenne keine einzige Frau, die auf dekorative Kosmetik alias Schminke freiwillig komplett verzichtet, inklusive Hautpflege, Gesichtswässerchen, Wimpern färben, Beine enthaaren... Warum nicht? Aus Angst, als Schlampe, ungepflegt oder sonst wie unangenehm zu gelten. Dass ungefähr 99,9% der Männer den Unterschied zwischen geschminkt und ungeschminkt gar nicht bemerken oder sich daran nicht stören...sinnloser Einwand! Das „Rudel“ der Menschheit könnte einen ja eventuell, möglicherweise,...verstoßen.

Hier treffen sich anerzogene Mythen und die tatsächliche evolutionäre Realität (nämlich, dass man als einzelner Mensch in freier Wildbahn von jeher nur sehr schlecht überlebt und daher den Verband der Gruppe ( Rudel, Horde...) sucht und sich notgedrungen dessen Vorschriften anpassen muss. Ein gefundenes Fressen für die Hersteller der Kosmetik, im Extremfall auch für psychologisch geschulte Profis, die der völlig verunsicherten Frau dann irgendwann ein wenig Vertrauen in sich selbst verschaffen sollen. Fragt sich noch jemand, warum eine von anerzogenen Ängsten und sozialen Zwängen befreite Frau hierzulande so selten ist? Genau, weil es sich für eine Menge Leute dann nicht rechnet. Behalten wir nun noch im Hinterkopf, dass unser kollektives Gedächtnis dieses halbe Jahrtausend an Hexenverfolgung zu bieten hat, bei der aus Neid und Missgunst sehr schnell ein Todesurteil wurde...tja, dann wundert einen so schnell nichts mehr. Auch dazu noch mehr in den kommenden Artikeln;-)

 

Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst? Teil 3

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Neben den Triebfedern des Nett-sein-müssens und der (scheinbaren) Wertlosigkeit sehe ich oft eine weitere Form von Überforderung, die hinter der pflichtbewußten Maske noch andere Ursachen verbirgt.

 

Wenn ich es nicht mache, dann macht es ja keiner!“

 

Auf den ersten Blick kommen hier eindeutig Pflichtbewußtsein und ein gutes Stück Frust zusammen. Wir alle kennen solche Menschen, die stets die Drecksarbeit für andere miterledigen und das dann auch mehr oder weniger deutlich die Welt wissen lassen. Einerseits freut man sich, dass der Kelch an einem selbst vorbeiging und dass es Menschen mit einem so ausgeprägten Gefühl für Pflichten gibt. Vielleicht haben wir auch einen Anflug von schlechtem Gewissen, denn unsere Untätigkeit hat diesem armen Geschöpf ja weitere Arbeit aufgebürdet. Wir hätten das möglicherweise auch selbst machen können.

Doch gleichzeitig schwingt da auch eine Mischung aus Vorwurf und Stolz mit. „Könnt ihr euren Kram nicht mal selbst erledigen!?“ trifft auf „Guck mal, wie wichtig ich bin, ohne mich bricht hier alles zusammen!“

Wer schon mal versucht hat, die lieben Mitmenschen über solche Vorwürfe zur Arbeit zu motivieren, weiß, wie sinnlos im Grunde schon der bloße Denkansatz ist. Durch Genörgel bekomme ich niemanden dazu, dass er anpackt. Dennoch wird es tagtäglich viele tausend Mal so gemacht.

Warum eigentlich? Geht das nicht besser und vor allem effektiver? Was steckt hinter diesem Verhalten?

Drehen wir die Sache doch mal um – sagen wir, der Chef gibt uns einen Arbeitsauftrag. Wenn er gut in seinem Job ist und etwas über Mitarbeiterführung gelernt hat, wird er das ungefähr so formulieren: „Frau Meier, bitte kümmern Sie sich um Aufgabe X. Es muss bis Y fertig sein.“

 

Eine klare Ansage: Was ist zu tun? Wer soll es tun und bis wann?

 

Davon findet sich im vorwurfsvollen „...sonst macht es ja keiner“ nicht die Spur. So ziemlich jeder von uns kennt das Spielchen aus der Kindheit, gerne gesehen beim Zimmer aufräumen – man musste einfach nur jedes Mal Mutters schlechte Laune einen Moment lang aushalten und vielleicht was nuscheln von „Ja ja, gleich“. Schwups, war die Sache für einen erledigt und man musste sich nicht darum kümmern.

 

Woher dieses Verhalten eigentlich kommt? Ich würde sagen, es stecken verschiedene (falsche) Annahmen dahinter.

Zum einen geht die Fragestellerin (dieses Phänomen ist mir zumindest bislang überwiegend bei Frauen begegnet) davon aus, dass ihr Kind/Mann/... exakt erraten kann, wie und wann sie die Aufgabe erledigt haben möchte.

Genaue Details, vielleicht auch einzelne Unterpunkte („Mach zuerst dein Bett und dann räum bitte die Kleidung in den Schrank und zwar bis zum Abendessen“) fehlen komplett.

Zum anderen ist sie - unbewußt - der Ansicht, dass es zu ihrer Rolle als Frau gehört, sich um den kompletten Haushalt (oder was immer das zu erledigende Projekt ist) ALLEIN zu kümmern. Die 50er mit ihrem völlig unrealistischen Bild der Super-Hausfrau lassen grüßen.

Daher verzichtet sie darauf, die Mitbewohner schon bei der Planung einzubinden und die Aufgaben entsprechend zu verteilen. Resultat: Außer ihr kennt niemand das große Ganze mit seinen unsichtbaren Details. Zum einen macht sie das in der Tat unverzichtbar, allerdings bleiben die anderen außen vor und ahnen oft nicht einmal, was so alles hinter den Kulissen passieren muss, damit Hotel Mama stets warmes Essen und saubere Kleidung parat hat. Spätestens wenn diese Dame nun doch mal ausfällt, herrscht zuhause im Handumdrehen das Chaos, denn niemand weiß ja, was zu tun ist. Niemand kann sich darum kümmern, dass zumindest Grundbedürfnisse wie Essen oder bezahlte Rechnungen abgedeckt werden.

 

Ein dritter Grund steckt nach meiner Erfahrung zusätzlich in diesem Mechanismus – die Harmoniesucht, dem Wunsch, unbedingt bei allen beliebt zu sein. Wenn ich alle unpopulären Arbeiten mache, hat niemand was zu meckern und vielleicht ist jemand sogar froh über mich.

 

Je älter die Mitstreiter sind, desto eher kann man mit ihnen natürlich über Sinn und Unsinn mancher Arbeit diskutieren – wenn man es denn möchte -, aber bestimmte Arbeiten sind nun mal notwendig und auch die längste Debatte am Esstisch oder in der Teamsitzung macht sie nicht überflüssig.

Ja, das gibt am Anfang den ein oder anderen bösen Blick, aber auch hier ist ein bisschen Geduld Gold wert. Menschen mögen es nämlich, wenn man ihnen etwas zutraut und eine Aufgabe, die man selbst gemeistert hat, macht unheimlich stolz.

 

Was ist also hier die Lösung – oder sagen wir lieber, EIN möglicher Weg zur Lösung?

 

Zum einen muss ich meinen Stolz etwas zurechtstutzen und zugeben, dass auch ohne mich der Laden laufen wird; vielleicht nicht exakt so, wie ich es tun würde, aber lange das Endresultat stimmt, geht es doch.

Viele gute Pläne scheitern hier. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen und die eigene Wichtigkeit vielleicht eher auf anderen Gebieten zu zeigen...das macht natürlich Angst. Was bleibt von mir, wenn ich nicht wenigstens die perfekte Hausfrau und Mutter bin? Die perfekte Organisatorin im Sportverein? Der Liebling aller Kollegen?

Antwort: Erstaunlich viel. Der „Nur-Heimchen-am-Herd-Blick“ wurde uns in den letzten Jahrzehnten mit unglaublicher Härte ins Gehirn und die Mentalität gemeißelt. Es braucht ein gehöriges Stück Gelassenheit und Selbstvertrauen (das nicht immer sofort da ist), um die Lücken zu füllen. Stichwort Wachstumsschmerzen. (Es lohnt sich aber gewaltig, so viel sei verraten!)

 

Zum anderen muss ich meinen Familienmitgliedern/Kollegen/... klarmachen, dass alle in einem Boot sitzen und sich niemand vor zumindest einem Stückchen Arbeit drücken kann. Als Belohnung hilft gerne mal der Hinweis, dass man selbst dann dieses Rumgenörgel an den anderen ja endlich sein lassen kann...;-)

Die eigentliche Arbeitsanweisung so klar und deutlich wie möglich ausdrücken!

Nicht etwa, weil unsere Mitmenschen begriffsstutzig wären, sondern weil es schlicht um Informationen geht; die „verbale Dekoration“ lenkt hier nur ab.

Ein abschreckendes Beispiel ist mir einmal in einem Warteraum begegnet: Neben mir saß eine junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn, vielleicht 2 Jahre alt. Als nun dieser Junge das Spielzeug eines anderen Kindes mitnehmen wollte, hielt die Mutter eine eindrucksvolle Rede, die in etwa so ging:“Hallo mein Schatz, würdest du der Mama eventuell mal einen Gefallen tun, also wenn du vielleicht magst, und könntest du so nett sein, dem Kind dort drüben irgendwann sein Spielzeug zurückzugeben?“

Ob hier Ironie im Spiel war – ich weiß es nicht.

Ich weiß aber, dass es mich eine Menge Beherrschung kostete, hier nicht einzugreifen und zu zischen: „Verdammt, dein Kind ist noch viel zu klein, er versteht davon nichts als Blablabla! Drück dich klarer aus!“

Entsprechend tat der Junge natürlich auch nicht, was die Mutter von ihm forderte...!

Ein schlichtes „Schatz, gib bitte das Spielzeug wieder zurück“ hätte hier seinen Zweck mit Sicherheit besser erfüllt.

 

Was denken Sie zu diesem Thema, liebe Leserinnen und Leser? Sind Sie dafür, dagegen oder ganz anderer Meinung? Wollen Sie mehr dazu lesen? Was immer auch Ihre Meinung ist, lassen Sie es mich in den Kommentaren wissen!

 

 

Along with the drivers of having-to-be-nice and (seeming) worthlessness I often see another form of overwhelm which hides other causes behind a dutiful mask.

 

If I don't do it, nobody else will!“

 

At first sight this is obviously a collision of a strong sense of duty and a good heaping of frustration. We all know such people who will always do others' dirty work and then let the world know about it more or less clearly. On the one hand you feel glad that you were spared that ordeal and that there are people with such a strong sense of duty. Maybe you also feel a hint of guilt for your inaction burdened this poor creature with additional work. You might have done this yourself.

Yet at the same time this has a feel of reproach and pride. „Can't you take care of your stuff yourself!?“ meets „Look how important I am; without me everything would come crashing down!“

If you've ever tried to motivate your fellow humans for work with the help of such reproaches, you know how utterly useless even the intellectual approach is. Still this is how it is done every day many thousand times.

So why is this? Can't we do this a bit better and, more importantly, in a more effective way? What is the cause of such behaviour?

Let's take a different look at it – say, our boss gives us a task to work at. If he is good at his job and has learned a bit about leadership, he'll phrase his request something like this: „Mrs Meier, please take care of task X. It is due on day Y“.

 

A clear declaration: What needs to be done? By whom and until when?

 

You can't find even a hint of that in the reproachful „...or nobody will do it“ Just about anyone of us knows this game from our childhood, often with chores such as tidying your room – you only had to endure Mother's bad mood for a moment and maybe mumble something like „Yeah, later“. In one fell swoop the thing was done for you, no need to take responsibility.

 

So where does this behaviour come from originally? I dare say there are several (false) beliefs behind all of this.

Firstly the enquirer assumes that her child/husband/...(so far I've only ever encountered this phenomenon with women) are mindreaders to know how and when she would like to have the chore finished. Exact details, maybe even some order in them („First, make your bed and then put your clothes in the wardrobe; until dinner time“) are lacking completely.

Secondly she – unconsciously – holds the opinion that it is part of her role as a woman to take care of the entire household (or whatever the job to be done is) ALL BY HERSELF. A nod to the fifties and their totally unrealistic image of the super housewife.

Thus she avoids involving her housemates as early as the planning stage and delegating the tasks respectively.

Result: Nobody except her knows the greater picture and the invisible details. On the one hand she does make herself irreplaceable but the others are left out and often have no idea just how much has to be done for „Hotel Mum“ to be able and keep warm food and clean clothes ready.

By the point when this lady does become incapacitated, all hell will break loose in her home for nobody knows what has to be done on a daily base. Nobody can take care of covering at least the basic needs such as food or bills getting paid on time.

 

Judging from my experience there is often a third reason at play in this mechanism – the drive for constant harmony, also known as people pleasing. If I take on all the unpopular chores, nobody has a reason for whining and maybe someone is even glad to have me.

The older your comrades-in-arms are, the easier it is to have a discussion with them about whether certain jobs are necessary or not – if you truly want to – but some tasks are simply essential and even the longest debate at the dining table will not turn them into something superfluous.

Yes, you will get angry looks at first, but a little patience is worth its weight in gold. You see, people like it when you have confidence in their abilities and a job that you managed to do yourself will make you proud.

 

So what is the solution here – or, rather, ONE possible way to a solution?

 

On the one hand I need to take down my ego a bit by admitting that even without me, things will be going well; maybe not in the exact same way that I would do them, but as long as the final result is the same, it's ok.

A lot of great plans fail at this mark. Not taking yourself too seriously, maybe trying to show your importance in other fields – that's scary. What will remain of me if I am not at least a perfect homemaker? Answer: so much it'll amaze you! That „only a housewife and mother“ kind of view has been chiseled into our brains and our mentality for decades with relentless fervor. It takes a good deal of self confidence and serenity – which may not immediately be at hand – to fill those gaps. Speak of growing pains. (Though it is worth the effort, that much I can say!)

 

On the other hand I need to point out to my family members/colleagues/... that we are in this together, that nobody can refuse to do at least some small task. Stating that you can finally stop nagging may be a good reward to get everyone on track ;-)

Keep the actual assignment as clear and as precise as possible!

It's not because our fellow humans could be dim-witted, it's because what counts in this case is pure information - „verbal decoration“ is only a distraction.

I once encountered a deterrent example in a waiting room: Next to me sat a young mother with her son, maybe two years old. When this boy wanted to take home another child's toy, his mother gave a rather impressive speech that ran something like this:“Hello my darling, would you please do Mommy, well, sort of a little favor – only if you like to – and could you please be so nice and give that toy back to the other kid at some point ?“

Whether this was a case of irony – I don't know.

What I do know, though, is that it took me a whole lot of self-control to not interfere and hiss:“Damn it, your child is way too young, all he understands is bla bla bla! Get to the point!“

Obviously the boy never did what his mother asked him to...

Simply saying „Darling, please give that toy back“ would certainly have been more effective.

 

What do you think about this topic, my dear readers? Do you agree, disagree; maybe you have an entirely different opinion? Would you like to read more about this? Whatever your opinion is, feel free to let me know in the comments section!

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Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst?

Schwefel-Cosmea
Schwefel-Cosmea (c) Maria Aldinger

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Wenn ich jemandem mit viel Stress vorschlage, bei der ein oder anderen nicht soo wichtigen Aufgabe doch mal etwas kürzer zu treten und ruhig auch die lieben Mitmenschen einzubinden, dann fallen häufig Sätze wie diese:

 

Das kann ich X doch nicht antun!“

 

Ach wirklich? Fällt dann dieser Mensch auf der Stelle tot um oder hört die Erde augenblicklich auf, sich zu drehen? Vermutlich eher nicht. Den Satz höre ich nämlich nicht bei buchstäblich lebenswichtigen Aufgaben – zum Beispiel einen Angehörigen pflegen, da kann es ja tatsächlich schwierig sein, von jetzt auf gleich einen Ersatz für die eigene Tätigkeit zu finden.

Eher, wenn es darum geht, dass jemand nach dem Kegel- und dem Gesangsverein vielleicht nicht auch noch Vorsitzender des Pudelzüchterclubs werden muss. Mitglied sein, na klar. Aber überall bei den anstrengenden Posten „Hier!“ schreien? Nö, muss nicht sein. Die meisten Menschen sind mit ihren Hobbies und den bekannten 24 Stunden am Tag recht gut ausgelastet. Außerdem sind wir zu 7 Milliarden, da fand sich bis jetzt noch immer ein Nachfolger...

 

Wenn wir eine solche, doch eher kleine Entscheidung dem Anderen mitteilen, dann sieht man sehr schön, aus welchem Holz das Gegenüber geschnitzt ist.

In den allermeisten Fällen kommt dann nämlich bloß so etwas wie „Oh schade...naja, da kann man nichts machen“. Damit ist die Sache erledigt und wir sind ein belastendes Päckchen los. Juchu!

 

Schwieriger ist es bei den ...nennen wir sie mal vorsichtig „Dramatikern“. Das sind die, bei denen ein mehr oder minder direktes Nein für ganz großes Kino sorgt. Von ungläubigen Blicken über pathetische Ausrufe wie „Aber nein! Du willst mich umbringen!“, gefolgt von Vorwürfen, wie man sie seltsamer gar nicht erfinden könnte und wenn wir es dann wagen, immer noch nicht einzuknicken – tja, dann fahren die Dramatiker die großen Geschosse auf und machen einen auf „Armes Opfer“, komplett mit schniefen, Dackelblick, Krokodilstränen und frei erfundenen Räuberpistolen darüber, was die Menschheit doch schon immer so gemein/egoistisch/hinterhältig... zu ihnen gewesen sei und wie sie glaubten, wir seien eine löbliche Ausnahme...

 

Bei so einem Theater hart zu bleiben und auf dem Nein zu beharren – da gehört dann schon etwas Training dazu und vor allem das Wissen, dass ein solcher Mensch sich im Handumdrehen einen neuen „Sklaven“ sucht. Eine Sorge weniger für uns.

Das mag jetzt fies und hartherzig klingen, aber so ein Dramatiker (Die Psychologen sprechen hier etwas genauer von Narzissten, die ihre Mitmenschen ohne Sinn und Verstand als Werkzeug benutzen) sieht uns nicht als Mitgeschöpf mit Gefühlen, sondern als Mittel zum Zweck – seelische „Knöpfe“ drücken, um den anderen zu manipulieren (das ist viel eher gemein!), ist für ihn ein alltäglicher Vorgang, um ohne eigenes Zutun die Lorbeeren einzuheimsen.

 

Hier ist es sehr hilfreich, sich im Vorherein den einen oder anderen Satz zu überlegen, mit dem man solche Attacken ruhig, aber bestimmt abwehren kann. Vielleicht tut es für den Anfang eine gute Freundin oder auch der Spiegel als Partner;-) Notfalls tut es ein schlichtes Nein aber auch. Nur beharrlich muss man sein und – wenn es geht – dem anderen ins Gesicht zu sehen, ist auch sehr hilfreich, denn das sagt demjenigen, dass hier jemand nicht darauf wartet, ausgenutzt zu werden, sondern dass wir hinter unserer Forderung stehen, was da auch kommen möge. Das ist leichter gesagt als getan, aus eigener Erfahrung kann ich da beipflichten, aber auch sehr lohnend.

 

 

 

Whenever I suggest somebody stressed-out might as well take it easy and drop this or that not-so-important job from their list that others can do as well, I usually hear phrases like those:

 

But I can't to that to X!“

 

Oh really? Is this person going to drop dead right away, will the Earth stop spinning around its axis this very moment?

Probably not. You see, this sentence is not one that people use when talking about literally vital jobs, such as nursing a sick relative, where it can indeed be tricky to find a good substitute for one's own work.

No, this usually comes up from somebody who is is heavily involved in the bowling club as well as the choir and who now considers becoming president of the poodle breeders' club, too.

Being a member: sure, go for it. But taking up every taxing job that nobody else wants? Nope, not essential.

Most people are quite well endowed with their hobbies and those well-known 24 hours in a day. Besides, there are 7 billion of us, so far we've always found someone to fill in...

 

When we tell others about such a, really rather small decision, it becomes quite obvious what kind of person we are dealing with. In almost every case all you hear is a simple „Oh, what a pity...well, you can't help it.“ This is no longer our business, we've got a much-needed breather - yay!

 

Things are more tricky, though, if you're dealing with a drama queen (or king). You know, those that will follow up on your declaration with major tantrums. Starting with incredulous looks, they'll fire away lofty cries like „Oh no! You are trying to kill me!“, followed by reproaches so strange you couldn't dream them up and if at that point we dare to still not buckle ...well the drama queen or king will get the big cannons out, acting like they are the „poor victim“, complete with sniffing, big puppy eyes, crocodile tears and wild cock-and-bull-stories about how mankind has always been so mean/selfish/back-stabbing to them and how they thought that we were one of the laudable exceptions...

Remaining firm amidst such a fuss – this requires a bit of previous training and knowing that such a person will immediately go out hunting for another „slave“ if we decline. One less worry for us.

No fear, this may sound a bit nasty and cold-hearted, but such a drama queen (technically speaking, psychologists refer to people who use their fellow humans like a tool as narcissists) does not see you as a living being with needs or emotions, but simply as a means to an end. Pushing people's buttons and manipulating them in order to achieve what they want (now that's truly mean!) is something very common for a drama queen.

In this situation it is very helpful to think of one or two phrases ahead of time that you can use to counter such attacks calmly, but firmly. Try and practice with a good friend or even the mirror. If everything else fails, a plain No will do. Just be patient and – if you can manage – look the other one in the face for this tells them that you are not waiting to be abused but that you won't budge, come hell or high water. That is easier said than done, I can tell you from my own experience – but it's oh so rewarding!

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein nur leicht satirischer Überblick, Teil 3

8. Erst eine verheiratete Frau mit Kind ist eine RICHTIGE Frau.

- oder -

9. Eine alleinstehende, berufstätige und kinderlose Frau, das geht ja gar nicht!

- oft auch eingebaut in der Frage:

10. Wo bleibt denn der Nachwuchs!?!

 

Den besten, oder nach Ansicht der betroffenen Frauen eher den schlimmsten Teil, heben wir uns für den heutigen Artikel auf. Es sind drei Mythen, die aber alle um dasselbe Kernthema kreisen - die Sache mit der Fortpflanzung.

Während es mittlerweile relativ akzeptiert ist, dass nicht jede Frau den Bilderbuch-Lebensentwurf aus den 50ern mag (Mann, 2 Kinder, Haus und weißer Gartenzaun), sondern dass Kinder eben auch ohne Trauschein kommen und dennoch prächtig gedeihen können...so wird es ausgesprochen schwierig, wenn man sich nicht nur den "geordneten Verhältnissen", siehe oben, sondern gleich der Fortpflanzung komplett verweigert. So manche - eigentlich liberalen - Familien fangen ab einem gewissen Alter an, bewußt oder unbewußt auf die nächste Generation zu hoffen. Zu bibbern. ZU DRÄNGEN. Bisweilen artet das fast schon in Bestechungsversuche aus, doch auch wenn sich so eine Situation für Außenstehende möglicherweise amüsant liest - für all diejenigen, die mitten in der "Ich will aber keine Kinder, grundsätzlich nicht!"- Kontroverse stecken, ist es längst nicht so unterhaltsam.

Doch es bleibt die Frage: woher kommt dieser Mythos und warum ist er so penetrant?

 

Die Herkunft ist, mit Blick auf die Menschheitsgeschichte, recht schnell geklärt: Wo keine Kinder, da keine Zukunft. In der Zeit der Frühmenschen waren wir aber auch noch viel weniger. Nichts von Überbevölkerung zu spüren. Sobald man Kinder hatte, war man locker zwei Jahrzehnte damit beschäftigt, sie zu füttern, gesund zu halten und mit viel Glück hatte man hinterher einen oder mehrere Erwachsene zustande gebracht. Wenn man zu dem Zeitpunkt dann noch etwas Lebenszeit übrig hatte - das war lange Zeit nicht selbstverständlich! - , erlebte man bald, wie sich die eigenen Gene wiederum in den Enkeln erhielten. Mehr Menschen, mehr Arbeitskräfte, bessere Überlebenschancen.

Kinder = Leben. Aha! Das erklärt die Sehnsucht der meisten Leute nach Kindern, und deren Kindern.

 

Mittlerweile allerdings ist es zum Überleben längst nicht mehr nötig, Kinder zu haben, sich "fest zu binden" .Auch die Ehe war immerhin bis vor wenigen Jahrzehnten eine Art Vertrag zum beidseitigen Nutzen, mehr als Sympathie oder Kooperationsbereitschaft waren nicht zwingend erforderlich!

Doch was sind ein paar Jahrzehnte im Vergleich zu vielen Jahrtausenden? Recht wenig, um es einmal verhalten auszudrücken! Noch dazu verdienen heute auch viele Menschen ihr Brot damit, den Kinderwunsch anderer Leute zu erfüllen - man denke an die gigantischen Industrien der Partnervermittlung, künstliche Befruchtung,Geburtsvorbereitung und Kindererziehung! Keine Kinder zu wollen bedeutet für diese Geschäftsmodelle, dass ihnen schlicht die Kundschaft ausgeht. Ganz zu schweigen davon, dass die kommende Kundschaft ja auch wegfällt, weil nie gezeugt. Doch letzten Endes sorgt es nur für Konflikte in der Familie, wenn jemand sich nicht fortpflanzen will und der Rest der Familie sie oder ihn in der Bringschuld sieht.

Einstweilen kann es der ein oder anderen Frau helfen, die eigenen Werte und Grenzen möglichst gut zu kennen und notfalls darauf hinzuweisen, dass jemand anderes gerade im Begriff ist, sie zu überschreiten?! Leichter gesagt als getan, ich weiß.

 

Aus diesem Grund befasse ich mich in der nächsten Artikelserie einmal genauer mit diesen ominösen Werten, wo sind unsere individuellen Grenzen und wie schaffen wir es, dass sie einfach mal respektiert werden? Ein spannendes Thema wartet auf euch!!

Was erlaubt die sich denn!?! - Ein Zwischenruf

 

So manch einer fragt sich nach den vorhergehenden Artikeln nun: Wer ist diese Frau und vor allem, wieso lehnt sie sich mit ihren Texten so aus dem Fenster!?!

Ich stelle dann mal mich und meinen Werdegang vor, wie es kam, dass ich hier öfter den Mund aufmache.

 

Wie so viele von uns Menschen war auch ich eines dieser Kinder, die Erwachsene lieben, weil sie so unheimlich BRAV sind. Aus heutiger Sicht würde ich natürlich sagen, viel ZU brav, aber mangels Vergleichsmöglichkeiten war mir diese Tatsache halt noch nicht bewusst. Stattdessen machte ich, was die Erwachsenen wollten, lächelte, ob ich nun wollte oder nicht ...UND HIELT DEN MUND.

 

Egal, was passierte.

 

Ob große oder kleine Ungerechtigkeiten geschahen, Hass oder Gewalt meinen Weg kreuzten, ob unglückliche Menschen nach Liebe oder zumindest Aufmerksamkeit regelrecht schrien...Ich hielt den Mund, denn ein braves Mädchen bereitet ja niemandem Unannehmlichkeiten, nicht wahr?

 

Das erwies sich über die Jahre hinweg als Fehlgriff, doch leider saß diese Sache namens „gute Erziehung“ ausgesprochen fest in meinem Hirn und bremste jeden Versuch, mal – wörtlich oder nur metaphorisch – mit der Faust auf den Tisch zu hauen und Klartext zu reden.

 

Es brauchte viele, viele Krisen, darunter eine zu pflegende Schwiegermutter mit Schlaganfall und Alzheimer, Ehekrise und so schwere Depressionen, dass ich nicht mehr leben wollte...bis ich endlich begriff, dass ich mein Leben so leben musste, wie es MIR gefiel. Dass ich die Stimmen und Andeutungen aus Umfeld, Werbung, Fernsehen usw., die mir zu verstehen gaben, dass ich falsch, nicht akzeptiert sei, wenn ich nicht so handeln würde, wie sie es mir vorschrieben, dass ich diese Stimmen - teilweise komplett - ignorieren musste.

Die Variante, in der ich anderen alles recht machte, nun ja, die hatte sich als untauglich erwiesen, denn sie führte mich geradewegs in das Land des Un-GLÜCK-lichseins.

 

Natürlich war dieser neue Weg nicht ohne Hindernisse. Es brauchte so einiges an Unterstützung von erfahrenen therapeutischen Menschen (ein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle!!) und allmählich wuchs das kleine Pflänzchen namens Selbstvertrauen. Nachdem ich mich jahre- und jahrzehntelang als „schüchtern“, „Mauerblümchen“, „uninteressant“ und vieles anderes definiert hatte, war ich dann vor einigen Jahren sehr erstaunt, als mir jemand entgegnete, das stimme nicht, ich sei doch ganz und gar nicht schüchtern! Es klappte offenbar!

Im Laufe dieses Wandels merkte ich auch, dass die befürchtete Ablehnung, Gegenwind, „Ärger“ in jeglicher Form...dass die meistens gar nicht kamen, wenn ich meine eigene Meinung zu einem Thema äußerte. Vorausgesetzt natürlich, es war nicht einfach nachgeplappert, sondern durchdacht.

 

Aus diesem Grund beschloss ich dann, nicht nur Heilpraktikerin zu werden und nach einiger Zeit auch eine Praxis zu eröffnen, sondern nun auch einen Blog, in dem ich versuche, mit verbreiteten Mythen, Fehleinschätzungen und anderen Störfaktoren aufzuräumen. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen von euch etwas Trost, Unterstützung, vielleicht sogar ein kleines Aha-Erlebnis. Manches davon stand mir selbst mal im Weg – oder tut es hin und wieder noch - , anderes kommt mir in Gesprächen bis-weilen zu Ohren.

Nicht immer wird es offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen zu lesen, das habe ich in all diesen Jahren gelernt. Nachzuhaken, vor allem nachzuhaken, wenn jemand etwas kritiklos akzeptieren will.

Mit viel Verständnis und Liebe meine Mitmenschen zu betrachten und, wenn einer davon Hilfe sucht, meine Hand auszustrecken. Wer sie nehmen möchte, den begleite ich gerne ein Stück weit auf seiner Reise zum Glück.

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein (nur leicht) satirischer Überblick  Teil 2

 

4. Du bist im Beruf stets allen Anforderungen gewachsen und wirst deshalb gerecht behandelt und bezahlt

 

Zu diesem Thema sind schon viele Zeilen geschrieben worden, ein paar Stichworte gefällig?

Machtgefälle, Pay gap, Konkurrenzdenken, Machismo und und und.

 

In einer idealen Welt hätten Frauen und Männer tatsächlich gleiche Chancen auf eine Stelle, auf

gerechte Bezahlung, auf den bisherigen Job nach einer Elternzeit, auf eine Beförderung...

In der Realität aber stellen Menschen gerne Menschen ein, die ihnen selbst ähneln. Da die meisten Personalchefs auch heute noch männlich sind...wird es meist ein Mann. Mittlerweile gibt es ja Gottseidank Frauenquoten, aber auch dann bleibt das Geschmäckle, ob man es ohne Quote auch geschafft hätte und gut genug ist. Wenn dann die männlichen Kollegen erschrocken merken, dass es Konkurrenz in ihrem Revier gibt, womöglich noch besser qualifiziert...ja, dann kommt oftmals das Monster in ihnen zum Vorschein. Die wenigsten Menschen können es neidlos ertragen, dass jemand besser ist als sie selbst, erst recht, wenn es das vermeintlich schwache Geschlecht ist, und man sich selbst bislang erfolgreich als Mann und daher automatisch Platzhirsch definierte. Das nun folgende Machtgerangel, inklusive Mobbing oder die oben erwähnten Belästigung hat meistens Erfolg damit, die unerwünschte Kollegin loszuwerden. Tja und erfolgreiche Methoden werden dann öfters angewandt...

 

Nein, liebe Männer, ich weiß schon, dass ihr nicht alle so tickt und dass viele von euch ziemlich

nett und fair mit den Kolleginnen umgehen könnt, das ist mir klar. Aber leider sitzen an der

Spitze unserer Gesellschaft und unserer Firmen letzten Endes dann doch wieder die „erfolg-

reichen Verdränger“, weil so ein Ellenbogenverhalten sehr effektiv ist und von anderen meist

ganz richtig als Dominanzverhalten interpretiert wird. Es fehlt uns „braven“ Leuten schlicht an

Aggression. Dabei hat sich die Natur aber durchaus etwas gedacht. Kennt noch jemand den

Spruch „Auge um Auge und die ganze Welt wird blind“? Genau, es hilft nämlich, sanft zu sein. Aber bitte zur rechten Zeit auch mal die Krallen ausfahren, denn sonst werden wir überrannt von den Aggressiven.

 

5. Du weißt stets, was deinem Kind fehlt und wie du darauf zu reagieren hast

 

Es wäre sehr schön, wenn das jeder Mutter so ginge. Die Natur hat uns für so wichtige Dinge

wie die Fortpflanzung und die Aufzucht der Jungen ja durchaus einen gewissen Instinkt mit-

gegeben. Dummerweise aber macht sich die Menschheit seit Jahrhunderten daran, uns diesen

Instinkt abzutrainieren, in den meisten Fällen mit Erfolg. Anders sind die brillanten Verkaufszahlen der Myriaden an Ratgeberbüchern nicht zu erklären. Wenn man von einem Kind logisches Erwachsenenverhalten erwartet, ist die Mission Kind verstehen fast schon zum Scheitern verurteilt. Dazu noch ein paar mehr oder minder schlechte Erfahrungen in der eigenen Kindheit und der Cocktail der künstlich erzeugten Hilflosigkeit ist fertig.

Mit einer Mischung aus Vertrauen in die eigenen Instinkte sowie einem guten Schuss gesundem Menschenverstand kommt man in aller Regel weiter. Da heutzutage die liebevolle Großfamilie mit erfahrenen Müttern, Tanten, Omas zur Seltenheit geworden ist und auch Freundinnen einer frischgebackenen Mutter nicht immer mit sinnvollen Ratschlägen zur Seite stehen können oder wollen...tja, da hilft wohl nur die Sache mit dem Beobachten und viel Gelassenheit. Wie ich als kinderlose Frau im übrigen dazu komme, mich über die Tätigkeit einer Mutter auszulassen, so ganz ohne eigenen Nachwuchs, also folgerichtig ohne Erfahrung? Das berührt jetzt Klischee Nummer 8 und 9, gleich mehr dazu;-)

 

6. Sobald du deinen Ehemann siehst, wirst du zur sinnlichen Göttin im Bett

 

An diesem Klischee stören mich gleich mehrere Dinge.

Zum einen wird automatisch davon ausgegangen, dass nur ein EHEmann zur wirklichen

sexuellen Erfüllung imstande sei. Wer schon mal geheiratet hat, weiß aber, dass mit dem berühmten „Ich will“ nicht sofort alle Erfahrungen und Fähigkeiten auf Optimalmaß wachsen.

Eine weniger verbindliche Beziehung kann genauso gut oder schlecht für das Liebesleben sein, das kann man nicht am Trauschein festmachen.

 

Zum zweiten klingt hier durch, dass man bei Frauen ja nur auf den richtigen Knopf drücken müsse, damit sie ungeahnte Lüste empfinden kann. Die allermeisten Frauen können das erstens selbst ganz gut und zweitens lässt der Satz die Tatsache außer Acht, dass Lust eine Sache des Entspannens, der lockeren Stimmung ist. Sicher, man könnte jetzt Aphrodisiaka, ein bisschen Alkohol ins Spiel bringen. Doch das geht schon wieder gegen die Sache mit der Einvernehmlichkeit. Wenn Frau nicht will, dann will sie nicht. Überall in der Natur sieht man dieses Prinzip – Weibchen wählt, Männchen fügt sich – oder sollte es zumindest tun. Es gibt tausend Gründe, warum eine Frau jetzt gerade keinen Sex will, ob es am Partner, dem schlafenden Baby, ihrem eigenen Körper, Schlafmangel, Ärger auf der Arbeit oder sonst etwas liegt. Meistens macht irgendetwas ihr Druck (im Sinne von Bedrohung) und das ist der Lust definitiv abträglich. Auch dazu später mehr.

Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass manch eine Frau nur aus Gründen der Einsamkeit, der finanziellen Sicherheit oder auf Druck des Umfeldes (siehe Klischee 8/9) eine feste, eventuell amtlich anerkannte Beziehung eingeht, dass man ihr vielleicht so viele Komplexe und seelische Baustellen eingeredet hat, dass sie sich und ihrem Körper, ihrem eigenen Instinkt gar nicht mehr vertrauen kann...ja, dann sind wir wieder bei dem infernalischen Cocktail aus Angst und Hilflosigkeit. Man macht halt, was scheinbar alle anderen machen – nur redet kaum jemand davon, dass die anderen genauso wenig verstehen und sich ebenfalls am vermeintlichen Rudelverhalten orientieren. Da hat die Menschheit noch eine ganze Menge Aufarbeitung in Sachen sexuelle Schuldgefühle vor sich. Fangen wir erst mal bei uns selbst an;-)

 

7. Durch die Lektüre verschiedenster Zeitschriften bist du stets auf dem Laufenden in Sachen Mode, aber auch Klatsch und Tratsch, man muss ja mitreden können.

 

Auch hier haben wir so einige Kritikpunkte.

Eine Frau wird in so ziemlich jeder entsprechende Zeitschrift mehr oder minder stark als fehlerbehaftet dargestellt. Warum? Im Marketing spricht man gerne davon, dass man als Unternehmer mit seinem Produkt die Bedürfnisse des Kunden erfüllen sollte. Was ist aber, wenn der Kunde gar kein Bedürfnis danach hat? Nun, dann kann man ihn entweder dezent darauf hinweisen oder mit seinen unterschwelligen Ängsten spielen, sie vielleicht noch stärker machen...damit er das Produkt aus Angst doch kauft. Ein Schelm, der dabei Böses denkt.

Lest mal unter diesem Aspekt die typischen Werbeanzeigen für Produkte, die auf Frauen abgestimmt sind – egal was. Nehmen wir die Kosmetik beispielsweise.

Keine Ahnung, wie es euch geht, aber ich persönlich kenne keine einzige Frau, die auf dekorative Kosmetik alias Schminke freiwillig komplett verzichtet, inklusive Hautpflege, Gesichtswässerchen, Wimpern färben, Beine enthaaren... Warum nicht? Aus Angst, als Schlampe, ungepflegt oder sonst wie unangenehm zu gelten. Dass ungefähr 99,9% der Männer den Unterschied zwischen geschminkt und ungeschminkt gar nicht bemerken oder sich daran nicht stören...sinnloser Einwand! Das „Rudel“ der Menschheit könnte einen ja eventuell, möglicherweise,...verstoßen.

Hier treffen sich anerzogene Mythen und die tatsächliche evolutionäre Realität (nämlich, dass man als einzelner Mensch in freier Wildbahn von jeher nur sehr schlecht überlebt und daher den Verband der Gruppe ( Rudel, Horde...) sucht und sich notgedrungen dessen Vorschriften anpassen muss. Ein gefundenes Fressen für die Hersteller der Kosmetik, im Extremfall auch für psychologisch geschulte Profis, die der völlig verunsicherten Frau dann irgendwann ein wenig Vertrauen in sich selbst verschaffen sollen. Fragt sich noch jemand, warum eine von anerzogenen Ängsten und sozialen Zwängen befreite Frau hierzulande so selten ist? Genau, weil es sich für eine Menge Leute dann nicht rechnet. Behalten wir nun noch im Hinterkopf, dass unser kollektives Gedächtnis dieses halbe Jahrtausend an Hexenverfolgung zu bieten hat, bei der aus Neid und Missgunst sehr schnell ein Todesurteil wurde...tja, dann wundert einen so schnell nichts mehr. Auch dazu noch mehr in den kommenden Artikeln;-)

 

10 Mythen über die perfekte Frau und/oder Mutter – ein (nur leicht) satirischer Überblick  Teil 1

 

Ein paar Worte vorweg:

In dieser neuen Serie werfe ich einen Blick auf einige gängige Mythen und Klischees, denen sich die Frauen dieser Welt immer wieder ausgesetzt sehen. Vielleicht nicht offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen scheint eine oder mehrere dieser irrigen Annahmen doch ziemlich häufig durch. Mein Ziel ist es, diese Mythen zu hinterfragen und uns allen damit ein bisschen Speicherplatz im Hirn freizuputzen. Sich stets selbst anzuzweifeln kostet nämlich ungeahnte Energien und Konzentration. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen meiner Leser (liebe Geschlechtsgenossinnen, fühlt euch bitte eingeschlossen! ;-)) beim Projekt „Seelenfrieden“ und wenn es euch zur Rebellion gegen derlei Vorurteile animiert – nur zu!

Dieses Thema ist mir sehr wichtig und ich nehme es deshalb auch sehr ernst. Dass ich dennoch so manches Körnchen Humor und Heiterkeit darin verbuddele, dient vor allem dazu, der Sache die Schwere und Ernsthaftigkeit zu nehmen. Seien wir ehrlich: das Leben ist noch schwierig genug!

 

Hier nun also 10 der hartnäckigsten Mythen über „die perfekte Frau“.

1. Du bist stets auf alle Lebenslagen und auf noch so abwegige Eventualitäten vorbereitet

 

Vor lauter Planung vergeht das Leben! Auch wenn es noch so furchteinflößend klingt, manche Dinge muss man einfach laufen lassen. In der überwiegenden Zahl der Fälle wird es dich nicht den Kopf kosten.

Nein, das bezieht sich nicht auf vernünftige Vorkehrungen wie z.B. Sicherheitsgurt, Versicherungen oder den Gesundheitscheck beim Arzt. Hier ist die Rede von dem „Alles-mitnehmen-für-den-Fall-der Fälle“-Syndrom, das so vielen von uns den Tag und oft genug auch die Nacht in Form von Grübeleien versaut. Wenn z.B. eine simple Tätigkeit wie sich für den Wocheneinkauf zu wappnen in ein mehrstündiges, schweißtreibendes Unterfangen ausartet, ist die Grenze definitiv überschritten. Wie kann man diese Angst vor dem Kontrollverlust nun loswerden? Ich schreibe in den nächsten Tagen einige Artikel dazu, also dranbleiben!

 

2. Du bist stets makellos gekleidet, mit Make-up, Frisur, Schuhen und Schmuck aufeinander abgestimmt

Perfektionismus lähmt ungemein! Natürlich ist es hilfreich, ein Ideal im Hinterkopf zu haben und auch darauf hin zu arbeiten, aber nichts und niemand kann, ja soll, perfekt sein.

Wir sind nicht Mutter Natur, die hat das mit der Perfektion noch am ehesten hinbekommen. Für Menschen gelten da entspanntere Maßstäbe, etwa ob wir selbst glücklich sind oder jemanden mit unserem Verhalten Schaden zufügen. Ist das nicht der Fall? Prima, dann ist es gut genug.

 

3. Du wirst stets von Männern umworben und genießt diese charmante Form von Aufmerksamkeit

 

Dieser Mythos ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen setzt er all diejenigen Frauen herab,

die nicht so model-mäßig perfekt aussehen, dass ihnen die Männer der Welt reihenweise zu Füßen liegen (noch so ein Klischee;-) ) und denen es schon reichen würde, wenn sie jemand überhaupt mal nett ansehen oder einfach nur positiv zur Kenntnis nehmen würde. Ich selbst habe einen Großteil meines Lebens damit verbracht, als Mauerblümchen im Schatten zu stehen und weiß nur zu gut, wie fies dieses Gefühl ist, ständig unsichtbar zu sein. Nicht schön, gar nicht schön.

 

Zum anderen bagatellisiert er viele Formen von sexueller Belästigung, die so manche Frau

im Alltag erlebt. Beschwert sie sich über anzügliche Blicke, obszöne Sprüche oder dreiste

Grabscher, so heißt es von Seiten der Angreifer schnell mal, es sei doch ein Kompliment,

die Frau sei halt gutaussehend und solle sich mal nicht so anstellen. Nein, hier geht es nicht um

Attraktivität. Bei Belästigung und allen anderen Formen von sexueller Gewalt geht es um

Macht. Jemand will sich über dich stellen, sich selbst größer machen und dazu macht er dich

runter und erniedrigt dich. Teilweise wird das von den Medien noch gefördert – siehe Fifty

Shades of Gray und andere Unterwerfungsklischees. Nicht jede Frau möchte gejagt werden wie

Freiwild und sich (freiwillig) zu unterwerfen sollte immer noch eine einvernehmliche Angelegenheit sein.

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Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst? Teil 3

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Neben den Triebfedern des Nett-sein-müssens und der (scheinbaren) Wertlosigkeit sehe ich oft eine weitere Form von Überforderung, die hinter der pflichtbewußten Maske noch andere Ursachen verbirgt.

 

Wenn ich es nicht mache, dann macht es ja keiner!“

 

Auf den ersten Blick kommen hier eindeutig Pflichtbewußtsein und ein gutes Stück Frust zusammen. Wir alle kennen solche Menschen, die stets die Drecksarbeit für andere miterledigen und das dann auch mehr oder weniger deutlich die Welt wissen lassen. Einerseits freut man sich, dass der Kelch an einem selbst vorbeiging und dass es Menschen mit einem so ausgeprägten Gefühl für Pflichten gibt. Vielleicht haben wir auch einen Anflug von schlechtem Gewissen, denn unsere Untätigkeit hat diesem armen Geschöpf ja weitere Arbeit aufgebürdet. Wir hätten das möglicherweise auch selbst machen können.

Doch gleichzeitig schwingt da auch eine Mischung aus Vorwurf und Stolz mit. „Könnt ihr euren Kram nicht mal selbst erledigen!?“ trifft auf „Guck mal, wie wichtig ich bin, ohne mich bricht hier alles zusammen!“

Wer schon mal versucht hat, die lieben Mitmenschen über solche Vorwürfe zur Arbeit zu motivieren, weiß, wie sinnlos im Grunde schon der bloße Denkansatz ist. Durch Genörgel bekomme ich niemanden dazu, dass er anpackt. Dennoch wird es tagtäglich viele tausend Mal so gemacht.

Warum eigentlich? Geht das nicht besser und vor allem effektiver? Was steckt hinter diesem Verhalten?

Drehen wir die Sache doch mal um – sagen wir, der Chef gibt uns einen Arbeitsauftrag. Wenn er gut in seinem Job ist und etwas über Mitarbeiterführung gelernt hat, wird er das ungefähr so formulieren: „Frau Meier, bitte kümmern Sie sich um Aufgabe X. Es muss bis Y fertig sein.“

 

Eine klare Ansage: Was ist zu tun? Wer soll es tun und bis wann?

 

Davon findet sich im vorwurfsvollen „...sonst macht es ja keiner“ nicht die Spur. So ziemlich jeder von uns kennt das Spielchen aus der Kindheit, gerne gesehen beim Zimmer aufräumen – man musste einfach nur jedes Mal Mutters schlechte Laune einen Moment lang aushalten und vielleicht was nuscheln von „Ja ja, gleich“. Schwups, war die Sache für einen erledigt und man musste sich nicht darum kümmern.

 

Woher dieses Verhalten eigentlich kommt? Ich würde sagen, es stecken verschiedene (falsche) Annahmen dahinter.

Zum einen geht die Fragestellerin (dieses Phänomen ist mir zumindest bislang überwiegend bei Frauen begegnet) davon aus, dass ihr Kind/Mann/... exakt erraten kann, wie und wann sie die Aufgabe erledigt haben möchte.

Genaue Details, vielleicht auch einzelne Unterpunkte („Mach zuerst dein Bett und dann räum bitte die Kleidung in den Schrank und zwar bis zum Abendessen“) fehlen komplett.

Zum anderen ist sie - unbewußt - der Ansicht, dass es zu ihrer Rolle als Frau gehört, sich um den kompletten Haushalt (oder was immer das zu erledigende Projekt ist) ALLEIN zu kümmern. Die 50er mit ihrem völlig unrealistischen Bild der Super-Hausfrau lassen grüßen.

Daher verzichtet sie darauf, die Mitbewohner schon bei der Planung einzubinden und die Aufgaben entsprechend zu verteilen. Resultat: Außer ihr kennt niemand das große Ganze mit seinen unsichtbaren Details. Zum einen macht sie das in der Tat unverzichtbar, allerdings bleiben die anderen außen vor und ahnen oft nicht einmal, was so alles hinter den Kulissen passieren muss, damit Hotel Mama stets warmes Essen und saubere Kleidung parat hat. Spätestens wenn diese Dame nun doch mal ausfällt, herrscht zuhause im Handumdrehen das Chaos, denn niemand weiß ja, was zu tun ist. Niemand kann sich darum kümmern, dass zumindest Grundbedürfnisse wie Essen oder bezahlte Rechnungen abgedeckt werden.

 

Ein dritter Grund steckt nach meiner Erfahrung zusätzlich in diesem Mechanismus – die Harmoniesucht, dem Wunsch, unbedingt bei allen beliebt zu sein. Wenn ich alle unpopulären Arbeiten mache, hat niemand was zu meckern und vielleicht ist jemand sogar froh über mich.

 

Je älter die Mitstreiter sind, desto eher kann man mit ihnen natürlich über Sinn und Unsinn mancher Arbeit diskutieren – wenn man es denn möchte -, aber bestimmte Arbeiten sind nun mal notwendig und auch die längste Debatte am Esstisch oder in der Teamsitzung macht sie nicht überflüssig.

Ja, das gibt am Anfang den ein oder anderen bösen Blick, aber auch hier ist ein bisschen Geduld Gold wert. Menschen mögen es nämlich, wenn man ihnen etwas zutraut und eine Aufgabe, die man selbst gemeistert hat, macht unheimlich stolz.

 

Was ist also hier die Lösung – oder sagen wir lieber, EIN möglicher Weg zur Lösung?

 

Zum einen muss ich meinen Stolz etwas zurechtstutzen und zugeben, dass auch ohne mich der Laden laufen wird; vielleicht nicht exakt so, wie ich es tun würde, aber lange das Endresultat stimmt, geht es doch.

Viele gute Pläne scheitern hier. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen und die eigene Wichtigkeit vielleicht eher auf anderen Gebieten zu zeigen...das macht natürlich Angst. Was bleibt von mir, wenn ich nicht wenigstens die perfekte Hausfrau und Mutter bin? Die perfekte Organisatorin im Sportverein? Der Liebling aller Kollegen?

Antwort: Erstaunlich viel. Der „Nur-Heimchen-am-Herd-Blick“ wurde uns in den letzten Jahrzehnten mit unglaublicher Härte ins Gehirn und die Mentalität gemeißelt. Es braucht ein gehöriges Stück Gelassenheit und Selbstvertrauen (das nicht immer sofort da ist), um die Lücken zu füllen. Stichwort Wachstumsschmerzen. (Es lohnt sich aber gewaltig, so viel sei verraten!)

 

Zum anderen muss ich meinen Familienmitgliedern/Kollegen/... klarmachen, dass alle in einem Boot sitzen und sich niemand vor zumindest einem Stückchen Arbeit drücken kann. Als Belohnung hilft gerne mal der Hinweis, dass man selbst dann dieses Rumgenörgel an den anderen ja endlich sein lassen kann...;-)

Die eigentliche Arbeitsanweisung so klar und deutlich wie möglich ausdrücken!

Nicht etwa, weil unsere Mitmenschen begriffsstutzig wären, sondern weil es schlicht um Informationen geht; die „verbale Dekoration“ lenkt hier nur ab.

Ein abschreckendes Beispiel ist mir einmal in einem Warteraum begegnet: Neben mir saß eine junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn, vielleicht 2 Jahre alt. Als nun dieser Junge das Spielzeug eines anderen Kindes mitnehmen wollte, hielt die Mutter eine eindrucksvolle Rede, die in etwa so ging:“Hallo mein Schatz, würdest du der Mama eventuell mal einen Gefallen tun, also wenn du vielleicht magst, und könntest du so nett sein, dem Kind dort drüben irgendwann sein Spielzeug zurückzugeben?“

Ob hier Ironie im Spiel war – ich weiß es nicht.

Ich weiß aber, dass es mich eine Menge Beherrschung kostete, hier nicht einzugreifen und zu zischen: „Verdammt, dein Kind ist noch viel zu klein, er versteht davon nichts als Blablabla! Drück dich klarer aus!“

Entsprechend tat der Junge natürlich auch nicht, was die Mutter von ihm forderte...!

Ein schlichtes „Schatz, gib bitte das Spielzeug wieder zurück“ hätte hier seinen Zweck mit Sicherheit besser erfüllt.

 

Was denken Sie zu diesem Thema, liebe Leserinnen und Leser? Sind Sie dafür, dagegen oder ganz anderer Meinung? Wollen Sie mehr dazu lesen? Was immer auch Ihre Meinung ist, lassen Sie es mich in den Kommentaren wissen!

 

 

Along with the drivers of having-to-be-nice and (seeming) worthlessness I often see another form of overwhelm which hides other causes behind a dutiful mask.

 

If I don't do it, nobody else will!“

 

At first sight this is obviously a collision of a strong sense of duty and a good heaping of frustration. We all know such people who will always do others' dirty work and then let the world know about it more or less clearly. On the one hand you feel glad that you were spared that ordeal and that there are people with such a strong sense of duty. Maybe you also feel a hint of guilt for your inaction burdened this poor creature with additional work. You might have done this yourself.

Yet at the same time this has a feel of reproach and pride. „Can't you take care of your stuff yourself!?“ meets „Look how important I am; without me everything would come crashing down!“

If you've ever tried to motivate your fellow humans for work with the help of such reproaches, you know how utterly useless even the intellectual approach is. Still this is how it is done every day many thousand times.

So why is this? Can't we do this a bit better and, more importantly, in a more effective way? What is the cause of such behaviour?

Let's take a different look at it – say, our boss gives us a task to work at. If he is good at his job and has learned a bit about leadership, he'll phrase his request something like this: „Mrs Meier, please take care of task X. It is due on day Y“.

 

A clear declaration: What needs to be done? By whom and until when?

 

You can't find even a hint of that in the reproachful „...or nobody will do it“ Just about anyone of us knows this game from our childhood, often with chores such as tidying your room – you only had to endure Mother's bad mood for a moment and maybe mumble something like „Yeah, later“. In one fell swoop the thing was done for you, no need to take responsibility.

 

So where does this behaviour come from originally? I dare say there are several (false) beliefs behind all of this.

Firstly the enquirer assumes that her child/husband/...(so far I've only ever encountered this phenomenon with women) are mindreaders to know how and when she would like to have the chore finished. Exact details, maybe even some order in them („First, make your bed and then put your clothes in the wardrobe; until dinner time“) are lacking completely.

Secondly she – unconsciously – holds the opinion that it is part of her role as a woman to take care of the entire household (or whatever the job to be done is) ALL BY HERSELF. A nod to the fifties and their totally unrealistic image of the super housewife.

Thus she avoids involving her housemates as early as the planning stage and delegating the tasks respectively.

Result: Nobody except her knows the greater picture and the invisible details. On the one hand she does make herself irreplaceable but the others are left out and often have no idea just how much has to be done for „Hotel Mum“ to be able and keep warm food and clean clothes ready.

By the point when this lady does become incapacitated, all hell will break loose in her home for nobody knows what has to be done on a daily base. Nobody can take care of covering at least the basic needs such as food or bills getting paid on time.

 

Judging from my experience there is often a third reason at play in this mechanism – the drive for constant harmony, also known as people pleasing. If I take on all the unpopular chores, nobody has a reason for whining and maybe someone is even glad to have me.

The older your comrades-in-arms are, the easier it is to have a discussion with them about whether certain jobs are necessary or not – if you truly want to – but some tasks are simply essential and even the longest debate at the dining table will not turn them into something superfluous.

Yes, you will get angry looks at first, but a little patience is worth its weight in gold. You see, people like it when you have confidence in their abilities and a job that you managed to do yourself will make you proud.

 

So what is the solution here – or, rather, ONE possible way to a solution?

 

On the one hand I need to take down my ego a bit by admitting that even without me, things will be going well; maybe not in the exact same way that I would do them, but as long as the final result is the same, it's ok.

A lot of great plans fail at this mark. Not taking yourself too seriously, maybe trying to show your importance in other fields – that's scary. What will remain of me if I am not at least a perfect homemaker? Answer: so much it'll amaze you! That „only a housewife and mother“ kind of view has been chiseled into our brains and our mentality for decades with relentless fervor. It takes a good deal of self confidence and serenity – which may not immediately be at hand – to fill those gaps. Speak of growing pains. (Though it is worth the effort, that much I can say!)

 

On the other hand I need to point out to my family members/colleagues/... that we are in this together, that nobody can refuse to do at least some small task. Stating that you can finally stop nagging may be a good reward to get everyone on track ;-)

Keep the actual assignment as clear and as precise as possible!

It's not because our fellow humans could be dim-witted, it's because what counts in this case is pure information - „verbal decoration“ is only a distraction.

I once encountered a deterrent example in a waiting room: Next to me sat a young mother with her son, maybe two years old. When this boy wanted to take home another child's toy, his mother gave a rather impressive speech that ran something like this:“Hello my darling, would you please do Mommy, well, sort of a little favor – only if you like to – and could you please be so nice and give that toy back to the other kid at some point ?“

Whether this was a case of irony – I don't know.

What I do know, though, is that it took me a whole lot of self-control to not interfere and hiss:“Damn it, your child is way too young, all he understands is bla bla bla! Get to the point!“

Obviously the boy never did what his mother asked him to...

Simply saying „Darling, please give that toy back“ would certainly have been more effective.

 

What do you think about this topic, my dear readers? Do you agree, disagree; maybe you have an entirely different opinion? Would you like to read more about this? Whatever your opinion is, feel free to let me know in the comments section!

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Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst?

Schwefel-Cosmea
Schwefel-Cosmea (c) Maria Aldinger

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Wenn ich jemandem mit viel Stress vorschlage, bei der ein oder anderen nicht soo wichtigen Aufgabe doch mal etwas kürzer zu treten und ruhig auch die lieben Mitmenschen einzubinden, dann fallen häufig Sätze wie diese:

 

Das kann ich X doch nicht antun!“

 

Ach wirklich? Fällt dann dieser Mensch auf der Stelle tot um oder hört die Erde augenblicklich auf, sich zu drehen? Vermutlich eher nicht. Den Satz höre ich nämlich nicht bei buchstäblich lebenswichtigen Aufgaben – zum Beispiel einen Angehörigen pflegen, da kann es ja tatsächlich schwierig sein, von jetzt auf gleich einen Ersatz für die eigene Tätigkeit zu finden.

Eher, wenn es darum geht, dass jemand nach dem Kegel- und dem Gesangsverein vielleicht nicht auch noch Vorsitzender des Pudelzüchterclubs werden muss. Mitglied sein, na klar. Aber überall bei den anstrengenden Posten „Hier!“ schreien? Nö, muss nicht sein. Die meisten Menschen sind mit ihren Hobbies und den bekannten 24 Stunden am Tag recht gut ausgelastet. Außerdem sind wir zu 7 Milliarden, da fand sich bis jetzt noch immer ein Nachfolger...

 

Wenn wir eine solche, doch eher kleine Entscheidung dem Anderen mitteilen, dann sieht man sehr schön, aus welchem Holz das Gegenüber geschnitzt ist.

In den allermeisten Fällen kommt dann nämlich bloß so etwas wie „Oh schade...naja, da kann man nichts machen“. Damit ist die Sache erledigt und wir sind ein belastendes Päckchen los. Juchu!

 

Schwieriger ist es bei den ...nennen wir sie mal vorsichtig „Dramatikern“. Das sind die, bei denen ein mehr oder minder direktes Nein für ganz großes Kino sorgt. Von ungläubigen Blicken über pathetische Ausrufe wie „Aber nein! Du willst mich umbringen!“, gefolgt von Vorwürfen, wie man sie seltsamer gar nicht erfinden könnte und wenn wir es dann wagen, immer noch nicht einzuknicken – tja, dann fahren die Dramatiker die großen Geschosse auf und machen einen auf „Armes Opfer“, komplett mit schniefen, Dackelblick, Krokodilstränen und frei erfundenen Räuberpistolen darüber, was die Menschheit doch schon immer so gemein/egoistisch/hinterhältig... zu ihnen gewesen sei und wie sie glaubten, wir seien eine löbliche Ausnahme...

 

Bei so einem Theater hart zu bleiben und auf dem Nein zu beharren – da gehört dann schon etwas Training dazu und vor allem das Wissen, dass ein solcher Mensch sich im Handumdrehen einen neuen „Sklaven“ sucht. Eine Sorge weniger für uns.

Das mag jetzt fies und hartherzig klingen, aber so ein Dramatiker (Die Psychologen sprechen hier etwas genauer von Narzissten, die ihre Mitmenschen ohne Sinn und Verstand als Werkzeug benutzen) sieht uns nicht als Mitgeschöpf mit Gefühlen, sondern als Mittel zum Zweck – seelische „Knöpfe“ drücken, um den anderen zu manipulieren (das ist viel eher gemein!), ist für ihn ein alltäglicher Vorgang, um ohne eigenes Zutun die Lorbeeren einzuheimsen.

 

Hier ist es sehr hilfreich, sich im Vorherein den einen oder anderen Satz zu überlegen, mit dem man solche Attacken ruhig, aber bestimmt abwehren kann. Vielleicht tut es für den Anfang eine gute Freundin oder auch der Spiegel als Partner;-) Notfalls tut es ein schlichtes Nein aber auch. Nur beharrlich muss man sein und – wenn es geht – dem anderen ins Gesicht zu sehen, ist auch sehr hilfreich, denn das sagt demjenigen, dass hier jemand nicht darauf wartet, ausgenutzt zu werden, sondern dass wir hinter unserer Forderung stehen, was da auch kommen möge. Das ist leichter gesagt als getan, aus eigener Erfahrung kann ich da beipflichten, aber auch sehr lohnend.

 

 

 

Whenever I suggest somebody stressed-out might as well take it easy and drop this or that not-so-important job from their list that others can do as well, I usually hear phrases like those:

 

But I can't to that to X!“

 

Oh really? Is this person going to drop dead right away, will the Earth stop spinning around its axis this very moment?

Probably not. You see, this sentence is not one that people use when talking about literally vital jobs, such as nursing a sick relative, where it can indeed be tricky to find a good substitute for one's own work.

No, this usually comes up from somebody who is is heavily involved in the bowling club as well as the choir and who now considers becoming president of the poodle breeders' club, too.

Being a member: sure, go for it. But taking up every taxing job that nobody else wants? Nope, not essential.

Most people are quite well endowed with their hobbies and those well-known 24 hours in a day. Besides, there are 7 billion of us, so far we've always found someone to fill in...

 

When we tell others about such a, really rather small decision, it becomes quite obvious what kind of person we are dealing with. In almost every case all you hear is a simple „Oh, what a pity...well, you can't help it.“ This is no longer our business, we've got a much-needed breather - yay!

 

Things are more tricky, though, if you're dealing with a drama queen (or king). You know, those that will follow up on your declaration with major tantrums. Starting with incredulous looks, they'll fire away lofty cries like „Oh no! You are trying to kill me!“, followed by reproaches so strange you couldn't dream them up and if at that point we dare to still not buckle ...well the drama queen or king will get the big cannons out, acting like they are the „poor victim“, complete with sniffing, big puppy eyes, crocodile tears and wild cock-and-bull-stories about how mankind has always been so mean/selfish/back-stabbing to them and how they thought that we were one of the laudable exceptions...

Remaining firm amidst such a fuss – this requires a bit of previous training and knowing that such a person will immediately go out hunting for another „slave“ if we decline. One less worry for us.

No fear, this may sound a bit nasty and cold-hearted, but such a drama queen (technically speaking, psychologists refer to people who use their fellow humans like a tool as narcissists) does not see you as a living being with needs or emotions, but simply as a means to an end. Pushing people's buttons and manipulating them in order to achieve what they want (now that's truly mean!) is something very common for a drama queen.

In this situation it is very helpful to think of one or two phrases ahead of time that you can use to counter such attacks calmly, but firmly. Try and practice with a good friend or even the mirror. If everything else fails, a plain No will do. Just be patient and – if you can manage – look the other one in the face for this tells them that you are not waiting to be abused but that you won't budge, come hell or high water. That is easier said than done, I can tell you from my own experience – but it's oh so rewarding!

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein nur leicht satirischer Überblick, Teil 3

8. Erst eine verheiratete Frau mit Kind ist eine RICHTIGE Frau.

- oder -

9. Eine alleinstehende, berufstätige und kinderlose Frau, das geht ja gar nicht!

- oft auch eingebaut in der Frage:

10. Wo bleibt denn der Nachwuchs!?!

 

Den besten, oder nach Ansicht der betroffenen Frauen eher den schlimmsten Teil, heben wir uns für den heutigen Artikel auf. Es sind drei Mythen, die aber alle um dasselbe Kernthema kreisen - die Sache mit der Fortpflanzung.

Während es mittlerweile relativ akzeptiert ist, dass nicht jede Frau den Bilderbuch-Lebensentwurf aus den 50ern mag (Mann, 2 Kinder, Haus und weißer Gartenzaun), sondern dass Kinder eben auch ohne Trauschein kommen und dennoch prächtig gedeihen können...so wird es ausgesprochen schwierig, wenn man sich nicht nur den "geordneten Verhältnissen", siehe oben, sondern gleich der Fortpflanzung komplett verweigert. So manche - eigentlich liberalen - Familien fangen ab einem gewissen Alter an, bewußt oder unbewußt auf die nächste Generation zu hoffen. Zu bibbern. ZU DRÄNGEN. Bisweilen artet das fast schon in Bestechungsversuche aus, doch auch wenn sich so eine Situation für Außenstehende möglicherweise amüsant liest - für all diejenigen, die mitten in der "Ich will aber keine Kinder, grundsätzlich nicht!"- Kontroverse stecken, ist es längst nicht so unterhaltsam.

Doch es bleibt die Frage: woher kommt dieser Mythos und warum ist er so penetrant?

 

Die Herkunft ist, mit Blick auf die Menschheitsgeschichte, recht schnell geklärt: Wo keine Kinder, da keine Zukunft. In der Zeit der Frühmenschen waren wir aber auch noch viel weniger. Nichts von Überbevölkerung zu spüren. Sobald man Kinder hatte, war man locker zwei Jahrzehnte damit beschäftigt, sie zu füttern, gesund zu halten und mit viel Glück hatte man hinterher einen oder mehrere Erwachsene zustande gebracht. Wenn man zu dem Zeitpunkt dann noch etwas Lebenszeit übrig hatte - das war lange Zeit nicht selbstverständlich! - , erlebte man bald, wie sich die eigenen Gene wiederum in den Enkeln erhielten. Mehr Menschen, mehr Arbeitskräfte, bessere Überlebenschancen.

Kinder = Leben. Aha! Das erklärt die Sehnsucht der meisten Leute nach Kindern, und deren Kindern.

 

Mittlerweile allerdings ist es zum Überleben längst nicht mehr nötig, Kinder zu haben, sich "fest zu binden" .Auch die Ehe war immerhin bis vor wenigen Jahrzehnten eine Art Vertrag zum beidseitigen Nutzen, mehr als Sympathie oder Kooperationsbereitschaft waren nicht zwingend erforderlich!

Doch was sind ein paar Jahrzehnte im Vergleich zu vielen Jahrtausenden? Recht wenig, um es einmal verhalten auszudrücken! Noch dazu verdienen heute auch viele Menschen ihr Brot damit, den Kinderwunsch anderer Leute zu erfüllen - man denke an die gigantischen Industrien der Partnervermittlung, künstliche Befruchtung,Geburtsvorbereitung und Kindererziehung! Keine Kinder zu wollen bedeutet für diese Geschäftsmodelle, dass ihnen schlicht die Kundschaft ausgeht. Ganz zu schweigen davon, dass die kommende Kundschaft ja auch wegfällt, weil nie gezeugt. Doch letzten Endes sorgt es nur für Konflikte in der Familie, wenn jemand sich nicht fortpflanzen will und der Rest der Familie sie oder ihn in der Bringschuld sieht.

Einstweilen kann es der ein oder anderen Frau helfen, die eigenen Werte und Grenzen möglichst gut zu kennen und notfalls darauf hinzuweisen, dass jemand anderes gerade im Begriff ist, sie zu überschreiten?! Leichter gesagt als getan, ich weiß.

 

Aus diesem Grund befasse ich mich in der nächsten Artikelserie einmal genauer mit diesen ominösen Werten, wo sind unsere individuellen Grenzen und wie schaffen wir es, dass sie einfach mal respektiert werden? Ein spannendes Thema wartet auf euch!!

Was erlaubt die sich denn!?! - Ein Zwischenruf

 

So manch einer fragt sich nach den vorhergehenden Artikeln nun: Wer ist diese Frau und vor allem, wieso lehnt sie sich mit ihren Texten so aus dem Fenster!?!

Ich stelle dann mal mich und meinen Werdegang vor, wie es kam, dass ich hier öfter den Mund aufmache.

 

Wie so viele von uns Menschen war auch ich eines dieser Kinder, die Erwachsene lieben, weil sie so unheimlich BRAV sind. Aus heutiger Sicht würde ich natürlich sagen, viel ZU brav, aber mangels Vergleichsmöglichkeiten war mir diese Tatsache halt noch nicht bewusst. Stattdessen machte ich, was die Erwachsenen wollten, lächelte, ob ich nun wollte oder nicht ...UND HIELT DEN MUND.

 

Egal, was passierte.

 

Ob große oder kleine Ungerechtigkeiten geschahen, Hass oder Gewalt meinen Weg kreuzten, ob unglückliche Menschen nach Liebe oder zumindest Aufmerksamkeit regelrecht schrien...Ich hielt den Mund, denn ein braves Mädchen bereitet ja niemandem Unannehmlichkeiten, nicht wahr?

 

Das erwies sich über die Jahre hinweg als Fehlgriff, doch leider saß diese Sache namens „gute Erziehung“ ausgesprochen fest in meinem Hirn und bremste jeden Versuch, mal – wörtlich oder nur metaphorisch – mit der Faust auf den Tisch zu hauen und Klartext zu reden.

 

Es brauchte viele, viele Krisen, darunter eine zu pflegende Schwiegermutter mit Schlaganfall und Alzheimer, Ehekrise und so schwere Depressionen, dass ich nicht mehr leben wollte...bis ich endlich begriff, dass ich mein Leben so leben musste, wie es MIR gefiel. Dass ich die Stimmen und Andeutungen aus Umfeld, Werbung, Fernsehen usw., die mir zu verstehen gaben, dass ich falsch, nicht akzeptiert sei, wenn ich nicht so handeln würde, wie sie es mir vorschrieben, dass ich diese Stimmen - teilweise komplett - ignorieren musste.

Die Variante, in der ich anderen alles recht machte, nun ja, die hatte sich als untauglich erwiesen, denn sie führte mich geradewegs in das Land des Un-GLÜCK-lichseins.

 

Natürlich war dieser neue Weg nicht ohne Hindernisse. Es brauchte so einiges an Unterstützung von erfahrenen therapeutischen Menschen (ein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle!!) und allmählich wuchs das kleine Pflänzchen namens Selbstvertrauen. Nachdem ich mich jahre- und jahrzehntelang als „schüchtern“, „Mauerblümchen“, „uninteressant“ und vieles anderes definiert hatte, war ich dann vor einigen Jahren sehr erstaunt, als mir jemand entgegnete, das stimme nicht, ich sei doch ganz und gar nicht schüchtern! Es klappte offenbar!

Im Laufe dieses Wandels merkte ich auch, dass die befürchtete Ablehnung, Gegenwind, „Ärger“ in jeglicher Form...dass die meistens gar nicht kamen, wenn ich meine eigene Meinung zu einem Thema äußerte. Vorausgesetzt natürlich, es war nicht einfach nachgeplappert, sondern durchdacht.

 

Aus diesem Grund beschloss ich dann, nicht nur Heilpraktikerin zu werden und nach einiger Zeit auch eine Praxis zu eröffnen, sondern nun auch einen Blog, in dem ich versuche, mit verbreiteten Mythen, Fehleinschätzungen und anderen Störfaktoren aufzuräumen. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen von euch etwas Trost, Unterstützung, vielleicht sogar ein kleines Aha-Erlebnis. Manches davon stand mir selbst mal im Weg – oder tut es hin und wieder noch - , anderes kommt mir in Gesprächen bis-weilen zu Ohren.

Nicht immer wird es offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen zu lesen, das habe ich in all diesen Jahren gelernt. Nachzuhaken, vor allem nachzuhaken, wenn jemand etwas kritiklos akzeptieren will.

Mit viel Verständnis und Liebe meine Mitmenschen zu betrachten und, wenn einer davon Hilfe sucht, meine Hand auszustrecken. Wer sie nehmen möchte, den begleite ich gerne ein Stück weit auf seiner Reise zum Glück.

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein (nur leicht) satirischer Überblick  Teil 2

 

4. Du bist im Beruf stets allen Anforderungen gewachsen und wirst deshalb gerecht behandelt und bezahlt

 

Zu diesem Thema sind schon viele Zeilen geschrieben worden, ein paar Stichworte gefällig?

Machtgefälle, Pay gap, Konkurrenzdenken, Machismo und und und.

 

In einer idealen Welt hätten Frauen und Männer tatsächlich gleiche Chancen auf eine Stelle, auf

gerechte Bezahlung, auf den bisherigen Job nach einer Elternzeit, auf eine Beförderung...

In der Realität aber stellen Menschen gerne Menschen ein, die ihnen selbst ähneln. Da die meisten Personalchefs auch heute noch männlich sind...wird es meist ein Mann. Mittlerweile gibt es ja Gottseidank Frauenquoten, aber auch dann bleibt das Geschmäckle, ob man es ohne Quote auch geschafft hätte und gut genug ist. Wenn dann die männlichen Kollegen erschrocken merken, dass es Konkurrenz in ihrem Revier gibt, womöglich noch besser qualifiziert...ja, dann kommt oftmals das Monster in ihnen zum Vorschein. Die wenigsten Menschen können es neidlos ertragen, dass jemand besser ist als sie selbst, erst recht, wenn es das vermeintlich schwache Geschlecht ist, und man sich selbst bislang erfolgreich als Mann und daher automatisch Platzhirsch definierte. Das nun folgende Machtgerangel, inklusive Mobbing oder die oben erwähnten Belästigung hat meistens Erfolg damit, die unerwünschte Kollegin loszuwerden. Tja und erfolgreiche Methoden werden dann öfters angewandt...

 

Nein, liebe Männer, ich weiß schon, dass ihr nicht alle so tickt und dass viele von euch ziemlich

nett und fair mit den Kolleginnen umgehen könnt, das ist mir klar. Aber leider sitzen an der

Spitze unserer Gesellschaft und unserer Firmen letzten Endes dann doch wieder die „erfolg-

reichen Verdränger“, weil so ein Ellenbogenverhalten sehr effektiv ist und von anderen meist

ganz richtig als Dominanzverhalten interpretiert wird. Es fehlt uns „braven“ Leuten schlicht an

Aggression. Dabei hat sich die Natur aber durchaus etwas gedacht. Kennt noch jemand den

Spruch „Auge um Auge und die ganze Welt wird blind“? Genau, es hilft nämlich, sanft zu sein. Aber bitte zur rechten Zeit auch mal die Krallen ausfahren, denn sonst werden wir überrannt von den Aggressiven.

 

5. Du weißt stets, was deinem Kind fehlt und wie du darauf zu reagieren hast

 

Es wäre sehr schön, wenn das jeder Mutter so ginge. Die Natur hat uns für so wichtige Dinge

wie die Fortpflanzung und die Aufzucht der Jungen ja durchaus einen gewissen Instinkt mit-

gegeben. Dummerweise aber macht sich die Menschheit seit Jahrhunderten daran, uns diesen

Instinkt abzutrainieren, in den meisten Fällen mit Erfolg. Anders sind die brillanten Verkaufszahlen der Myriaden an Ratgeberbüchern nicht zu erklären. Wenn man von einem Kind logisches Erwachsenenverhalten erwartet, ist die Mission Kind verstehen fast schon zum Scheitern verurteilt. Dazu noch ein paar mehr oder minder schlechte Erfahrungen in der eigenen Kindheit und der Cocktail der künstlich erzeugten Hilflosigkeit ist fertig.

Mit einer Mischung aus Vertrauen in die eigenen Instinkte sowie einem guten Schuss gesundem Menschenverstand kommt man in aller Regel weiter. Da heutzutage die liebevolle Großfamilie mit erfahrenen Müttern, Tanten, Omas zur Seltenheit geworden ist und auch Freundinnen einer frischgebackenen Mutter nicht immer mit sinnvollen Ratschlägen zur Seite stehen können oder wollen...tja, da hilft wohl nur die Sache mit dem Beobachten und viel Gelassenheit. Wie ich als kinderlose Frau im übrigen dazu komme, mich über die Tätigkeit einer Mutter auszulassen, so ganz ohne eigenen Nachwuchs, also folgerichtig ohne Erfahrung? Das berührt jetzt Klischee Nummer 8 und 9, gleich mehr dazu;-)

 

6. Sobald du deinen Ehemann siehst, wirst du zur sinnlichen Göttin im Bett

 

An diesem Klischee stören mich gleich mehrere Dinge.

Zum einen wird automatisch davon ausgegangen, dass nur ein EHEmann zur wirklichen

sexuellen Erfüllung imstande sei. Wer schon mal geheiratet hat, weiß aber, dass mit dem berühmten „Ich will“ nicht sofort alle Erfahrungen und Fähigkeiten auf Optimalmaß wachsen.

Eine weniger verbindliche Beziehung kann genauso gut oder schlecht für das Liebesleben sein, das kann man nicht am Trauschein festmachen.

 

Zum zweiten klingt hier durch, dass man bei Frauen ja nur auf den richtigen Knopf drücken müsse, damit sie ungeahnte Lüste empfinden kann. Die allermeisten Frauen können das erstens selbst ganz gut und zweitens lässt der Satz die Tatsache außer Acht, dass Lust eine Sache des Entspannens, der lockeren Stimmung ist. Sicher, man könnte jetzt Aphrodisiaka, ein bisschen Alkohol ins Spiel bringen. Doch das geht schon wieder gegen die Sache mit der Einvernehmlichkeit. Wenn Frau nicht will, dann will sie nicht. Überall in der Natur sieht man dieses Prinzip – Weibchen wählt, Männchen fügt sich – oder sollte es zumindest tun. Es gibt tausend Gründe, warum eine Frau jetzt gerade keinen Sex will, ob es am Partner, dem schlafenden Baby, ihrem eigenen Körper, Schlafmangel, Ärger auf der Arbeit oder sonst etwas liegt. Meistens macht irgendetwas ihr Druck (im Sinne von Bedrohung) und das ist der Lust definitiv abträglich. Auch dazu später mehr.

Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass manch eine Frau nur aus Gründen der Einsamkeit, der finanziellen Sicherheit oder auf Druck des Umfeldes (siehe Klischee 8/9) eine feste, eventuell amtlich anerkannte Beziehung eingeht, dass man ihr vielleicht so viele Komplexe und seelische Baustellen eingeredet hat, dass sie sich und ihrem Körper, ihrem eigenen Instinkt gar nicht mehr vertrauen kann...ja, dann sind wir wieder bei dem infernalischen Cocktail aus Angst und Hilflosigkeit. Man macht halt, was scheinbar alle anderen machen – nur redet kaum jemand davon, dass die anderen genauso wenig verstehen und sich ebenfalls am vermeintlichen Rudelverhalten orientieren. Da hat die Menschheit noch eine ganze Menge Aufarbeitung in Sachen sexuelle Schuldgefühle vor sich. Fangen wir erst mal bei uns selbst an;-)

 

7. Durch die Lektüre verschiedenster Zeitschriften bist du stets auf dem Laufenden in Sachen Mode, aber auch Klatsch und Tratsch, man muss ja mitreden können.

 

Auch hier haben wir so einige Kritikpunkte.

Eine Frau wird in so ziemlich jeder entsprechende Zeitschrift mehr oder minder stark als fehlerbehaftet dargestellt. Warum? Im Marketing spricht man gerne davon, dass man als Unternehmer mit seinem Produkt die Bedürfnisse des Kunden erfüllen sollte. Was ist aber, wenn der Kunde gar kein Bedürfnis danach hat? Nun, dann kann man ihn entweder dezent darauf hinweisen oder mit seinen unterschwelligen Ängsten spielen, sie vielleicht noch stärker machen...damit er das Produkt aus Angst doch kauft. Ein Schelm, der dabei Böses denkt.

Lest mal unter diesem Aspekt die typischen Werbeanzeigen für Produkte, die auf Frauen abgestimmt sind – egal was. Nehmen wir die Kosmetik beispielsweise.

Keine Ahnung, wie es euch geht, aber ich persönlich kenne keine einzige Frau, die auf dekorative Kosmetik alias Schminke freiwillig komplett verzichtet, inklusive Hautpflege, Gesichtswässerchen, Wimpern färben, Beine enthaaren... Warum nicht? Aus Angst, als Schlampe, ungepflegt oder sonst wie unangenehm zu gelten. Dass ungefähr 99,9% der Männer den Unterschied zwischen geschminkt und ungeschminkt gar nicht bemerken oder sich daran nicht stören...sinnloser Einwand! Das „Rudel“ der Menschheit könnte einen ja eventuell, möglicherweise,...verstoßen.

Hier treffen sich anerzogene Mythen und die tatsächliche evolutionäre Realität (nämlich, dass man als einzelner Mensch in freier Wildbahn von jeher nur sehr schlecht überlebt und daher den Verband der Gruppe ( Rudel, Horde...) sucht und sich notgedrungen dessen Vorschriften anpassen muss. Ein gefundenes Fressen für die Hersteller der Kosmetik, im Extremfall auch für psychologisch geschulte Profis, die der völlig verunsicherten Frau dann irgendwann ein wenig Vertrauen in sich selbst verschaffen sollen. Fragt sich noch jemand, warum eine von anerzogenen Ängsten und sozialen Zwängen befreite Frau hierzulande so selten ist? Genau, weil es sich für eine Menge Leute dann nicht rechnet. Behalten wir nun noch im Hinterkopf, dass unser kollektives Gedächtnis dieses halbe Jahrtausend an Hexenverfolgung zu bieten hat, bei der aus Neid und Missgunst sehr schnell ein Todesurteil wurde...tja, dann wundert einen so schnell nichts mehr. Auch dazu noch mehr in den kommenden Artikeln;-)

 

Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst? Teil 3

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Neben den Triebfedern des Nett-sein-müssens und der (scheinbaren) Wertlosigkeit sehe ich oft eine weitere Form von Überforderung, die hinter der pflichtbewußten Maske noch andere Ursachen verbirgt.

 

Wenn ich es nicht mache, dann macht es ja keiner!“

 

Auf den ersten Blick kommen hier eindeutig Pflichtbewußtsein und ein gutes Stück Frust zusammen. Wir alle kennen solche Menschen, die stets die Drecksarbeit für andere miterledigen und das dann auch mehr oder weniger deutlich die Welt wissen lassen. Einerseits freut man sich, dass der Kelch an einem selbst vorbeiging und dass es Menschen mit einem so ausgeprägten Gefühl für Pflichten gibt. Vielleicht haben wir auch einen Anflug von schlechtem Gewissen, denn unsere Untätigkeit hat diesem armen Geschöpf ja weitere Arbeit aufgebürdet. Wir hätten das möglicherweise auch selbst machen können.

Doch gleichzeitig schwingt da auch eine Mischung aus Vorwurf und Stolz mit. „Könnt ihr euren Kram nicht mal selbst erledigen!?“ trifft auf „Guck mal, wie wichtig ich bin, ohne mich bricht hier alles zusammen!“

Wer schon mal versucht hat, die lieben Mitmenschen über solche Vorwürfe zur Arbeit zu motivieren, weiß, wie sinnlos im Grunde schon der bloße Denkansatz ist. Durch Genörgel bekomme ich niemanden dazu, dass er anpackt. Dennoch wird es tagtäglich viele tausend Mal so gemacht.

Warum eigentlich? Geht das nicht besser und vor allem effektiver? Was steckt hinter diesem Verhalten?

Drehen wir die Sache doch mal um – sagen wir, der Chef gibt uns einen Arbeitsauftrag. Wenn er gut in seinem Job ist und etwas über Mitarbeiterführung gelernt hat, wird er das ungefähr so formulieren: „Frau Meier, bitte kümmern Sie sich um Aufgabe X. Es muss bis Y fertig sein.“

 

Eine klare Ansage: Was ist zu tun? Wer soll es tun und bis wann?

 

Davon findet sich im vorwurfsvollen „...sonst macht es ja keiner“ nicht die Spur. So ziemlich jeder von uns kennt das Spielchen aus der Kindheit, gerne gesehen beim Zimmer aufräumen – man musste einfach nur jedes Mal Mutters schlechte Laune einen Moment lang aushalten und vielleicht was nuscheln von „Ja ja, gleich“. Schwups, war die Sache für einen erledigt und man musste sich nicht darum kümmern.

 

Woher dieses Verhalten eigentlich kommt? Ich würde sagen, es stecken verschiedene (falsche) Annahmen dahinter.

Zum einen geht die Fragestellerin (dieses Phänomen ist mir zumindest bislang überwiegend bei Frauen begegnet) davon aus, dass ihr Kind/Mann/... exakt erraten kann, wie und wann sie die Aufgabe erledigt haben möchte.

Genaue Details, vielleicht auch einzelne Unterpunkte („Mach zuerst dein Bett und dann räum bitte die Kleidung in den Schrank und zwar bis zum Abendessen“) fehlen komplett.

Zum anderen ist sie - unbewußt - der Ansicht, dass es zu ihrer Rolle als Frau gehört, sich um den kompletten Haushalt (oder was immer das zu erledigende Projekt ist) ALLEIN zu kümmern. Die 50er mit ihrem völlig unrealistischen Bild der Super-Hausfrau lassen grüßen.

Daher verzichtet sie darauf, die Mitbewohner schon bei der Planung einzubinden und die Aufgaben entsprechend zu verteilen. Resultat: Außer ihr kennt niemand das große Ganze mit seinen unsichtbaren Details. Zum einen macht sie das in der Tat unverzichtbar, allerdings bleiben die anderen außen vor und ahnen oft nicht einmal, was so alles hinter den Kulissen passieren muss, damit Hotel Mama stets warmes Essen und saubere Kleidung parat hat. Spätestens wenn diese Dame nun doch mal ausfällt, herrscht zuhause im Handumdrehen das Chaos, denn niemand weiß ja, was zu tun ist. Niemand kann sich darum kümmern, dass zumindest Grundbedürfnisse wie Essen oder bezahlte Rechnungen abgedeckt werden.

 

Ein dritter Grund steckt nach meiner Erfahrung zusätzlich in diesem Mechanismus – die Harmoniesucht, dem Wunsch, unbedingt bei allen beliebt zu sein. Wenn ich alle unpopulären Arbeiten mache, hat niemand was zu meckern und vielleicht ist jemand sogar froh über mich.

 

Je älter die Mitstreiter sind, desto eher kann man mit ihnen natürlich über Sinn und Unsinn mancher Arbeit diskutieren – wenn man es denn möchte -, aber bestimmte Arbeiten sind nun mal notwendig und auch die längste Debatte am Esstisch oder in der Teamsitzung macht sie nicht überflüssig.

Ja, das gibt am Anfang den ein oder anderen bösen Blick, aber auch hier ist ein bisschen Geduld Gold wert. Menschen mögen es nämlich, wenn man ihnen etwas zutraut und eine Aufgabe, die man selbst gemeistert hat, macht unheimlich stolz.

 

Was ist also hier die Lösung – oder sagen wir lieber, EIN möglicher Weg zur Lösung?

 

Zum einen muss ich meinen Stolz etwas zurechtstutzen und zugeben, dass auch ohne mich der Laden laufen wird; vielleicht nicht exakt so, wie ich es tun würde, aber lange das Endresultat stimmt, geht es doch.

Viele gute Pläne scheitern hier. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen und die eigene Wichtigkeit vielleicht eher auf anderen Gebieten zu zeigen...das macht natürlich Angst. Was bleibt von mir, wenn ich nicht wenigstens die perfekte Hausfrau und Mutter bin? Die perfekte Organisatorin im Sportverein? Der Liebling aller Kollegen?

Antwort: Erstaunlich viel. Der „Nur-Heimchen-am-Herd-Blick“ wurde uns in den letzten Jahrzehnten mit unglaublicher Härte ins Gehirn und die Mentalität gemeißelt. Es braucht ein gehöriges Stück Gelassenheit und Selbstvertrauen (das nicht immer sofort da ist), um die Lücken zu füllen. Stichwort Wachstumsschmerzen. (Es lohnt sich aber gewaltig, so viel sei verraten!)

 

Zum anderen muss ich meinen Familienmitgliedern/Kollegen/... klarmachen, dass alle in einem Boot sitzen und sich niemand vor zumindest einem Stückchen Arbeit drücken kann. Als Belohnung hilft gerne mal der Hinweis, dass man selbst dann dieses Rumgenörgel an den anderen ja endlich sein lassen kann...;-)

Die eigentliche Arbeitsanweisung so klar und deutlich wie möglich ausdrücken!

Nicht etwa, weil unsere Mitmenschen begriffsstutzig wären, sondern weil es schlicht um Informationen geht; die „verbale Dekoration“ lenkt hier nur ab.

Ein abschreckendes Beispiel ist mir einmal in einem Warteraum begegnet: Neben mir saß eine junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn, vielleicht 2 Jahre alt. Als nun dieser Junge das Spielzeug eines anderen Kindes mitnehmen wollte, hielt die Mutter eine eindrucksvolle Rede, die in etwa so ging:“Hallo mein Schatz, würdest du der Mama eventuell mal einen Gefallen tun, also wenn du vielleicht magst, und könntest du so nett sein, dem Kind dort drüben irgendwann sein Spielzeug zurückzugeben?“

Ob hier Ironie im Spiel war – ich weiß es nicht.

Ich weiß aber, dass es mich eine Menge Beherrschung kostete, hier nicht einzugreifen und zu zischen: „Verdammt, dein Kind ist noch viel zu klein, er versteht davon nichts als Blablabla! Drück dich klarer aus!“

Entsprechend tat der Junge natürlich auch nicht, was die Mutter von ihm forderte...!

Ein schlichtes „Schatz, gib bitte das Spielzeug wieder zurück“ hätte hier seinen Zweck mit Sicherheit besser erfüllt.

 

Was denken Sie zu diesem Thema, liebe Leserinnen und Leser? Sind Sie dafür, dagegen oder ganz anderer Meinung? Wollen Sie mehr dazu lesen? Was immer auch Ihre Meinung ist, lassen Sie es mich in den Kommentaren wissen!

 

 

Along with the drivers of having-to-be-nice and (seeming) worthlessness I often see another form of overwhelm which hides other causes behind a dutiful mask.

 

If I don't do it, nobody else will!“

 

At first sight this is obviously a collision of a strong sense of duty and a good heaping of frustration. We all know such people who will always do others' dirty work and then let the world know about it more or less clearly. On the one hand you feel glad that you were spared that ordeal and that there are people with such a strong sense of duty. Maybe you also feel a hint of guilt for your inaction burdened this poor creature with additional work. You might have done this yourself.

Yet at the same time this has a feel of reproach and pride. „Can't you take care of your stuff yourself!?“ meets „Look how important I am; without me everything would come crashing down!“

If you've ever tried to motivate your fellow humans for work with the help of such reproaches, you know how utterly useless even the intellectual approach is. Still this is how it is done every day many thousand times.

So why is this? Can't we do this a bit better and, more importantly, in a more effective way? What is the cause of such behaviour?

Let's take a different look at it – say, our boss gives us a task to work at. If he is good at his job and has learned a bit about leadership, he'll phrase his request something like this: „Mrs Meier, please take care of task X. It is due on day Y“.

 

A clear declaration: What needs to be done? By whom and until when?

 

You can't find even a hint of that in the reproachful „...or nobody will do it“ Just about anyone of us knows this game from our childhood, often with chores such as tidying your room – you only had to endure Mother's bad mood for a moment and maybe mumble something like „Yeah, later“. In one fell swoop the thing was done for you, no need to take responsibility.

 

So where does this behaviour come from originally? I dare say there are several (false) beliefs behind all of this.

Firstly the enquirer assumes that her child/husband/...(so far I've only ever encountered this phenomenon with women) are mindreaders to know how and when she would like to have the chore finished. Exact details, maybe even some order in them („First, make your bed and then put your clothes in the wardrobe; until dinner time“) are lacking completely.

Secondly she – unconsciously – holds the opinion that it is part of her role as a woman to take care of the entire household (or whatever the job to be done is) ALL BY HERSELF. A nod to the fifties and their totally unrealistic image of the super housewife.

Thus she avoids involving her housemates as early as the planning stage and delegating the tasks respectively.

Result: Nobody except her knows the greater picture and the invisible details. On the one hand she does make herself irreplaceable but the others are left out and often have no idea just how much has to be done for „Hotel Mum“ to be able and keep warm food and clean clothes ready.

By the point when this lady does become incapacitated, all hell will break loose in her home for nobody knows what has to be done on a daily base. Nobody can take care of covering at least the basic needs such as food or bills getting paid on time.

 

Judging from my experience there is often a third reason at play in this mechanism – the drive for constant harmony, also known as people pleasing. If I take on all the unpopular chores, nobody has a reason for whining and maybe someone is even glad to have me.

The older your comrades-in-arms are, the easier it is to have a discussion with them about whether certain jobs are necessary or not – if you truly want to – but some tasks are simply essential and even the longest debate at the dining table will not turn them into something superfluous.

Yes, you will get angry looks at first, but a little patience is worth its weight in gold. You see, people like it when you have confidence in their abilities and a job that you managed to do yourself will make you proud.

 

So what is the solution here – or, rather, ONE possible way to a solution?

 

On the one hand I need to take down my ego a bit by admitting that even without me, things will be going well; maybe not in the exact same way that I would do them, but as long as the final result is the same, it's ok.

A lot of great plans fail at this mark. Not taking yourself too seriously, maybe trying to show your importance in other fields – that's scary. What will remain of me if I am not at least a perfect homemaker? Answer: so much it'll amaze you! That „only a housewife and mother“ kind of view has been chiseled into our brains and our mentality for decades with relentless fervor. It takes a good deal of self confidence and serenity – which may not immediately be at hand – to fill those gaps. Speak of growing pains. (Though it is worth the effort, that much I can say!)

 

On the other hand I need to point out to my family members/colleagues/... that we are in this together, that nobody can refuse to do at least some small task. Stating that you can finally stop nagging may be a good reward to get everyone on track ;-)

Keep the actual assignment as clear and as precise as possible!

It's not because our fellow humans could be dim-witted, it's because what counts in this case is pure information - „verbal decoration“ is only a distraction.

I once encountered a deterrent example in a waiting room: Next to me sat a young mother with her son, maybe two years old. When this boy wanted to take home another child's toy, his mother gave a rather impressive speech that ran something like this:“Hello my darling, would you please do Mommy, well, sort of a little favor – only if you like to – and could you please be so nice and give that toy back to the other kid at some point ?“

Whether this was a case of irony – I don't know.

What I do know, though, is that it took me a whole lot of self-control to not interfere and hiss:“Damn it, your child is way too young, all he understands is bla bla bla! Get to the point!“

Obviously the boy never did what his mother asked him to...

Simply saying „Darling, please give that toy back“ would certainly have been more effective.

 

What do you think about this topic, my dear readers? Do you agree, disagree; maybe you have an entirely different opinion? Would you like to read more about this? Whatever your opinion is, feel free to let me know in the comments section!

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Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst?

Schwefel-Cosmea
Schwefel-Cosmea (c) Maria Aldinger

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Wenn ich jemandem mit viel Stress vorschlage, bei der ein oder anderen nicht soo wichtigen Aufgabe doch mal etwas kürzer zu treten und ruhig auch die lieben Mitmenschen einzubinden, dann fallen häufig Sätze wie diese:

 

Das kann ich X doch nicht antun!“

 

Ach wirklich? Fällt dann dieser Mensch auf der Stelle tot um oder hört die Erde augenblicklich auf, sich zu drehen? Vermutlich eher nicht. Den Satz höre ich nämlich nicht bei buchstäblich lebenswichtigen Aufgaben – zum Beispiel einen Angehörigen pflegen, da kann es ja tatsächlich schwierig sein, von jetzt auf gleich einen Ersatz für die eigene Tätigkeit zu finden.

Eher, wenn es darum geht, dass jemand nach dem Kegel- und dem Gesangsverein vielleicht nicht auch noch Vorsitzender des Pudelzüchterclubs werden muss. Mitglied sein, na klar. Aber überall bei den anstrengenden Posten „Hier!“ schreien? Nö, muss nicht sein. Die meisten Menschen sind mit ihren Hobbies und den bekannten 24 Stunden am Tag recht gut ausgelastet. Außerdem sind wir zu 7 Milliarden, da fand sich bis jetzt noch immer ein Nachfolger...

 

Wenn wir eine solche, doch eher kleine Entscheidung dem Anderen mitteilen, dann sieht man sehr schön, aus welchem Holz das Gegenüber geschnitzt ist.

In den allermeisten Fällen kommt dann nämlich bloß so etwas wie „Oh schade...naja, da kann man nichts machen“. Damit ist die Sache erledigt und wir sind ein belastendes Päckchen los. Juchu!

 

Schwieriger ist es bei den ...nennen wir sie mal vorsichtig „Dramatikern“. Das sind die, bei denen ein mehr oder minder direktes Nein für ganz großes Kino sorgt. Von ungläubigen Blicken über pathetische Ausrufe wie „Aber nein! Du willst mich umbringen!“, gefolgt von Vorwürfen, wie man sie seltsamer gar nicht erfinden könnte und wenn wir es dann wagen, immer noch nicht einzuknicken – tja, dann fahren die Dramatiker die großen Geschosse auf und machen einen auf „Armes Opfer“, komplett mit schniefen, Dackelblick, Krokodilstränen und frei erfundenen Räuberpistolen darüber, was die Menschheit doch schon immer so gemein/egoistisch/hinterhältig... zu ihnen gewesen sei und wie sie glaubten, wir seien eine löbliche Ausnahme...

 

Bei so einem Theater hart zu bleiben und auf dem Nein zu beharren – da gehört dann schon etwas Training dazu und vor allem das Wissen, dass ein solcher Mensch sich im Handumdrehen einen neuen „Sklaven“ sucht. Eine Sorge weniger für uns.

Das mag jetzt fies und hartherzig klingen, aber so ein Dramatiker (Die Psychologen sprechen hier etwas genauer von Narzissten, die ihre Mitmenschen ohne Sinn und Verstand als Werkzeug benutzen) sieht uns nicht als Mitgeschöpf mit Gefühlen, sondern als Mittel zum Zweck – seelische „Knöpfe“ drücken, um den anderen zu manipulieren (das ist viel eher gemein!), ist für ihn ein alltäglicher Vorgang, um ohne eigenes Zutun die Lorbeeren einzuheimsen.

 

Hier ist es sehr hilfreich, sich im Vorherein den einen oder anderen Satz zu überlegen, mit dem man solche Attacken ruhig, aber bestimmt abwehren kann. Vielleicht tut es für den Anfang eine gute Freundin oder auch der Spiegel als Partner;-) Notfalls tut es ein schlichtes Nein aber auch. Nur beharrlich muss man sein und – wenn es geht – dem anderen ins Gesicht zu sehen, ist auch sehr hilfreich, denn das sagt demjenigen, dass hier jemand nicht darauf wartet, ausgenutzt zu werden, sondern dass wir hinter unserer Forderung stehen, was da auch kommen möge. Das ist leichter gesagt als getan, aus eigener Erfahrung kann ich da beipflichten, aber auch sehr lohnend.

 

 

 

Whenever I suggest somebody stressed-out might as well take it easy and drop this or that not-so-important job from their list that others can do as well, I usually hear phrases like those:

 

But I can't to that to X!“

 

Oh really? Is this person going to drop dead right away, will the Earth stop spinning around its axis this very moment?

Probably not. You see, this sentence is not one that people use when talking about literally vital jobs, such as nursing a sick relative, where it can indeed be tricky to find a good substitute for one's own work.

No, this usually comes up from somebody who is is heavily involved in the bowling club as well as the choir and who now considers becoming president of the poodle breeders' club, too.

Being a member: sure, go for it. But taking up every taxing job that nobody else wants? Nope, not essential.

Most people are quite well endowed with their hobbies and those well-known 24 hours in a day. Besides, there are 7 billion of us, so far we've always found someone to fill in...

 

When we tell others about such a, really rather small decision, it becomes quite obvious what kind of person we are dealing with. In almost every case all you hear is a simple „Oh, what a pity...well, you can't help it.“ This is no longer our business, we've got a much-needed breather - yay!

 

Things are more tricky, though, if you're dealing with a drama queen (or king). You know, those that will follow up on your declaration with major tantrums. Starting with incredulous looks, they'll fire away lofty cries like „Oh no! You are trying to kill me!“, followed by reproaches so strange you couldn't dream them up and if at that point we dare to still not buckle ...well the drama queen or king will get the big cannons out, acting like they are the „poor victim“, complete with sniffing, big puppy eyes, crocodile tears and wild cock-and-bull-stories about how mankind has always been so mean/selfish/back-stabbing to them and how they thought that we were one of the laudable exceptions...

Remaining firm amidst such a fuss – this requires a bit of previous training and knowing that such a person will immediately go out hunting for another „slave“ if we decline. One less worry for us.

No fear, this may sound a bit nasty and cold-hearted, but such a drama queen (technically speaking, psychologists refer to people who use their fellow humans like a tool as narcissists) does not see you as a living being with needs or emotions, but simply as a means to an end. Pushing people's buttons and manipulating them in order to achieve what they want (now that's truly mean!) is something very common for a drama queen.

In this situation it is very helpful to think of one or two phrases ahead of time that you can use to counter such attacks calmly, but firmly. Try and practice with a good friend or even the mirror. If everything else fails, a plain No will do. Just be patient and – if you can manage – look the other one in the face for this tells them that you are not waiting to be abused but that you won't budge, come hell or high water. That is easier said than done, I can tell you from my own experience – but it's oh so rewarding!

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein nur leicht satirischer Überblick, Teil 3

8. Erst eine verheiratete Frau mit Kind ist eine RICHTIGE Frau.

- oder -

9. Eine alleinstehende, berufstätige und kinderlose Frau, das geht ja gar nicht!

- oft auch eingebaut in der Frage:

10. Wo bleibt denn der Nachwuchs!?!

 

Den besten, oder nach Ansicht der betroffenen Frauen eher den schlimmsten Teil, heben wir uns für den heutigen Artikel auf. Es sind drei Mythen, die aber alle um dasselbe Kernthema kreisen - die Sache mit der Fortpflanzung.

Während es mittlerweile relativ akzeptiert ist, dass nicht jede Frau den Bilderbuch-Lebensentwurf aus den 50ern mag (Mann, 2 Kinder, Haus und weißer Gartenzaun), sondern dass Kinder eben auch ohne Trauschein kommen und dennoch prächtig gedeihen können...so wird es ausgesprochen schwierig, wenn man sich nicht nur den "geordneten Verhältnissen", siehe oben, sondern gleich der Fortpflanzung komplett verweigert. So manche - eigentlich liberalen - Familien fangen ab einem gewissen Alter an, bewußt oder unbewußt auf die nächste Generation zu hoffen. Zu bibbern. ZU DRÄNGEN. Bisweilen artet das fast schon in Bestechungsversuche aus, doch auch wenn sich so eine Situation für Außenstehende möglicherweise amüsant liest - für all diejenigen, die mitten in der "Ich will aber keine Kinder, grundsätzlich nicht!"- Kontroverse stecken, ist es längst nicht so unterhaltsam.

Doch es bleibt die Frage: woher kommt dieser Mythos und warum ist er so penetrant?

 

Die Herkunft ist, mit Blick auf die Menschheitsgeschichte, recht schnell geklärt: Wo keine Kinder, da keine Zukunft. In der Zeit der Frühmenschen waren wir aber auch noch viel weniger. Nichts von Überbevölkerung zu spüren. Sobald man Kinder hatte, war man locker zwei Jahrzehnte damit beschäftigt, sie zu füttern, gesund zu halten und mit viel Glück hatte man hinterher einen oder mehrere Erwachsene zustande gebracht. Wenn man zu dem Zeitpunkt dann noch etwas Lebenszeit übrig hatte - das war lange Zeit nicht selbstverständlich! - , erlebte man bald, wie sich die eigenen Gene wiederum in den Enkeln erhielten. Mehr Menschen, mehr Arbeitskräfte, bessere Überlebenschancen.

Kinder = Leben. Aha! Das erklärt die Sehnsucht der meisten Leute nach Kindern, und deren Kindern.

 

Mittlerweile allerdings ist es zum Überleben längst nicht mehr nötig, Kinder zu haben, sich "fest zu binden" .Auch die Ehe war immerhin bis vor wenigen Jahrzehnten eine Art Vertrag zum beidseitigen Nutzen, mehr als Sympathie oder Kooperationsbereitschaft waren nicht zwingend erforderlich!

Doch was sind ein paar Jahrzehnte im Vergleich zu vielen Jahrtausenden? Recht wenig, um es einmal verhalten auszudrücken! Noch dazu verdienen heute auch viele Menschen ihr Brot damit, den Kinderwunsch anderer Leute zu erfüllen - man denke an die gigantischen Industrien der Partnervermittlung, künstliche Befruchtung,Geburtsvorbereitung und Kindererziehung! Keine Kinder zu wollen bedeutet für diese Geschäftsmodelle, dass ihnen schlicht die Kundschaft ausgeht. Ganz zu schweigen davon, dass die kommende Kundschaft ja auch wegfällt, weil nie gezeugt. Doch letzten Endes sorgt es nur für Konflikte in der Familie, wenn jemand sich nicht fortpflanzen will und der Rest der Familie sie oder ihn in der Bringschuld sieht.

Einstweilen kann es der ein oder anderen Frau helfen, die eigenen Werte und Grenzen möglichst gut zu kennen und notfalls darauf hinzuweisen, dass jemand anderes gerade im Begriff ist, sie zu überschreiten?! Leichter gesagt als getan, ich weiß.

 

Aus diesem Grund befasse ich mich in der nächsten Artikelserie einmal genauer mit diesen ominösen Werten, wo sind unsere individuellen Grenzen und wie schaffen wir es, dass sie einfach mal respektiert werden? Ein spannendes Thema wartet auf euch!!

Was erlaubt die sich denn!?! - Ein Zwischenruf

 

So manch einer fragt sich nach den vorhergehenden Artikeln nun: Wer ist diese Frau und vor allem, wieso lehnt sie sich mit ihren Texten so aus dem Fenster!?!

Ich stelle dann mal mich und meinen Werdegang vor, wie es kam, dass ich hier öfter den Mund aufmache.

 

Wie so viele von uns Menschen war auch ich eines dieser Kinder, die Erwachsene lieben, weil sie so unheimlich BRAV sind. Aus heutiger Sicht würde ich natürlich sagen, viel ZU brav, aber mangels Vergleichsmöglichkeiten war mir diese Tatsache halt noch nicht bewusst. Stattdessen machte ich, was die Erwachsenen wollten, lächelte, ob ich nun wollte oder nicht ...UND HIELT DEN MUND.

 

Egal, was passierte.

 

Ob große oder kleine Ungerechtigkeiten geschahen, Hass oder Gewalt meinen Weg kreuzten, ob unglückliche Menschen nach Liebe oder zumindest Aufmerksamkeit regelrecht schrien...Ich hielt den Mund, denn ein braves Mädchen bereitet ja niemandem Unannehmlichkeiten, nicht wahr?

 

Das erwies sich über die Jahre hinweg als Fehlgriff, doch leider saß diese Sache namens „gute Erziehung“ ausgesprochen fest in meinem Hirn und bremste jeden Versuch, mal – wörtlich oder nur metaphorisch – mit der Faust auf den Tisch zu hauen und Klartext zu reden.

 

Es brauchte viele, viele Krisen, darunter eine zu pflegende Schwiegermutter mit Schlaganfall und Alzheimer, Ehekrise und so schwere Depressionen, dass ich nicht mehr leben wollte...bis ich endlich begriff, dass ich mein Leben so leben musste, wie es MIR gefiel. Dass ich die Stimmen und Andeutungen aus Umfeld, Werbung, Fernsehen usw., die mir zu verstehen gaben, dass ich falsch, nicht akzeptiert sei, wenn ich nicht so handeln würde, wie sie es mir vorschrieben, dass ich diese Stimmen - teilweise komplett - ignorieren musste.

Die Variante, in der ich anderen alles recht machte, nun ja, die hatte sich als untauglich erwiesen, denn sie führte mich geradewegs in das Land des Un-GLÜCK-lichseins.

 

Natürlich war dieser neue Weg nicht ohne Hindernisse. Es brauchte so einiges an Unterstützung von erfahrenen therapeutischen Menschen (ein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle!!) und allmählich wuchs das kleine Pflänzchen namens Selbstvertrauen. Nachdem ich mich jahre- und jahrzehntelang als „schüchtern“, „Mauerblümchen“, „uninteressant“ und vieles anderes definiert hatte, war ich dann vor einigen Jahren sehr erstaunt, als mir jemand entgegnete, das stimme nicht, ich sei doch ganz und gar nicht schüchtern! Es klappte offenbar!

Im Laufe dieses Wandels merkte ich auch, dass die befürchtete Ablehnung, Gegenwind, „Ärger“ in jeglicher Form...dass die meistens gar nicht kamen, wenn ich meine eigene Meinung zu einem Thema äußerte. Vorausgesetzt natürlich, es war nicht einfach nachgeplappert, sondern durchdacht.

 

Aus diesem Grund beschloss ich dann, nicht nur Heilpraktikerin zu werden und nach einiger Zeit auch eine Praxis zu eröffnen, sondern nun auch einen Blog, in dem ich versuche, mit verbreiteten Mythen, Fehleinschätzungen und anderen Störfaktoren aufzuräumen. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen von euch etwas Trost, Unterstützung, vielleicht sogar ein kleines Aha-Erlebnis. Manches davon stand mir selbst mal im Weg – oder tut es hin und wieder noch - , anderes kommt mir in Gesprächen bis-weilen zu Ohren.

Nicht immer wird es offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen zu lesen, das habe ich in all diesen Jahren gelernt. Nachzuhaken, vor allem nachzuhaken, wenn jemand etwas kritiklos akzeptieren will.

Mit viel Verständnis und Liebe meine Mitmenschen zu betrachten und, wenn einer davon Hilfe sucht, meine Hand auszustrecken. Wer sie nehmen möchte, den begleite ich gerne ein Stück weit auf seiner Reise zum Glück.

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein (nur leicht) satirischer Überblick  Teil 2

 

4. Du bist im Beruf stets allen Anforderungen gewachsen und wirst deshalb gerecht behandelt und bezahlt

 

Zu diesem Thema sind schon viele Zeilen geschrieben worden, ein paar Stichworte gefällig?

Machtgefälle, Pay gap, Konkurrenzdenken, Machismo und und und.

 

In einer idealen Welt hätten Frauen und Männer tatsächlich gleiche Chancen auf eine Stelle, auf

gerechte Bezahlung, auf den bisherigen Job nach einer Elternzeit, auf eine Beförderung...

In der Realität aber stellen Menschen gerne Menschen ein, die ihnen selbst ähneln. Da die meisten Personalchefs auch heute noch männlich sind...wird es meist ein Mann. Mittlerweile gibt es ja Gottseidank Frauenquoten, aber auch dann bleibt das Geschmäckle, ob man es ohne Quote auch geschafft hätte und gut genug ist. Wenn dann die männlichen Kollegen erschrocken merken, dass es Konkurrenz in ihrem Revier gibt, womöglich noch besser qualifiziert...ja, dann kommt oftmals das Monster in ihnen zum Vorschein. Die wenigsten Menschen können es neidlos ertragen, dass jemand besser ist als sie selbst, erst recht, wenn es das vermeintlich schwache Geschlecht ist, und man sich selbst bislang erfolgreich als Mann und daher automatisch Platzhirsch definierte. Das nun folgende Machtgerangel, inklusive Mobbing oder die oben erwähnten Belästigung hat meistens Erfolg damit, die unerwünschte Kollegin loszuwerden. Tja und erfolgreiche Methoden werden dann öfters angewandt...

 

Nein, liebe Männer, ich weiß schon, dass ihr nicht alle so tickt und dass viele von euch ziemlich

nett und fair mit den Kolleginnen umgehen könnt, das ist mir klar. Aber leider sitzen an der

Spitze unserer Gesellschaft und unserer Firmen letzten Endes dann doch wieder die „erfolg-

reichen Verdränger“, weil so ein Ellenbogenverhalten sehr effektiv ist und von anderen meist

ganz richtig als Dominanzverhalten interpretiert wird. Es fehlt uns „braven“ Leuten schlicht an

Aggression. Dabei hat sich die Natur aber durchaus etwas gedacht. Kennt noch jemand den

Spruch „Auge um Auge und die ganze Welt wird blind“? Genau, es hilft nämlich, sanft zu sein. Aber bitte zur rechten Zeit auch mal die Krallen ausfahren, denn sonst werden wir überrannt von den Aggressiven.

 

5. Du weißt stets, was deinem Kind fehlt und wie du darauf zu reagieren hast

 

Es wäre sehr schön, wenn das jeder Mutter so ginge. Die Natur hat uns für so wichtige Dinge

wie die Fortpflanzung und die Aufzucht der Jungen ja durchaus einen gewissen Instinkt mit-

gegeben. Dummerweise aber macht sich die Menschheit seit Jahrhunderten daran, uns diesen

Instinkt abzutrainieren, in den meisten Fällen mit Erfolg. Anders sind die brillanten Verkaufszahlen der Myriaden an Ratgeberbüchern nicht zu erklären. Wenn man von einem Kind logisches Erwachsenenverhalten erwartet, ist die Mission Kind verstehen fast schon zum Scheitern verurteilt. Dazu noch ein paar mehr oder minder schlechte Erfahrungen in der eigenen Kindheit und der Cocktail der künstlich erzeugten Hilflosigkeit ist fertig.

Mit einer Mischung aus Vertrauen in die eigenen Instinkte sowie einem guten Schuss gesundem Menschenverstand kommt man in aller Regel weiter. Da heutzutage die liebevolle Großfamilie mit erfahrenen Müttern, Tanten, Omas zur Seltenheit geworden ist und auch Freundinnen einer frischgebackenen Mutter nicht immer mit sinnvollen Ratschlägen zur Seite stehen können oder wollen...tja, da hilft wohl nur die Sache mit dem Beobachten und viel Gelassenheit. Wie ich als kinderlose Frau im übrigen dazu komme, mich über die Tätigkeit einer Mutter auszulassen, so ganz ohne eigenen Nachwuchs, also folgerichtig ohne Erfahrung? Das berührt jetzt Klischee Nummer 8 und 9, gleich mehr dazu;-)

 

6. Sobald du deinen Ehemann siehst, wirst du zur sinnlichen Göttin im Bett

 

An diesem Klischee stören mich gleich mehrere Dinge.

Zum einen wird automatisch davon ausgegangen, dass nur ein EHEmann zur wirklichen

sexuellen Erfüllung imstande sei. Wer schon mal geheiratet hat, weiß aber, dass mit dem berühmten „Ich will“ nicht sofort alle Erfahrungen und Fähigkeiten auf Optimalmaß wachsen.

Eine weniger verbindliche Beziehung kann genauso gut oder schlecht für das Liebesleben sein, das kann man nicht am Trauschein festmachen.

 

Zum zweiten klingt hier durch, dass man bei Frauen ja nur auf den richtigen Knopf drücken müsse, damit sie ungeahnte Lüste empfinden kann. Die allermeisten Frauen können das erstens selbst ganz gut und zweitens lässt der Satz die Tatsache außer Acht, dass Lust eine Sache des Entspannens, der lockeren Stimmung ist. Sicher, man könnte jetzt Aphrodisiaka, ein bisschen Alkohol ins Spiel bringen. Doch das geht schon wieder gegen die Sache mit der Einvernehmlichkeit. Wenn Frau nicht will, dann will sie nicht. Überall in der Natur sieht man dieses Prinzip – Weibchen wählt, Männchen fügt sich – oder sollte es zumindest tun. Es gibt tausend Gründe, warum eine Frau jetzt gerade keinen Sex will, ob es am Partner, dem schlafenden Baby, ihrem eigenen Körper, Schlafmangel, Ärger auf der Arbeit oder sonst etwas liegt. Meistens macht irgendetwas ihr Druck (im Sinne von Bedrohung) und das ist der Lust definitiv abträglich. Auch dazu später mehr.

Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass manch eine Frau nur aus Gründen der Einsamkeit, der finanziellen Sicherheit oder auf Druck des Umfeldes (siehe Klischee 8/9) eine feste, eventuell amtlich anerkannte Beziehung eingeht, dass man ihr vielleicht so viele Komplexe und seelische Baustellen eingeredet hat, dass sie sich und ihrem Körper, ihrem eigenen Instinkt gar nicht mehr vertrauen kann...ja, dann sind wir wieder bei dem infernalischen Cocktail aus Angst und Hilflosigkeit. Man macht halt, was scheinbar alle anderen machen – nur redet kaum jemand davon, dass die anderen genauso wenig verstehen und sich ebenfalls am vermeintlichen Rudelverhalten orientieren. Da hat die Menschheit noch eine ganze Menge Aufarbeitung in Sachen sexuelle Schuldgefühle vor sich. Fangen wir erst mal bei uns selbst an;-)

 

7. Durch die Lektüre verschiedenster Zeitschriften bist du stets auf dem Laufenden in Sachen Mode, aber auch Klatsch und Tratsch, man muss ja mitreden können.

 

Auch hier haben wir so einige Kritikpunkte.

Eine Frau wird in so ziemlich jeder entsprechende Zeitschrift mehr oder minder stark als fehlerbehaftet dargestellt. Warum? Im Marketing spricht man gerne davon, dass man als Unternehmer mit seinem Produkt die Bedürfnisse des Kunden erfüllen sollte. Was ist aber, wenn der Kunde gar kein Bedürfnis danach hat? Nun, dann kann man ihn entweder dezent darauf hinweisen oder mit seinen unterschwelligen Ängsten spielen, sie vielleicht noch stärker machen...damit er das Produkt aus Angst doch kauft. Ein Schelm, der dabei Böses denkt.

Lest mal unter diesem Aspekt die typischen Werbeanzeigen für Produkte, die auf Frauen abgestimmt sind – egal was. Nehmen wir die Kosmetik beispielsweise.

Keine Ahnung, wie es euch geht, aber ich persönlich kenne keine einzige Frau, die auf dekorative Kosmetik alias Schminke freiwillig komplett verzichtet, inklusive Hautpflege, Gesichtswässerchen, Wimpern färben, Beine enthaaren... Warum nicht? Aus Angst, als Schlampe, ungepflegt oder sonst wie unangenehm zu gelten. Dass ungefähr 99,9% der Männer den Unterschied zwischen geschminkt und ungeschminkt gar nicht bemerken oder sich daran nicht stören...sinnloser Einwand! Das „Rudel“ der Menschheit könnte einen ja eventuell, möglicherweise,...verstoßen.

Hier treffen sich anerzogene Mythen und die tatsächliche evolutionäre Realität (nämlich, dass man als einzelner Mensch in freier Wildbahn von jeher nur sehr schlecht überlebt und daher den Verband der Gruppe ( Rudel, Horde...) sucht und sich notgedrungen dessen Vorschriften anpassen muss. Ein gefundenes Fressen für die Hersteller der Kosmetik, im Extremfall auch für psychologisch geschulte Profis, die der völlig verunsicherten Frau dann irgendwann ein wenig Vertrauen in sich selbst verschaffen sollen. Fragt sich noch jemand, warum eine von anerzogenen Ängsten und sozialen Zwängen befreite Frau hierzulande so selten ist? Genau, weil es sich für eine Menge Leute dann nicht rechnet. Behalten wir nun noch im Hinterkopf, dass unser kollektives Gedächtnis dieses halbe Jahrtausend an Hexenverfolgung zu bieten hat, bei der aus Neid und Missgunst sehr schnell ein Todesurteil wurde...tja, dann wundert einen so schnell nichts mehr. Auch dazu noch mehr in den kommenden Artikeln;-)

 

Die Stimmen im Kopf - warum wir tun, was wir gar nicht wollen; Teil 2

Jungfer im Grünen (Nigella sativa)
Jungfer im Grünen ( Nigella sativa) (c) Maria Aldinger

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

 

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

 

 

 

Ich kann mir keine Pause gönnen, ich leiste doch sowieso zu wenig!“

 

 

 

Ein ein besonders hinterhältiger Satz ist das, denn in unserer auf Leistung und Perfektion getrimmten Gesellschaft wird uns kaum jemand unterstützen, an solch einem Irrglauben zu zweifeln.

 

„Überall schreit es mir entgegen, du mußt mehr leisten, perfekter als perfekt soll man ohnehin schon sein. Wenn ich diesen extremen Standards aus den Medien schon nicht entspreche, dann sollte ich wenigstens die Pausen dazu nutzen, meinen Rückstand zu verringern.“

 

 

 

Das Dumme an solch fehlerhafter Logik ist, dass man uns einreden will, es gebe Perfektion und pausenlose Leistung ja sehr wohl, wie gesehen bei Promi X, Manager Y oder Sportler Z, wir müssten uns halt „anpassen“.

 

Mit der Anpassung ist dann gemeint, dass wir uns aufputschen sollen, ob nun mit Kaffee und Cola oder gleich mit illegalen Drogen und Medikamenten.

 

Anfangs klappt das auch noch, nur frißt die nicht genommene Auszeit im Hintergrund weiter an unserer Leistung.

 

Kennt noch jemand den Memory-Effekt der Akkus aus den 90ern? Wenn man die nicht vollständig entlud, konnte man sie nicht mehr vollständig aufladen und dieser Effekt häufte sich im Laufe der Zeit.

 

So ähnlich ist es hier auch, nur umgekehrt – wir müssen vollständig „aufladen“, um unsere ganze Leistung abrufen zu können.

 

 

 

Die Anforderungen, die an uns heutzutage von der öffentlichen Meinung gestellt werden, kann man ohne Helfer (seien sie nun menschlicher oder chemischer Natur) gar nicht erfüllen.

 

Noch mal im Klartext, weil es so elementar wichtig ist:

 

 

 

DIESES RENNEN KANN MAN GAR NICHT GEWINNEN!

 

 

 

Es ist wie im Hochleistungssport, etwa bei der Tour de France: Wer hier gewinnt, hat vorher geschummelt, und zwar massiv. Anders geht es einfach nicht.

 

Aber während man als durchschnittlicher Bürger noch sagen kann, ok ich muss nicht bei der Tour de France mitfahren...legen erschreckend viele Menschen im Alltag ähnlich hohe Messlatten an sich selbst an.

 

Sicher, es gibt diese Wesen, die scheinbar alles können, die perfekt, makellos, stress- und faltenfrei alles so hinbekommen, wie „man“ es sollte.

 

Aber ein echter, glücklicher Mensch und ein echtes, erfülltes Leben sieht anders aus – gucken wir doch mal hinter die Fassade der Hochglanzleute: da häufen sich Alkohol- und andere Süchte, seelische Erkrankungen von Burnout bis Selbstmordversuchen, es wird mit Essstörungen oder Fitnesswahn versucht, diesem unerreichbaren Ziel doch noch nahezukommen. Wer besonderes Pech hat, den verfolgt das schlechte Gewissen irgendwann in Form von Halluzinationen und Wahnvorstellungen...

 

 

 

Wollen wir das haben? Wohl eher nicht...

 

Aber wie wird man diesen penetranten Gedanken des Immer-Höher-Schneller-Weiters los?

 

Ich erlaube mir an dieser Stelle, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern...

 

So richtig ging das mit der Überforderung in meinem Leben wohl um 2006, 2007 los – meine Schwiegermutter bekam in jener Zeit nicht nur einen Schlaganfall, sondern auch die Diagnose Alzheimer.

 

Juhu, wir hatten den Jackpot geknackt!

 

Scherz beiseite: Sie rund um die Uhr zu pflegen, war ein Vollzeitjob, und zwar für ein ganzes Team – was wir leider nicht hatten... Wenn man aber ohnehin schon den Gedanken „Ich bin nicht gut genug und muss mir Anerkennung und Erholung hart erarbeiten“ im Gehirn verankert hat – ja, dann ackert man ohne Pause, muss sich von Außenstehenden Vorwürfe zur nicht perfekten Haushaltsführung anhören, man schläft vor dauernder Arbeit und Sorgen nur noch wenig und schlecht, gerät ständig mit dem (ebenfalls völlig überforderten und erschöpften) Mann aneinander.

 

Irgendwann zog mein Körper die Notbremse – in Form von heftigen Depressionen, die mich nicht mehr aus dem Bett kommen ließen („Du schaffst es ohnehin nicht, es ist völlig sinnlos, auch nur aufzustehen!“) und ich begann plötzlich, einen scheinbaren Ausweg aus dem Dilemma zu sehen.

 

 

 

Da ich ja offensichtlich das schwächste Glied in der Kette war, würde alles grundlegend besser werden, wenn ich nicht mehr da wäre – fortan munterten mich Gedanken darüber auf, an welchem Alleebaum ich mein Auto zerschellen lassen könnte, oder mit wievielen Schlaftabletten ich dieses Drama beenden könnte.

 

Es dauerte einige Tage, bis mein Verstand begriff, auf welch dünnem Eis ich da herumschlitterte – also ab zum Arzt und in Therapie!

 

Wie jede grundlegende Heilung brauchte auch diese eine ganze Weile,doch irgendwann begann sich, der fürchterliche Schleier von meiner Seele zu lüften und mir wurde klar, dass ich und mein Leben völlig in Ordnung waren. Dass es völlig in Ordnung war, nicht alle Aufgaben dieser Welt an einem Tag oder in einer Woche erledigen zu können. Dass es völlig in Ordnung war, wie eine gesunde Frau auszusehen, und nicht wie ein verhungertes Model oder ein aufgepumpter Bodybuilder. Dass es völlig in Ordnung war, auch mal einen Tag Auszeit mit Schokolade oder Sahnetorte vorm Fernseher zu verbringen. Dass ich so vieles hatte, was anderen Menschen dringend fehlte – ein Dach überm Kopf, einen wunderbaren Mann, der das ganze Theater mit mir durchstand, genug Essen und Kleidung, Bildung und einen gesunden Körper, der an jedem Morgen immer wieder aufs Neue erwachte.

 

 

 

Das reicht vollkommen für ein erfülltes und glückliches Leben!

 

 

 

Alles andere – Jetset-Reisen in jeden Promitreff der Erde, Millionen auf dem Konto, mehr Schmuck als man jemals tragen kann, Hunderte und Tausende Menschen, die einem nachrennen, weil man sie erst verängstigt und dann zum Kaufen aufhetzt, und und und...all das brauche ich nicht. Niemand braucht das.

 

Ok, ich sollte vielleicht ergänzen – niemand mit einer gesunden Seele braucht das.

 

Wer unglücklich durchs Leben geht, findet es vielleicht verlockend, die (scheinbare)Patentlösung von jemand anderem zu kaufen, doch das bringt nur dem Verkäufer etwas; die glücklichen Menschen um sich herum mit Neid und üblem Gerede auf das eigene elende Niveau runterzuziehen - auch das bringt einfach nichts.

 

Seien wir lieber dankbar, für all das, was wir hierzulande haben!

 

Auch dafür, dass es ein brauchbares soziales Netz gibt, in dem die Löcher nicht allzu groß sind.

 

Mir half es in jenen düsteren Zeiten ungemein, die Erwartungen auf ein vernünftiges Maß zurechtzustutzen – MEIN Maß. Das, was ich schaffen kann, ist gut genug.

 

 

 

Etwas konkreter half es mir, mich von der Flut an Medien und Werbung ein Stück weit abzukoppeln.

 

Die (ohnehin ungelesene) Tageszeitung abzubestellen. Fernsehen nur noch auf Abruf und ohne nennenswerte Mengen an penetranter Werbung. Handy und Internet sind heutzutage zwar allgegenwärtig, aber dennoch kann man sehr genau filtern, was man an sich ranläßt und was nicht.

 

„Kein Bildschirm vor 12“ ist zum Beispiel ein Motto, das mir hilft, ein gewisses Pensum im Laufe des Vormittags zu erledigen. Bis 12 Uhr keine Emails zu checken, Facebook zu durchstöbern, kein sinnloses Hintergrundgerausche vom Fernseher zu haben – das klingt vielleicht hart, doch die wirklich wichtigen Nachrichten und Neuigkeiten können meistens ein bisschen warten.

 

Im Anschluss sehe ich dann nach, was sich so in der Welt getan hat, aber das Gros meiner Aufgaben ist nun schon erledigt und ich kann die Pause mit Unterhaltungseinlage auch wirklich genießen, statt mich innerlich als träge und faul zu beschimpfen.

 

 

 

 

 

I can't afford to have a break – I'm doing too little anyway!“

 

 

 

This is a particularly nasty phrase for in our society so tuned into performance, achievement and perfection, hardly anybody will stop us from clinging to such a false belief.

 

I hear everywhere how I should do more, be perfect on top and if I can't keep up with those standards, at least I should try and catch up instead of taking breaks.“

 

 

 

The problem with such faulty logic is that some people are trying to tell us that, indeed, perfection is possible, just take a look at celebrity X, CEO Y or athlete Z; you'll simply have to adapt.

 

By adapting they mean using uppers of all kind, whether it's coffee and cola or straightforward doing drugs and medications. In the beginning, this might even work – except the time-out you didn't take keeps on eating away at your available energy.

 

Anyone remember the memory effect with batteries in the 90s? If you didn't fully dis-charge them, you couldn't fully charge them afterwards and the effect grew bigger over time.

 

In humans this works just the other way around – if we don't fully charge our batteries by resting, we can no longer tap into our full potential.

 

 

 

There is no way to fullfill the requests that today's society makes without helpers of some kind – be they human or chemical.

 

Let me point this out once more for it is important:

 

 

 

YOU CANNOT WIN THAT RACE!

 

 

 

The situation is similar to that of high-performing athletes, say those at the Tour de France – if you do manage to win, it's because you've cheated a lot before. There is simply no other way to win.

 

 

 

But while the average person might say, well, I needn't compete in the Tour de France – a lot of people do raise the bar for themselves just as high. Yes, there are those beings who seemingly can do anything, who manage to look fat-free, wrinkle-free, stress-free at whatever they need to do in their lives.

 

This is not what a real human, a real, happy life looks like – just take a peek behind the curtains of such glossy people: Alcohol and other addictions pile up high, psychological diseases ranging from burnout syndrome to suicide attempts rule, eating disorders and workout mania are used to maybe reach that unreachable goal after all. If your luck is particularly bad, the guilt feelings might haunt you in the shape of hallucinations or delusions.

 

 

 

Is this what we want? Most probably not...

 

But how can we get rid of that persistant thought of higher-farther-faster?

 

Let me tell you an inside story on this one:

 

It was back in 2006 or 2007 when overwhelm kicked into high gear in my life – my mother-in-law had been diagnosed with a stroke and Alzheimer's.

 

Yippie, jackpot!

 

Joking aside – nursing her around the clock was a fulltime job for an entire team...which we did not have. If you have that belief of „I'm not good enough and therefore must earn my rest and approval“ inside you from the beginning, though -well, you'll double down and work like a horse, outsiders will take the liberty of telling you how your housekeeping sucks, with all that work and worry you can't get a full night's sleep and to make matters worse you'll constantly get into fights with your (equally overwhelmed and exhausted) husband.

 

 

 

At this point my body pulled hard on the emergency brakes and gave me major depression that kept me from getting up in the first place („It's useless, you're not able to achieve anything, might as well call it quits“) and I suddenly started seeing an exit from this horror.

 

If I was the obvious weakest link in the chain, things would get fundamentally better as soon as I wasn't around anymore – thoughts about where I might crash the car or how many sleeping pills would take me out of that drama cheered me up for a while.

 

It took a couple of days before common sense told me that I was skidding on very thin ice, indeed – so off to the doctor and therapist it was!

 

Like any in-depth healing, this one took a while, but then the terrible veil started to lift off my soul and I could see clearly that me and my life were perfectly ok. That it was perfectly ok to not be able to do all the work in this world in a day or even an entire week. That it was perfectly ok to look like a healthy woman and not like some starved model or a pumped-up bodybuilder. That it was perfectly ok to spend your day off with chocolate or a cake watching TV. That I had so many things that other people needed badly – a roof over my head, a wonderful husband who weathered all of that storm with me, enough food and clothes, education and a healthy body that kept waking up every single morning.

 

 

 

This is perfectly enough for a happy and fulfilled life!

 

 

 

Everything else – trips to every celebrity club in the world, millions on your bank account, more jewellery than you can ever wear, hundreds or even thousands of people following you because you first scare them so they'll buy your new product, ...I don't need that. Nobody really needs that.

 

Well, I should add - nobody with a healthy soul needs that.

 

If you're unhappy, you might find it tempting to go out and buy that guaranteed-solution-gadget in the hopes that this may help – but it only helps the seller.You might find it tempting to drag happy people around you down to your own miserable level by means of envy or nagging, but also that just won't help.

 

Let's rather be grateful for all the things we have!

 

Including a decent social net with holes not too big in it.

 

In those dark times it helped me immensely to cut back my expectations down to a reasonable dimension – MY dimensions. What I can manage is good enough.

 

On a more practical level it helped me to cut myself off from a lot of that media flooding my life. Cancelling the daily paper (which we didn't read in the first place). Watching Tv only on demand and without loads of pesky ads. Mobile phones and the internet may be present in every corner of our lives these days and yet you can filter quite well what you want and what is just a waste of time and energy. To give you an example, „no screen before 12“ is a motto that helps me getting a lot more done without interruptions everywhere. Until 12 – checking no emails, not a glimpse at Facebook, no senseless background white noise from the TV – this may sound hard, but the really important news won't go away and they'll wait for you on your return.

 

Afterwards I'll take a look at what has happened and then I can truly enjoy my entertainment break instead of beating myself up about not doing anything.

 

Die Stimmen im Kopf - warum wir tun, was wir gar nicht wollen (TEil 1)

Berberitze mit Früchten
Berberitze mit Früchten (c) Maria Aldinger

 

 

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Wenn ich jemandem mit viel Stress vorschlage, bei der ein oder anderen nicht soo wichtigen Aufgabe doch mal etwas kürzer zu treten und ruhig auch die lieben Mitmenschen einzubinden, dann fallen häufig Sätze wie diese:

 

Das kann ich X doch nicht antun!“

 

Ach wirklich? Fällt dann dieser Mensch auf der Stelle tot um oder hört die Erde augenblicklich auf, sich zu drehen? Vermutlich eher nicht. Den Satz höre ich nämlich nicht bei buchstäblich lebenswichtigen Aufgaben – zum Beispiel einen Angehörigen pflegen, da kann es ja tatsächlich schwierig sein, von jetzt auf gleich einen Ersatz für die eigene Tätigkeit zu finden.

Eher, wenn es darum geht, dass jemand nach dem Kegel- und dem Gesangsverein vielleicht nicht auch noch Vorsitzender des Pudelzüchterclubs werden muss. Mitglied sein, na klar. Aber überall bei den anstrengenden Posten „Hier!“ schreien? Nö, muss nicht sein. Die meisten Menschen sind mit ihren Hobbies und den bekannten 24 Stunden am Tag recht gut ausgelastet. Außerdem sind wir zu 7 Milliarden, da fand sich bis jetzt noch immer ein Nachfolger...

 

Wenn wir eine solche, doch eher kleine Entscheidung dem Anderen mitteilen, dann sieht man sehr schön, aus welchem Holz das Gegenüber geschnitzt ist.

In den allermeisten Fällen kommt dann nämlich bloß so etwas wie „Oh schade...naja, da kann man nichts machen“. Damit ist die Sache erledigt und wir sind ein belastendes Päckchen los. Juchu!

 

Schwieriger ist es bei den ...nennen wir sie mal vorsichtig „Dramatikern“. Das sind die, bei denen ein mehr oder minder direktes Nein für ganz großes Kino sorgt. Von ungläubigen Blicken über pathetische Ausrufe wie „Aber nein! Du willst mich umbringen!“, gefolgt von Vorwürfen, wie man sie seltsamer gar nicht erfinden könnte und wenn wir es dann wagen, immer noch nicht einzuknicken – tja, dann fahren die Dramatiker die großen Geschosse auf und machen einen auf „Armes Opfer“, komplett mit schniefen, Dackelblick, Krokodilstränen und frei erfundenen Räuberpistolen darüber, was die Menschheit doch schon immer so gemein/egoistisch/hinterhältig... zu ihnen gewesen sei und wie sie glaubten, wir seien eine löbliche Ausnahme...

 

Bei so einem Theater hart zu bleiben und auf dem Nein zu beharren – da gehört dann schon etwas Training dazu und vor allem das Wissen, dass ein solcher Mensch sich im Handumdrehen einen neuen „Sklaven“ sucht. Eine Sorge weniger für uns.

Das mag jetzt fies und hartherzig klingen, aber so ein Dramatiker (Die Psychologen sprechen hier etwas genauer von Narzissten, die ihre Mitmenschen ohne Sinn und Verstand als Werkzeug benutzen) sieht uns nicht als Mitgeschöpf mit Gefühlen, sondern als Mittel zum Zweck – seelische „Knöpfe“ drücken, um den anderen zu manipulieren (das ist viel eher gemein!), ist für ihn ein alltäglicher Vorgang, um ohne eigenes Zutun die Lorbeeren einzuheimsen.

Hier ist es sehr hilfreich, sich im Vorherein den einen oder anderen Satz zu überlegen, mit dem man solche Attacken ruhig, aber bestimmt abwehren kann. Vielleicht tut es für den Anfang eine gute Freundin oder auch der Spiegel als Partner;-) Notfalls tut es ein schlichtes Nein aber auch. Nur beharrlich muss man sein und – wenn es geht – dem anderen ins Gesicht zu sehen, ist auch sehr hilfreich, denn das sagt demjenigen, dass hier jemand nicht darauf wartet, ausgenutzt zu werden, sondern dass wir hinter unserer Forderung stehen, was da auch kommen möge. Das ist leichter gesagt als getan, aus eigener Erfahrung kann ich da beipflichten, aber auch sehr lohnend.

 

 

 

Whenever I suggest somebody stressed-out might as well take it easy and drop this or that not-so-important job from their list that others can do as well, I usually hear phrases like those:

 

But I can't to that to X!“

 

Oh really? Is this person going to drop dead right away, will the Earth stop spinning around its axis this very moment?

Probably not. You see, this sentence is not one that people use when talking about literally vital jobs, such as nursing a sick relative, where it can indeed be tricky to find a good substitute for one's own work.

No, this usually comes up from somebody who is is heavily involved in the bowling club as well as the choir and who now considers becoming president of the poodle breeders' club, too.

Being a member: sure, go for it. But taking up every taxing job that nobody else wants? Nope, not essential.

Most people are quite well endowed with their hobbies and those well-known 24 hours in a day. Besides, there are 7 billion of us, so far we've always found someone to fill in...

 

When we tell others about such a, really rather small decision, it becomes quite obvious what kind of person we are dealing with. In almost every case all you hear is a simple „Oh, what a pity...well, you can't help it.“ This is no longer our business, we've got a much-needed breather - yay!

 

Things are more tricky, though, if you're dealing with a drama queen (or king). You know, those that will follow up on your declaration with major tantrums. Starting with incredulous looks, they'll fire away lofty cries like „Oh no! You are trying to kill me!“, followed by reproaches so strange you couldn't dream them up and if at that point we dare to still not buckle ...well the drama queen or king will get the big cannons out, acting like they are the „poor victim“, complete with sniffing, big puppy eyes, crocodile tears and wild cock-and-bull-stories about how mankind has always been so mean/selfish/back-stabbing to them and how they thought that we were one of the laudable exceptions...

Remaining firm amidst such a fuss – this requires a bit of previous training and knowing that such a person will immediately go out hunting for another „slave“ if we decline. One less worry for us.

No fear, this may sound a bit nasty and cold-hearted, but such a drama queen (technically speaking, psychologists refer to people who use their fellow humans like a tool as narcissists) does not see you as a living being with needs or emotions, but simply as a means to an end. Pushing people's buttons and manipulating them in order to achieve what they want (now that's truly mean!) is something very common for a drama queen.

In this situation it is very helpful to think of one or two phrases ahead of time that you can use to counter such attacks calmly, but firmly. Try and practice with a good friend or even the mirror. If everything else fails, a plain No will do. Just be patient and – if you can manage – look the other one in the face for this tells them that you are not waiting to be abused but that you won't budge, come hell or high water. That is easier said than done, I can tell you from my own experience – but it's oh so rewarding!

Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst? Teil 3

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Neben den Triebfedern des Nett-sein-müssens und der (scheinbaren) Wertlosigkeit sehe ich oft eine weitere Form von Überforderung, die hinter der pflichtbewußten Maske noch andere Ursachen verbirgt.

 

Wenn ich es nicht mache, dann macht es ja keiner!“

 

Auf den ersten Blick kommen hier eindeutig Pflichtbewußtsein und ein gutes Stück Frust zusammen. Wir alle kennen solche Menschen, die stets die Drecksarbeit für andere miterledigen und das dann auch mehr oder weniger deutlich die Welt wissen lassen. Einerseits freut man sich, dass der Kelch an einem selbst vorbeiging und dass es Menschen mit einem so ausgeprägten Gefühl für Pflichten gibt. Vielleicht haben wir auch einen Anflug von schlechtem Gewissen, denn unsere Untätigkeit hat diesem armen Geschöpf ja weitere Arbeit aufgebürdet. Wir hätten das möglicherweise auch selbst machen können.

Doch gleichzeitig schwingt da auch eine Mischung aus Vorwurf und Stolz mit. „Könnt ihr euren Kram nicht mal selbst erledigen!?“ trifft auf „Guck mal, wie wichtig ich bin, ohne mich bricht hier alles zusammen!“

Wer schon mal versucht hat, die lieben Mitmenschen über solche Vorwürfe zur Arbeit zu motivieren, weiß, wie sinnlos im Grunde schon der bloße Denkansatz ist. Durch Genörgel bekomme ich niemanden dazu, dass er anpackt. Dennoch wird es tagtäglich viele tausend Mal so gemacht.

Warum eigentlich? Geht das nicht besser und vor allem effektiver? Was steckt hinter diesem Verhalten?

Drehen wir die Sache doch mal um – sagen wir, der Chef gibt uns einen Arbeitsauftrag. Wenn er gut in seinem Job ist und etwas über Mitarbeiterführung gelernt hat, wird er das ungefähr so formulieren: „Frau Meier, bitte kümmern Sie sich um Aufgabe X. Es muss bis Y fertig sein.“

 

Eine klare Ansage: Was ist zu tun? Wer soll es tun und bis wann?

 

Davon findet sich im vorwurfsvollen „...sonst macht es ja keiner“ nicht die Spur. So ziemlich jeder von uns kennt das Spielchen aus der Kindheit, gerne gesehen beim Zimmer aufräumen – man musste einfach nur jedes Mal Mutters schlechte Laune einen Moment lang aushalten und vielleicht was nuscheln von „Ja ja, gleich“. Schwups, war die Sache für einen erledigt und man musste sich nicht darum kümmern.

 

Woher dieses Verhalten eigentlich kommt? Ich würde sagen, es stecken verschiedene (falsche) Annahmen dahinter.

Zum einen geht die Fragestellerin (dieses Phänomen ist mir zumindest bislang überwiegend bei Frauen begegnet) davon aus, dass ihr Kind/Mann/... exakt erraten kann, wie und wann sie die Aufgabe erledigt haben möchte.

Genaue Details, vielleicht auch einzelne Unterpunkte („Mach zuerst dein Bett und dann räum bitte die Kleidung in den Schrank und zwar bis zum Abendessen“) fehlen komplett.

Zum anderen ist sie - unbewußt - der Ansicht, dass es zu ihrer Rolle als Frau gehört, sich um den kompletten Haushalt (oder was immer das zu erledigende Projekt ist) ALLEIN zu kümmern. Die 50er mit ihrem völlig unrealistischen Bild der Super-Hausfrau lassen grüßen.

Daher verzichtet sie darauf, die Mitbewohner schon bei der Planung einzubinden und die Aufgaben entsprechend zu verteilen. Resultat: Außer ihr kennt niemand das große Ganze mit seinen unsichtbaren Details. Zum einen macht sie das in der Tat unverzichtbar, allerdings bleiben die anderen außen vor und ahnen oft nicht einmal, was so alles hinter den Kulissen passieren muss, damit Hotel Mama stets warmes Essen und saubere Kleidung parat hat. Spätestens wenn diese Dame nun doch mal ausfällt, herrscht zuhause im Handumdrehen das Chaos, denn niemand weiß ja, was zu tun ist. Niemand kann sich darum kümmern, dass zumindest Grundbedürfnisse wie Essen oder bezahlte Rechnungen abgedeckt werden.

 

Ein dritter Grund steckt nach meiner Erfahrung zusätzlich in diesem Mechanismus – die Harmoniesucht, dem Wunsch, unbedingt bei allen beliebt zu sein. Wenn ich alle unpopulären Arbeiten mache, hat niemand was zu meckern und vielleicht ist jemand sogar froh über mich.

 

Je älter die Mitstreiter sind, desto eher kann man mit ihnen natürlich über Sinn und Unsinn mancher Arbeit diskutieren – wenn man es denn möchte -, aber bestimmte Arbeiten sind nun mal notwendig und auch die längste Debatte am Esstisch oder in der Teamsitzung macht sie nicht überflüssig.

Ja, das gibt am Anfang den ein oder anderen bösen Blick, aber auch hier ist ein bisschen Geduld Gold wert. Menschen mögen es nämlich, wenn man ihnen etwas zutraut und eine Aufgabe, die man selbst gemeistert hat, macht unheimlich stolz.

 

Was ist also hier die Lösung – oder sagen wir lieber, EIN möglicher Weg zur Lösung?

 

Zum einen muss ich meinen Stolz etwas zurechtstutzen und zugeben, dass auch ohne mich der Laden laufen wird; vielleicht nicht exakt so, wie ich es tun würde, aber lange das Endresultat stimmt, geht es doch.

Viele gute Pläne scheitern hier. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen und die eigene Wichtigkeit vielleicht eher auf anderen Gebieten zu zeigen...das macht natürlich Angst. Was bleibt von mir, wenn ich nicht wenigstens die perfekte Hausfrau und Mutter bin? Die perfekte Organisatorin im Sportverein? Der Liebling aller Kollegen?

Antwort: Erstaunlich viel. Der „Nur-Heimchen-am-Herd-Blick“ wurde uns in den letzten Jahrzehnten mit unglaublicher Härte ins Gehirn und die Mentalität gemeißelt. Es braucht ein gehöriges Stück Gelassenheit und Selbstvertrauen (das nicht immer sofort da ist), um die Lücken zu füllen. Stichwort Wachstumsschmerzen. (Es lohnt sich aber gewaltig, so viel sei verraten!)

 

Zum anderen muss ich meinen Familienmitgliedern/Kollegen/... klarmachen, dass alle in einem Boot sitzen und sich niemand vor zumindest einem Stückchen Arbeit drücken kann. Als Belohnung hilft gerne mal der Hinweis, dass man selbst dann dieses Rumgenörgel an den anderen ja endlich sein lassen kann...;-)

Die eigentliche Arbeitsanweisung so klar und deutlich wie möglich ausdrücken!

Nicht etwa, weil unsere Mitmenschen begriffsstutzig wären, sondern weil es schlicht um Informationen geht; die „verbale Dekoration“ lenkt hier nur ab.

Ein abschreckendes Beispiel ist mir einmal in einem Warteraum begegnet: Neben mir saß eine junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn, vielleicht 2 Jahre alt. Als nun dieser Junge das Spielzeug eines anderen Kindes mitnehmen wollte, hielt die Mutter eine eindrucksvolle Rede, die in etwa so ging:“Hallo mein Schatz, würdest du der Mama eventuell mal einen Gefallen tun, also wenn du vielleicht magst, und könntest du so nett sein, dem Kind dort drüben irgendwann sein Spielzeug zurückzugeben?“

Ob hier Ironie im Spiel war – ich weiß es nicht.

Ich weiß aber, dass es mich eine Menge Beherrschung kostete, hier nicht einzugreifen und zu zischen: „Verdammt, dein Kind ist noch viel zu klein, er versteht davon nichts als Blablabla! Drück dich klarer aus!“

Entsprechend tat der Junge natürlich auch nicht, was die Mutter von ihm forderte...!

Ein schlichtes „Schatz, gib bitte das Spielzeug wieder zurück“ hätte hier seinen Zweck mit Sicherheit besser erfüllt.

 

Was denken Sie zu diesem Thema, liebe Leserinnen und Leser? Sind Sie dafür, dagegen oder ganz anderer Meinung? Wollen Sie mehr dazu lesen? Was immer auch Ihre Meinung ist, lassen Sie es mich in den Kommentaren wissen!

 

 

Along with the drivers of having-to-be-nice and (seeming) worthlessness I often see another form of overwhelm which hides other causes behind a dutiful mask.

 

If I don't do it, nobody else will!“

 

At first sight this is obviously a collision of a strong sense of duty and a good heaping of frustration. We all know such people who will always do others' dirty work and then let the world know about it more or less clearly. On the one hand you feel glad that you were spared that ordeal and that there are people with such a strong sense of duty. Maybe you also feel a hint of guilt for your inaction burdened this poor creature with additional work. You might have done this yourself.

Yet at the same time this has a feel of reproach and pride. „Can't you take care of your stuff yourself!?“ meets „Look how important I am; without me everything would come crashing down!“

If you've ever tried to motivate your fellow humans for work with the help of such reproaches, you know how utterly useless even the intellectual approach is. Still this is how it is done every day many thousand times.

So why is this? Can't we do this a bit better and, more importantly, in a more effective way? What is the cause of such behaviour?

Let's take a different look at it – say, our boss gives us a task to work at. If he is good at his job and has learned a bit about leadership, he'll phrase his request something like this: „Mrs Meier, please take care of task X. It is due on day Y“.

 

A clear declaration: What needs to be done? By whom and until when?

 

You can't find even a hint of that in the reproachful „...or nobody will do it“ Just about anyone of us knows this game from our childhood, often with chores such as tidying your room – you only had to endure Mother's bad mood for a moment and maybe mumble something like „Yeah, later“. In one fell swoop the thing was done for you, no need to take responsibility.

 

So where does this behaviour come from originally? I dare say there are several (false) beliefs behind all of this.

Firstly the enquirer assumes that her child/husband/...(so far I've only ever encountered this phenomenon with women) are mindreaders to know how and when she would like to have the chore finished. Exact details, maybe even some order in them („First, make your bed and then put your clothes in the wardrobe; until dinner time“) are lacking completely.

Secondly she – unconsciously – holds the opinion that it is part of her role as a woman to take care of the entire household (or whatever the job to be done is) ALL BY HERSELF. A nod to the fifties and their totally unrealistic image of the super housewife.

Thus she avoids involving her housemates as early as the planning stage and delegating the tasks respectively.

Result: Nobody except her knows the greater picture and the invisible details. On the one hand she does make herself irreplaceable but the others are left out and often have no idea just how much has to be done for „Hotel Mum“ to be able and keep warm food and clean clothes ready.

By the point when this lady does become incapacitated, all hell will break loose in her home for nobody knows what has to be done on a daily base. Nobody can take care of covering at least the basic needs such as food or bills getting paid on time.

 

Judging from my experience there is often a third reason at play in this mechanism – the drive for constant harmony, also known as people pleasing. If I take on all the unpopular chores, nobody has a reason for whining and maybe someone is even glad to have me.

The older your comrades-in-arms are, the easier it is to have a discussion with them about whether certain jobs are necessary or not – if you truly want to – but some tasks are simply essential and even the longest debate at the dining table will not turn them into something superfluous.

Yes, you will get angry looks at first, but a little patience is worth its weight in gold. You see, people like it when you have confidence in their abilities and a job that you managed to do yourself will make you proud.

 

So what is the solution here – or, rather, ONE possible way to a solution?

 

On the one hand I need to take down my ego a bit by admitting that even without me, things will be going well; maybe not in the exact same way that I would do them, but as long as the final result is the same, it's ok.

A lot of great plans fail at this mark. Not taking yourself too seriously, maybe trying to show your importance in other fields – that's scary. What will remain of me if I am not at least a perfect homemaker? Answer: so much it'll amaze you! That „only a housewife and mother“ kind of view has been chiseled into our brains and our mentality for decades with relentless fervor. It takes a good deal of self confidence and serenity – which may not immediately be at hand – to fill those gaps. Speak of growing pains. (Though it is worth the effort, that much I can say!)

 

On the other hand I need to point out to my family members/colleagues/... that we are in this together, that nobody can refuse to do at least some small task. Stating that you can finally stop nagging may be a good reward to get everyone on track ;-)

Keep the actual assignment as clear and as precise as possible!

It's not because our fellow humans could be dim-witted, it's because what counts in this case is pure information - „verbal decoration“ is only a distraction.

I once encountered a deterrent example in a waiting room: Next to me sat a young mother with her son, maybe two years old. When this boy wanted to take home another child's toy, his mother gave a rather impressive speech that ran something like this:“Hello my darling, would you please do Mommy, well, sort of a little favor – only if you like to – and could you please be so nice and give that toy back to the other kid at some point ?“

Whether this was a case of irony – I don't know.

What I do know, though, is that it took me a whole lot of self-control to not interfere and hiss:“Damn it, your child is way too young, all he understands is bla bla bla! Get to the point!“

Obviously the boy never did what his mother asked him to...

Simply saying „Darling, please give that toy back“ would certainly have been more effective.

 

What do you think about this topic, my dear readers? Do you agree, disagree; maybe you have an entirely different opinion? Would you like to read more about this? Whatever your opinion is, feel free to let me know in the comments section!

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Die Stimmen im Kopf oder: Warum sind wir so hart zu uns selbst?

Schwefel-Cosmea
Schwefel-Cosmea (c) Maria Aldinger

 

In der neuen Artikelreihe wollen wir uns einmal diese fiesen kleinen Stimmchen im Hinterkopf genauer betrachten, die so viel an unserem Verhalten steuern und uns in die Falle der Überforderung und Erschöpfung locken, ohne dass wir es so richtig merken oder gar wollen. Woher kommen die überhaupt, was machen sie mit uns und wie können wir sie entfernen – oder zumindest leise drehen?

 

In this new series of articles we'll take a closer look at those pesky little voices in our heads that control so much of our behaviour, luring us deep into the traps of overwhelm and exhaustion before we even notice. Where do they come from, what do they do to us and how can we remove them – or at least turn the volume down?

 

 

Wenn ich jemandem mit viel Stress vorschlage, bei der ein oder anderen nicht soo wichtigen Aufgabe doch mal etwas kürzer zu treten und ruhig auch die lieben Mitmenschen einzubinden, dann fallen häufig Sätze wie diese:

 

Das kann ich X doch nicht antun!“

 

Ach wirklich? Fällt dann dieser Mensch auf der Stelle tot um oder hört die Erde augenblicklich auf, sich zu drehen? Vermutlich eher nicht. Den Satz höre ich nämlich nicht bei buchstäblich lebenswichtigen Aufgaben – zum Beispiel einen Angehörigen pflegen, da kann es ja tatsächlich schwierig sein, von jetzt auf gleich einen Ersatz für die eigene Tätigkeit zu finden.

Eher, wenn es darum geht, dass jemand nach dem Kegel- und dem Gesangsverein vielleicht nicht auch noch Vorsitzender des Pudelzüchterclubs werden muss. Mitglied sein, na klar. Aber überall bei den anstrengenden Posten „Hier!“ schreien? Nö, muss nicht sein. Die meisten Menschen sind mit ihren Hobbies und den bekannten 24 Stunden am Tag recht gut ausgelastet. Außerdem sind wir zu 7 Milliarden, da fand sich bis jetzt noch immer ein Nachfolger...

 

Wenn wir eine solche, doch eher kleine Entscheidung dem Anderen mitteilen, dann sieht man sehr schön, aus welchem Holz das Gegenüber geschnitzt ist.

In den allermeisten Fällen kommt dann nämlich bloß so etwas wie „Oh schade...naja, da kann man nichts machen“. Damit ist die Sache erledigt und wir sind ein belastendes Päckchen los. Juchu!

 

Schwieriger ist es bei den ...nennen wir sie mal vorsichtig „Dramatikern“. Das sind die, bei denen ein mehr oder minder direktes Nein für ganz großes Kino sorgt. Von ungläubigen Blicken über pathetische Ausrufe wie „Aber nein! Du willst mich umbringen!“, gefolgt von Vorwürfen, wie man sie seltsamer gar nicht erfinden könnte und wenn wir es dann wagen, immer noch nicht einzuknicken – tja, dann fahren die Dramatiker die großen Geschosse auf und machen einen auf „Armes Opfer“, komplett mit schniefen, Dackelblick, Krokodilstränen und frei erfundenen Räuberpistolen darüber, was die Menschheit doch schon immer so gemein/egoistisch/hinterhältig... zu ihnen gewesen sei und wie sie glaubten, wir seien eine löbliche Ausnahme...

 

Bei so einem Theater hart zu bleiben und auf dem Nein zu beharren – da gehört dann schon etwas Training dazu und vor allem das Wissen, dass ein solcher Mensch sich im Handumdrehen einen neuen „Sklaven“ sucht. Eine Sorge weniger für uns.

Das mag jetzt fies und hartherzig klingen, aber so ein Dramatiker (Die Psychologen sprechen hier etwas genauer von Narzissten, die ihre Mitmenschen ohne Sinn und Verstand als Werkzeug benutzen) sieht uns nicht als Mitgeschöpf mit Gefühlen, sondern als Mittel zum Zweck – seelische „Knöpfe“ drücken, um den anderen zu manipulieren (das ist viel eher gemein!), ist für ihn ein alltäglicher Vorgang, um ohne eigenes Zutun die Lorbeeren einzuheimsen.

 

Hier ist es sehr hilfreich, sich im Vorherein den einen oder anderen Satz zu überlegen, mit dem man solche Attacken ruhig, aber bestimmt abwehren kann. Vielleicht tut es für den Anfang eine gute Freundin oder auch der Spiegel als Partner;-) Notfalls tut es ein schlichtes Nein aber auch. Nur beharrlich muss man sein und – wenn es geht – dem anderen ins Gesicht zu sehen, ist auch sehr hilfreich, denn das sagt demjenigen, dass hier jemand nicht darauf wartet, ausgenutzt zu werden, sondern dass wir hinter unserer Forderung stehen, was da auch kommen möge. Das ist leichter gesagt als getan, aus eigener Erfahrung kann ich da beipflichten, aber auch sehr lohnend.

 

 

 

Whenever I suggest somebody stressed-out might as well take it easy and drop this or that not-so-important job from their list that others can do as well, I usually hear phrases like those:

 

But I can't to that to X!“

 

Oh really? Is this person going to drop dead right away, will the Earth stop spinning around its axis this very moment?

Probably not. You see, this sentence is not one that people use when talking about literally vital jobs, such as nursing a sick relative, where it can indeed be tricky to find a good substitute for one's own work.

No, this usually comes up from somebody who is is heavily involved in the bowling club as well as the choir and who now considers becoming president of the poodle breeders' club, too.

Being a member: sure, go for it. But taking up every taxing job that nobody else wants? Nope, not essential.

Most people are quite well endowed with their hobbies and those well-known 24 hours in a day. Besides, there are 7 billion of us, so far we've always found someone to fill in...

 

When we tell others about such a, really rather small decision, it becomes quite obvious what kind of person we are dealing with. In almost every case all you hear is a simple „Oh, what a pity...well, you can't help it.“ This is no longer our business, we've got a much-needed breather - yay!

 

Things are more tricky, though, if you're dealing with a drama queen (or king). You know, those that will follow up on your declaration with major tantrums. Starting with incredulous looks, they'll fire away lofty cries like „Oh no! You are trying to kill me!“, followed by reproaches so strange you couldn't dream them up and if at that point we dare to still not buckle ...well the drama queen or king will get the big cannons out, acting like they are the „poor victim“, complete with sniffing, big puppy eyes, crocodile tears and wild cock-and-bull-stories about how mankind has always been so mean/selfish/back-stabbing to them and how they thought that we were one of the laudable exceptions...

Remaining firm amidst such a fuss – this requires a bit of previous training and knowing that such a person will immediately go out hunting for another „slave“ if we decline. One less worry for us.

No fear, this may sound a bit nasty and cold-hearted, but such a drama queen (technically speaking, psychologists refer to people who use their fellow humans like a tool as narcissists) does not see you as a living being with needs or emotions, but simply as a means to an end. Pushing people's buttons and manipulating them in order to achieve what they want (now that's truly mean!) is something very common for a drama queen.

In this situation it is very helpful to think of one or two phrases ahead of time that you can use to counter such attacks calmly, but firmly. Try and practice with a good friend or even the mirror. If everything else fails, a plain No will do. Just be patient and – if you can manage – look the other one in the face for this tells them that you are not waiting to be abused but that you won't budge, come hell or high water. That is easier said than done, I can tell you from my own experience – but it's oh so rewarding!

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein nur leicht satirischer Überblick, Teil 3

8. Erst eine verheiratete Frau mit Kind ist eine RICHTIGE Frau.

- oder -

9. Eine alleinstehende, berufstätige und kinderlose Frau, das geht ja gar nicht!

- oft auch eingebaut in der Frage:

10. Wo bleibt denn der Nachwuchs!?!

 

Den besten, oder nach Ansicht der betroffenen Frauen eher den schlimmsten Teil, heben wir uns für den heutigen Artikel auf. Es sind drei Mythen, die aber alle um dasselbe Kernthema kreisen - die Sache mit der Fortpflanzung.

Während es mittlerweile relativ akzeptiert ist, dass nicht jede Frau den Bilderbuch-Lebensentwurf aus den 50ern mag (Mann, 2 Kinder, Haus und weißer Gartenzaun), sondern dass Kinder eben auch ohne Trauschein kommen und dennoch prächtig gedeihen können...so wird es ausgesprochen schwierig, wenn man sich nicht nur den "geordneten Verhältnissen", siehe oben, sondern gleich der Fortpflanzung komplett verweigert. So manche - eigentlich liberalen - Familien fangen ab einem gewissen Alter an, bewußt oder unbewußt auf die nächste Generation zu hoffen. Zu bibbern. ZU DRÄNGEN. Bisweilen artet das fast schon in Bestechungsversuche aus, doch auch wenn sich so eine Situation für Außenstehende möglicherweise amüsant liest - für all diejenigen, die mitten in der "Ich will aber keine Kinder, grundsätzlich nicht!"- Kontroverse stecken, ist es längst nicht so unterhaltsam.

Doch es bleibt die Frage: woher kommt dieser Mythos und warum ist er so penetrant?

 

Die Herkunft ist, mit Blick auf die Menschheitsgeschichte, recht schnell geklärt: Wo keine Kinder, da keine Zukunft. In der Zeit der Frühmenschen waren wir aber auch noch viel weniger. Nichts von Überbevölkerung zu spüren. Sobald man Kinder hatte, war man locker zwei Jahrzehnte damit beschäftigt, sie zu füttern, gesund zu halten und mit viel Glück hatte man hinterher einen oder mehrere Erwachsene zustande gebracht. Wenn man zu dem Zeitpunkt dann noch etwas Lebenszeit übrig hatte - das war lange Zeit nicht selbstverständlich! - , erlebte man bald, wie sich die eigenen Gene wiederum in den Enkeln erhielten. Mehr Menschen, mehr Arbeitskräfte, bessere Überlebenschancen.

Kinder = Leben. Aha! Das erklärt die Sehnsucht der meisten Leute nach Kindern, und deren Kindern.

 

Mittlerweile allerdings ist es zum Überleben längst nicht mehr nötig, Kinder zu haben, sich "fest zu binden" .Auch die Ehe war immerhin bis vor wenigen Jahrzehnten eine Art Vertrag zum beidseitigen Nutzen, mehr als Sympathie oder Kooperationsbereitschaft waren nicht zwingend erforderlich!

Doch was sind ein paar Jahrzehnte im Vergleich zu vielen Jahrtausenden? Recht wenig, um es einmal verhalten auszudrücken! Noch dazu verdienen heute auch viele Menschen ihr Brot damit, den Kinderwunsch anderer Leute zu erfüllen - man denke an die gigantischen Industrien der Partnervermittlung, künstliche Befruchtung,Geburtsvorbereitung und Kindererziehung! Keine Kinder zu wollen bedeutet für diese Geschäftsmodelle, dass ihnen schlicht die Kundschaft ausgeht. Ganz zu schweigen davon, dass die kommende Kundschaft ja auch wegfällt, weil nie gezeugt. Doch letzten Endes sorgt es nur für Konflikte in der Familie, wenn jemand sich nicht fortpflanzen will und der Rest der Familie sie oder ihn in der Bringschuld sieht.

Einstweilen kann es der ein oder anderen Frau helfen, die eigenen Werte und Grenzen möglichst gut zu kennen und notfalls darauf hinzuweisen, dass jemand anderes gerade im Begriff ist, sie zu überschreiten?! Leichter gesagt als getan, ich weiß.

 

Aus diesem Grund befasse ich mich in der nächsten Artikelserie einmal genauer mit diesen ominösen Werten, wo sind unsere individuellen Grenzen und wie schaffen wir es, dass sie einfach mal respektiert werden? Ein spannendes Thema wartet auf euch!!

Was erlaubt die sich denn!?! - Ein Zwischenruf

 

So manch einer fragt sich nach den vorhergehenden Artikeln nun: Wer ist diese Frau und vor allem, wieso lehnt sie sich mit ihren Texten so aus dem Fenster!?!

Ich stelle dann mal mich und meinen Werdegang vor, wie es kam, dass ich hier öfter den Mund aufmache.

 

Wie so viele von uns Menschen war auch ich eines dieser Kinder, die Erwachsene lieben, weil sie so unheimlich BRAV sind. Aus heutiger Sicht würde ich natürlich sagen, viel ZU brav, aber mangels Vergleichsmöglichkeiten war mir diese Tatsache halt noch nicht bewusst. Stattdessen machte ich, was die Erwachsenen wollten, lächelte, ob ich nun wollte oder nicht ...UND HIELT DEN MUND.

 

Egal, was passierte.

 

Ob große oder kleine Ungerechtigkeiten geschahen, Hass oder Gewalt meinen Weg kreuzten, ob unglückliche Menschen nach Liebe oder zumindest Aufmerksamkeit regelrecht schrien...Ich hielt den Mund, denn ein braves Mädchen bereitet ja niemandem Unannehmlichkeiten, nicht wahr?

 

Das erwies sich über die Jahre hinweg als Fehlgriff, doch leider saß diese Sache namens „gute Erziehung“ ausgesprochen fest in meinem Hirn und bremste jeden Versuch, mal – wörtlich oder nur metaphorisch – mit der Faust auf den Tisch zu hauen und Klartext zu reden.

 

Es brauchte viele, viele Krisen, darunter eine zu pflegende Schwiegermutter mit Schlaganfall und Alzheimer, Ehekrise und so schwere Depressionen, dass ich nicht mehr leben wollte...bis ich endlich begriff, dass ich mein Leben so leben musste, wie es MIR gefiel. Dass ich die Stimmen und Andeutungen aus Umfeld, Werbung, Fernsehen usw., die mir zu verstehen gaben, dass ich falsch, nicht akzeptiert sei, wenn ich nicht so handeln würde, wie sie es mir vorschrieben, dass ich diese Stimmen - teilweise komplett - ignorieren musste.

Die Variante, in der ich anderen alles recht machte, nun ja, die hatte sich als untauglich erwiesen, denn sie führte mich geradewegs in das Land des Un-GLÜCK-lichseins.

 

Natürlich war dieser neue Weg nicht ohne Hindernisse. Es brauchte so einiges an Unterstützung von erfahrenen therapeutischen Menschen (ein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle!!) und allmählich wuchs das kleine Pflänzchen namens Selbstvertrauen. Nachdem ich mich jahre- und jahrzehntelang als „schüchtern“, „Mauerblümchen“, „uninteressant“ und vieles anderes definiert hatte, war ich dann vor einigen Jahren sehr erstaunt, als mir jemand entgegnete, das stimme nicht, ich sei doch ganz und gar nicht schüchtern! Es klappte offenbar!

Im Laufe dieses Wandels merkte ich auch, dass die befürchtete Ablehnung, Gegenwind, „Ärger“ in jeglicher Form...dass die meistens gar nicht kamen, wenn ich meine eigene Meinung zu einem Thema äußerte. Vorausgesetzt natürlich, es war nicht einfach nachgeplappert, sondern durchdacht.

 

Aus diesem Grund beschloss ich dann, nicht nur Heilpraktikerin zu werden und nach einiger Zeit auch eine Praxis zu eröffnen, sondern nun auch einen Blog, in dem ich versuche, mit verbreiteten Mythen, Fehleinschätzungen und anderen Störfaktoren aufzuräumen. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen von euch etwas Trost, Unterstützung, vielleicht sogar ein kleines Aha-Erlebnis. Manches davon stand mir selbst mal im Weg – oder tut es hin und wieder noch - , anderes kommt mir in Gesprächen bis-weilen zu Ohren.

Nicht immer wird es offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen zu lesen, das habe ich in all diesen Jahren gelernt. Nachzuhaken, vor allem nachzuhaken, wenn jemand etwas kritiklos akzeptieren will.

Mit viel Verständnis und Liebe meine Mitmenschen zu betrachten und, wenn einer davon Hilfe sucht, meine Hand auszustrecken. Wer sie nehmen möchte, den begleite ich gerne ein Stück weit auf seiner Reise zum Glück.

 

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10 Mythen über die perfekte Frau - ein (nur leicht) satirischer Überblick  Teil 2

 

4. Du bist im Beruf stets allen Anforderungen gewachsen und wirst deshalb gerecht behandelt und bezahlt

 

Zu diesem Thema sind schon viele Zeilen geschrieben worden, ein paar Stichworte gefällig?

Machtgefälle, Pay gap, Konkurrenzdenken, Machismo und und und.

 

In einer idealen Welt hätten Frauen und Männer tatsächlich gleiche Chancen auf eine Stelle, auf

gerechte Bezahlung, auf den bisherigen Job nach einer Elternzeit, auf eine Beförderung...

In der Realität aber stellen Menschen gerne Menschen ein, die ihnen selbst ähneln. Da die meisten Personalchefs auch heute noch männlich sind...wird es meist ein Mann. Mittlerweile gibt es ja Gottseidank Frauenquoten, aber auch dann bleibt das Geschmäckle, ob man es ohne Quote auch geschafft hätte und gut genug ist. Wenn dann die männlichen Kollegen erschrocken merken, dass es Konkurrenz in ihrem Revier gibt, womöglich noch besser qualifiziert...ja, dann kommt oftmals das Monster in ihnen zum Vorschein. Die wenigsten Menschen können es neidlos ertragen, dass jemand besser ist als sie selbst, erst recht, wenn es das vermeintlich schwache Geschlecht ist, und man sich selbst bislang erfolgreich als Mann und daher automatisch Platzhirsch definierte. Das nun folgende Machtgerangel, inklusive Mobbing oder die oben erwähnten Belästigung hat meistens Erfolg damit, die unerwünschte Kollegin loszuwerden. Tja und erfolgreiche Methoden werden dann öfters angewandt...

 

Nein, liebe Männer, ich weiß schon, dass ihr nicht alle so tickt und dass viele von euch ziemlich

nett und fair mit den Kolleginnen umgehen könnt, das ist mir klar. Aber leider sitzen an der

Spitze unserer Gesellschaft und unserer Firmen letzten Endes dann doch wieder die „erfolg-

reichen Verdränger“, weil so ein Ellenbogenverhalten sehr effektiv ist und von anderen meist

ganz richtig als Dominanzverhalten interpretiert wird. Es fehlt uns „braven“ Leuten schlicht an

Aggression. Dabei hat sich die Natur aber durchaus etwas gedacht. Kennt noch jemand den

Spruch „Auge um Auge und die ganze Welt wird blind“? Genau, es hilft nämlich, sanft zu sein. Aber bitte zur rechten Zeit auch mal die Krallen ausfahren, denn sonst werden wir überrannt von den Aggressiven.

 

5. Du weißt stets, was deinem Kind fehlt und wie du darauf zu reagieren hast

 

Es wäre sehr schön, wenn das jeder Mutter so ginge. Die Natur hat uns für so wichtige Dinge

wie die Fortpflanzung und die Aufzucht der Jungen ja durchaus einen gewissen Instinkt mit-

gegeben. Dummerweise aber macht sich die Menschheit seit Jahrhunderten daran, uns diesen

Instinkt abzutrainieren, in den meisten Fällen mit Erfolg. Anders sind die brillanten Verkaufszahlen der Myriaden an Ratgeberbüchern nicht zu erklären. Wenn man von einem Kind logisches Erwachsenenverhalten erwartet, ist die Mission Kind verstehen fast schon zum Scheitern verurteilt. Dazu noch ein paar mehr oder minder schlechte Erfahrungen in der eigenen Kindheit und der Cocktail der künstlich erzeugten Hilflosigkeit ist fertig.

Mit einer Mischung aus Vertrauen in die eigenen Instinkte sowie einem guten Schuss gesundem Menschenverstand kommt man in aller Regel weiter. Da heutzutage die liebevolle Großfamilie mit erfahrenen Müttern, Tanten, Omas zur Seltenheit geworden ist und auch Freundinnen einer frischgebackenen Mutter nicht immer mit sinnvollen Ratschlägen zur Seite stehen können oder wollen...tja, da hilft wohl nur die Sache mit dem Beobachten und viel Gelassenheit. Wie ich als kinderlose Frau im übrigen dazu komme, mich über die Tätigkeit einer Mutter auszulassen, so ganz ohne eigenen Nachwuchs, also folgerichtig ohne Erfahrung? Das berührt jetzt Klischee Nummer 8 und 9, gleich mehr dazu;-)

 

6. Sobald du deinen Ehemann siehst, wirst du zur sinnlichen Göttin im Bett

 

An diesem Klischee stören mich gleich mehrere Dinge.

Zum einen wird automatisch davon ausgegangen, dass nur ein EHEmann zur wirklichen

sexuellen Erfüllung imstande sei. Wer schon mal geheiratet hat, weiß aber, dass mit dem berühmten „Ich will“ nicht sofort alle Erfahrungen und Fähigkeiten auf Optimalmaß wachsen.

Eine weniger verbindliche Beziehung kann genauso gut oder schlecht für das Liebesleben sein, das kann man nicht am Trauschein festmachen.

 

Zum zweiten klingt hier durch, dass man bei Frauen ja nur auf den richtigen Knopf drücken müsse, damit sie ungeahnte Lüste empfinden kann. Die allermeisten Frauen können das erstens selbst ganz gut und zweitens lässt der Satz die Tatsache außer Acht, dass Lust eine Sache des Entspannens, der lockeren Stimmung ist. Sicher, man könnte jetzt Aphrodisiaka, ein bisschen Alkohol ins Spiel bringen. Doch das geht schon wieder gegen die Sache mit der Einvernehmlichkeit. Wenn Frau nicht will, dann will sie nicht. Überall in der Natur sieht man dieses Prinzip – Weibchen wählt, Männchen fügt sich – oder sollte es zumindest tun. Es gibt tausend Gründe, warum eine Frau jetzt gerade keinen Sex will, ob es am Partner, dem schlafenden Baby, ihrem eigenen Körper, Schlafmangel, Ärger auf der Arbeit oder sonst etwas liegt. Meistens macht irgendetwas ihr Druck (im Sinne von Bedrohung) und das ist der Lust definitiv abträglich. Auch dazu später mehr.

Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass manch eine Frau nur aus Gründen der Einsamkeit, der finanziellen Sicherheit oder auf Druck des Umfeldes (siehe Klischee 8/9) eine feste, eventuell amtlich anerkannte Beziehung eingeht, dass man ihr vielleicht so viele Komplexe und seelische Baustellen eingeredet hat, dass sie sich und ihrem Körper, ihrem eigenen Instinkt gar nicht mehr vertrauen kann...ja, dann sind wir wieder bei dem infernalischen Cocktail aus Angst und Hilflosigkeit. Man macht halt, was scheinbar alle anderen machen – nur redet kaum jemand davon, dass die anderen genauso wenig verstehen und sich ebenfalls am vermeintlichen Rudelverhalten orientieren. Da hat die Menschheit noch eine ganze Menge Aufarbeitung in Sachen sexuelle Schuldgefühle vor sich. Fangen wir erst mal bei uns selbst an;-)

 

7. Durch die Lektüre verschiedenster Zeitschriften bist du stets auf dem Laufenden in Sachen Mode, aber auch Klatsch und Tratsch, man muss ja mitreden können.

 

Auch hier haben wir so einige Kritikpunkte.

Eine Frau wird in so ziemlich jeder entsprechende Zeitschrift mehr oder minder stark als fehlerbehaftet dargestellt. Warum? Im Marketing spricht man gerne davon, dass man als Unternehmer mit seinem Produkt die Bedürfnisse des Kunden erfüllen sollte. Was ist aber, wenn der Kunde gar kein Bedürfnis danach hat? Nun, dann kann man ihn entweder dezent darauf hinweisen oder mit seinen unterschwelligen Ängsten spielen, sie vielleicht noch stärker machen...damit er das Produkt aus Angst doch kauft. Ein Schelm, der dabei Böses denkt.

Lest mal unter diesem Aspekt die typischen Werbeanzeigen für Produkte, die auf Frauen abgestimmt sind – egal was. Nehmen wir die Kosmetik beispielsweise.

Keine Ahnung, wie es euch geht, aber ich persönlich kenne keine einzige Frau, die auf dekorative Kosmetik alias Schminke freiwillig komplett verzichtet, inklusive Hautpflege, Gesichtswässerchen, Wimpern färben, Beine enthaaren... Warum nicht? Aus Angst, als Schlampe, ungepflegt oder sonst wie unangenehm zu gelten. Dass ungefähr 99,9% der Männer den Unterschied zwischen geschminkt und ungeschminkt gar nicht bemerken oder sich daran nicht stören...sinnloser Einwand! Das „Rudel“ der Menschheit könnte einen ja eventuell, möglicherweise,...verstoßen.

Hier treffen sich anerzogene Mythen und die tatsächliche evolutionäre Realität (nämlich, dass man als einzelner Mensch in freier Wildbahn von jeher nur sehr schlecht überlebt und daher den Verband der Gruppe ( Rudel, Horde...) sucht und sich notgedrungen dessen Vorschriften anpassen muss. Ein gefundenes Fressen für die Hersteller der Kosmetik, im Extremfall auch für psychologisch geschulte Profis, die der völlig verunsicherten Frau dann irgendwann ein wenig Vertrauen in sich selbst verschaffen sollen. Fragt sich noch jemand, warum eine von anerzogenen Ängsten und sozialen Zwängen befreite Frau hierzulande so selten ist? Genau, weil es sich für eine Menge Leute dann nicht rechnet. Behalten wir nun noch im Hinterkopf, dass unser kollektives Gedächtnis dieses halbe Jahrtausend an Hexenverfolgung zu bieten hat, bei der aus Neid und Missgunst sehr schnell ein Todesurteil wurde...tja, dann wundert einen so schnell nichts mehr. Auch dazu noch mehr in den kommenden Artikeln;-)